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Römer am Elfmeterpunkt – Archäologie trifft Fußball

Wo heute im Stadion gejubelt, gepfiffen und gezittert wird, rauschte vor 2000 Jahren das Alltagsleben einer römischen Siedlung. Den Funden beim Bau der Arena widmet sich jetzt eine Sonderausstellung im Zeughaus.

Von Bruno Stubenrauch

Römische Venusstatuette aus Augsburg (Bild: © KMA / Gestaltung: Christoph Sauter)

Ein erstaunliches Kapitel antiker Geschichte kam 2007 beim Bau des Stadions ans Licht: Schmuck, farbig schimmernde Glasgefäße und Amphoren aus fernen Häfen wie Rhodos oder Spanien erzählten von Wohlstand – und einer Welt, die schon damals erstaunlich global vernetzt war. Jüngste Grabungen von 2024 legten sogar Teile der römischen Wasserversorgung frei, darunter einen 40 Kilometer langen Brauchwasserkanal, der einst mächtige Mühlen antrieb und heute unter dem Parkplatz schlummert.

Diese Funde rücken nun im Römerlager im Zeughaus in den Mittelpunkt der kleinen, aber pointierten Sonderausstellung „Römer am Elfmeterpunkt – Was hat der FCA mit Augusta Vindelicum zu tun?“. Sie zeigt nicht nur die Schätze rund um die Arena, sondern spielt mit einem charmanten Gedanken: Dass im FCA ein gutes Stück römisches Erbe steckt. Schließlich ist er der einzige Bundesligist mit einem römischen Steindenkmal im Wappen – dem Pinienzapfen. Auch die heiß begehrten „Römer-Trikots“, binnen Stunden ausverkauft, finden hier ihren Platz zwischen antiken Keramikfragmenten und archäologischem Know-how.

Militärlager trifft Mittelfeld

Während Kultur- und Sportreferent Jürgen K. Enninger daran erinnert, dass gerade einmal fünf Prozent des antiken Augsburg ausgegraben sind, verschränken die Ausstellungsmacher Antike und Fußball mit einem feinen Augenzwinkern: Militärlager trifft Mittelfeld, römische Infrastruktur auf modernen Stadionbetrieb. Und dort, wo einst Öfen glühten, Metall verarbeitet und Ackerfrüchte fürs Legionslager angebaut wurden, erhebt sich heute der heilige Rasen des FCA.

„Römer am Elfmeterpunkt“ macht diese über 2000-jährige Doppelschicht an Geschichte sichtbar – und zeigt, dass der Weg vom römischen Brauchwasserkanal zum Bundesliga-Verein manchmal kürzer ist, als es scheint.

Die Ausstellung im Römerlager im Zeughaus eröffnet am Montag, 15. Dezember 2025 um 18 Uhr. Sie läuft bis Ende 2026.