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Montag, 22.11.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Raus aus dem Elfenbeinturm

Beim „Tag der Mittelalterforschung“ geht’s am Donnerstag um Frauen

Mit fünf Vorträgen zum Thema „Frauen im Mittelalter“ wendet sich der Mittelalter-Lehrstuhl der Uni Augsburg am kommenden Donnerstag an die interessierte Öffentlichkeit. Prof. Martin Kaufhold, Ordinarius am Lehrstuhl für die Geschichte des Mittelalters, beantwortete die Fragen von DAZ-Redakteur Frank Heindl.

DAZ: Herr Kaufhold, warum geht Ihr Lehrstuhl mit seinem „Mittelaltertag“ eigentlich regelmäßig an die Öffentlichkeit?

Kaufhold: Vor allem, damit Forschung und Wissenschaft aus dem Elfenbeinturm kommen und mit der Öffentlichkeit in Austausch treten. Wir haben ja eine öffentliche Aufgabe zu erfüllen und werden deshalb überwiegend öffentlich finanziert. Außerdem ist es eine spannende Herausforderung, im relativ knappen Rahmen von 30 Minuten in verständlicher Weise Inhalte zu vermitteln, ohne dass man davon ausgehen kann, dass die Leute schon vorher über die Themen informiert sind.

DAZ: Registrieren Sie denn über den Mittelaltertag hinaus Interesse an Ihren Themen?

Kaufhold: Wir füllen die Räume, die wir anbieten, und daraus schließe ich, dass wir auf Interesse stoßen und dass es den Leuten so gut gefällt, dass sie auch wiederkommen.

DAZ: Wie viel Publikum hat der Mittelaltertag?

Kaufhold: In den Hörsaal passen so 240 Leute rein, der war zuletzt ja immer voll. Und bei den Nachmittags- und Abendveranstaltungen im Maximiliansmuseum sind es immer 120 bis 140 Besucher.

DAZ: Es gibt diesmal zwei auswärtige Referentinnen …

Kaufhold: … das ist zum einen Frau Martina Hartmann, eine erfahrene Spezialistin auf dem Gebiet der Frauenforschung im Mittelalter. Sie ist Professorin in Heidelberg, hat lange bei der Monumenta Germanica Historica in München gearbeitet und versteht viel von Handschriften. Und sie hat gerade ein Buch über Königinnen im Mittelalter geschrieben.

DAZ: Und dann Frau Lepsius.

Kaufhold: Susanne Lepsius ist Rechtshistorikerin. Sie hat neben Geschichte auch noch Jura studiert, in Frankfurt über europäische Rechtsgeschichte gearbeitet und sich dann zunehmend mit spätmittelalterlichen Juristen beschäftigt. Sie hat mehrere Berufungen an verschiedene Universitäten und muss sich momentan entscheiden, wo sie hingehen will.

DAZ: Mittelalter plus Jura – das hört sich für Außenstehende möglicherweise ein bisschen trocken an …

Kaufhold (lacht): Das mag schon sein. Themen aus der stark spezialisierten Wissenschaft müssen sich für Außenstehende wohl einigermaßen abstrakt anhören, das muss man sicherlich einräumen. Aber wir machen ja gerade den Versuch, das, was man selbst erforscht hat, auch rüber zu bringen. Und das kann dann sehr interessant und spannend sein.

DAZ: In der Vergangenheit hatte der „Mittelaltertag“ oft deutlichen Bezug zu Augsburg, warum diesmal nicht?

Kaufhold: Man kann nicht bei jedem Thema Bezüge zu Augsburg herstellen – andernfalls müssten wir über sehr kleinteilige Forschungsergebnisse sprechen.

DAZ: Diesmal geht’s um „Frauen im Mittelalter“, sie selbst werden über „weibliche Erfahrung in der Wikingerzeit sprechen“ – mir war bisher gar nicht bekannt, dass die Wikinger überhaupt Frauen hatten …

Kaufhold (lacht): Das ist tatsächlich eines der neuen Forschungsergebnisse: Man hat festgestellt, dass es im Mittelalter Frauen gab. Im Ernst: Die Wikinger haben ganz spannende Frauen – die sind nicht nur nett, manche sind regelrecht intrigant, abgründig, richtig interessante Persönlichkeiten.

DAZ: Woher weiß man das?

Kaufhold: Die Überlieferung ist nicht ganz unproblematisch, weil sie aus der so genannten „Sagaliteratur“ stammt, also aus einer zum Teil deutlich späteren Phase, 250 Jahre später. Zum Teil ist das wohl einfach Literatur – zum Teil aber deckt es sich auf überraschende Weise mit archäologischen Funden aus der Zeit der Entdeckung Amerikas und der Besiedlung von Grönland und Island durch die Wikinger. Wenn man beide Wissenschaftsdisziplinen verbindet, ergibt sich schon ein Bild.

Das Programm des Mittelaltertages



Die Vortragsreihe am kommenden Donnerstag, 16. Juli, beginnt um 10 Uhr im Hörsaal II der Universität mit dem Vortrag von Prof. Martin Kaufhold zum Thema „Die Entdeckung Amerikas und die weibliche Erfahrung in der Wikingerzeit.“ Anschließend spricht Dr. Thomas Krüger über „Die englische Königin Edith-Mathilda als Vermittlerin im Investiturkonflikt.“ Diese Veranstaltung endet um 11.30 Uhr.



Von 16 Uhr bis 17.30 Uhr sprechen im Maximilianmuseum (Philippine-Welser-Straße 24) zunächst PD Dr. Susanne Lespius über „Probleme mit der Mitgift. Spätmittelalterliche Juristen in Italien über Frauen als Versorgungsfälle“, anschließend der Augsburger Professor für mittelalterliche Literatur, Werner Williams, über „Frauenmystik im 15. Jahrhundert“.



Den Abendvortrag um 18.15 bestreitet am selben Ort Prof. Martina Hartmann zum Thema „Königinnen im Mittelalter“.



Die Vorträge dauern etwa 30 Minuten, der Abendvortrag 45 Minuten. Im Anschluss besteht jeweils die Möglichkeit für Fragen und Diskussion. Die Vorträge setzen keine Fachkenntnisse voraus, der Eintritt ist frei.