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Freitag, 30.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Rafael Seligmann in der Neuen Stadtbücherei

Am kommenden Montag, 25. Juli ist ab 19. 30 Uhr der Autor und Publizist Rafael Seligmann in der Neuen Stadtbücherei zu Gast. „Deutschland wird dir gefallen“, so heißt Seligmanns autobiographisches Buch, aus dem er wohl lesen wird, um anschließend mit den Zuhörern ein Gespräch zu führen.

Rafael Seligmann - Bild: Reno Engel

Rafael Seligmann - Bild: Reno Engel


So genau geht das aus der Pressemitteilung der Neuen Stadtbücherei nicht hervor. „Vortrag und Gespräch mit dem deutsch-jüdischen Publizisten“, so die Überschrift, die weder selbstredend ist noch sich mit dem dazugehörigen Text erklärt: „Als der zehnjährige Rafael Seligmann aus Israel nach München zieht, ist er plötzlich Analphabet. Deutsch ist seine Muttersprache, aber er kann sie zunächst weder lesen noch schreiben. Doch kommt er nie auf die Idee, seine jüdische Identität zu verleugnen. Mit wachsender Bindung an die deutsche Sprache und Kultur findet er seine Heimat in der Mehrheitsgesellschaft, nutzt aber die Sonderstellung, um seine Beobachtungsgabe zu schärfen. So wird er zu einem unverwechselbaren Romancier, Publizisten und Chronisten unserer Zeit.“

Ein anderer „deutsch-jüdischer Publizist“, Henryk M. Broder, sieht das natürlich anders: Es grenzt an Verschwendung, den “Schmock der Woche” zum zweiten oder sogar dritten Mal an Rafael (Raffi) Seligmann zu verleihen, den Publizisten und Schriftsteller, dessen Romane sich wie Leitartikel lesen und dessen Leitartikel so klingen wie ein Text von Jürgen Drews, der sich nicht reimt. Aber es muss sein. Raffi hat sich mit einem “Gastkommentar” in der Welt (“Lass dein Grämen und dein Schämen”) sogar für höhere Weihen qualifiziert, den “Schmock des Jahres”, den er nur deswegen vorerst nicht bekommt, weil es sein könnte, dass Artur Brauner oder Rolf Eden in diesem Jahr noch was Bemerkenswertes von sich geben.“ Vielleicht sollte Broder schleunigst in seine dritte Heimat, also in die„City of Peace“ eilen, um sich für diese Schmähungen bei Seligmann persönlich zu entschuldigen, doch damit ist nicht zu rechnen. Seligmanns Buch ist in der Tat eine flockig angerührte Mischung aus Autobiografie und Zeitkommentar. Autobiographisches verdrahtet Seligmann gern mit eingängigen Kurzreferaten, die kaum etwas herausarbeiten, was man nicht schon immer gewusst oder zumindest geahnt, aber verdrängt hat: Moshe Dayan war überschätzt, Ariel Sharon brillant – und Shimon Peres eine tragische Figur des Scheiterns. Dennoch: Gehen Sie hin, werter DAZ-Leser und bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil. Der Eintritt beträgt sechs Euro.