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Donnerstag, 23.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Quo vadis, FCA?

Kommentar von Roman Kern

Noch tönt es in den Ohren, rumort durch die Knochen und hat sich tausendfach in Fan-Seelen eingebrannt: das Flutlichtspiel des FCA gegen Bayer Leverkusen. Verloren, mit 1: 4 schmerzhaft deutlich, trotzdem ein Gewinn, weil sich die Mannschaft mit unbedingtem Kampfeswillen und Leidenschaft gegen die Spielstärkenübermacht der Gäste aufbäumte. Wer die schwäbische Mentalität notorischen Grantelns kennt, verfiel nach dem Schlusspfiff in ungläubiges Staunen, als die wackeren Kicker von der begeisterten Anhängerschaft trotz der Niederlage mit frenetischem Beifall gefeiert wurden.

Beispiellose Satzungs- und Tagesordnungsverletzungen

Unzufriedenheit und scharfe Kritik müssen sich jedoch mit einem anderen FCA-Ereignis ungebrochen und anhaltend verknüpfen. Auch wenn nun schon fast drei Wochen seit der Jahreshauptversammlung vom 24. August ins Land gegangen sind und ein Vereinsvorstand samt Aufsichtsrat trotz bedenklicher Satzungs- und Tagesordnungsturbulenzen nahezu einstimmig von den rund 520 versammelten Mitgliedern entlastet worden ist, so wirkt dieser Tritt in die Magengrube des eingetragenen Vereins immer noch gewaltig nach! Die intransparenten Inhalte sind bekannt; selbst die stets freundliche Sportredaktion der Augsburger Allgemeinen hat vor den Schieflagen des Kassenberichts, vor der mangelhaften Präsentation des Jugend- und U23-Konzepts, vor der undurchsichtigen Einnahmen- und Verwendungssituation der Vereinsetat-Gelder im Umfang von fast einer Million Euro nicht die Augen verschlossen, weshalb an dieser Stelle davon nicht weiter die Rede sein soll. Eine generelle Irritation will sich dennoch nicht verflüchtigen.

Demagogieähnliche Machtspiele

Kapitalgeber sind an einschlägige Bestimmungen des Wirtschaftsrechts gebunden, und auch seitens der Deutschen Fußball-Liga (DFL) bestehen Vorgaben an Investoren. Wie kann es demnach sein, dass Walther Seinsch in Personalunion Hauptverantwortlicher der Wirtschaftsunternehmen (FC Augsburg 1907 GmbH & Co. KGaA und FC Augsburg Arena Besitz und Betriebs-GmbH) und Vorstandsvorsitzender des eingetragenen Vereins ist? Der im November 2010 verkündete Rückzug der Investorengruppe ändert an diesem dubiosen Vereinsführungskonstrukt nichts. Bei der Jahreshauptversammlung ging insofern Entlastung mit Belastung in eins, als vom sensationellen Bundesliga-Aufstieg euphorisierte Mitglieder offenbar in Dankbarkeit den streckenweise ans Demagogische heranreichenden Machtspielen des alle Vereinsfäden in der Hand haltenden Akteurs auf dem Podium verfielen.

Der Autor

Roman Kern erhielt 1982 (zusammen mit der Redaktion der Zeitschrift für Literatur und Kunst „sprachlos“) den Kunstförderpreis der Stadt Augsburg. Kern ist gebürtiger Augsburger, wuchs in der Nähe des Rosenaustadions auf und ist seit vielen Jahren im schreibenden Gewerbe tätig. Er selbst beschreibt sein Verhältnis zum FCA so: “Mit sieben Jahren den Vater begleitet, seit den ersten BCA-bezogenen Auftritten von Helmut Haller im Fan-Herz getroffen; immer am Geschehen rund um den Verein dabei, auch in unterklassigen Zeiten; Vereinsmitglied seit 2007.”

Fußball weltweit kämpft unter den knallharten Maximen der Kapitalienvermehrung/-verbrennung, als gigantisch einträgliches Milliardengeschäft und gnadenloses Schuldenuniversum zugleich funktionieren zu sollen, mit vielen Wettbewerbsverzerrungen. Wären die Vereine in den drei deutschen Profiligen dem Spielberechtigungskriterium unterworfen, weder von Unternehmen, noch von Steuergeldern, noch von börsenorientierten Geldgebern und Investoren gefördert und abhängig zu sein, fiele das Teilnehmerfeld sehr überschaubar aus.

Neubundesligist FCA, wohin gehst du samt deiner Vereinsführung, die mit transparenter Öffentlichkeitsarbeit so gar nichts am Fußballschuh hat?