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Montag, 25.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Quo vadis FCA?

Die Frage, wohin die Reise des FCA in der ersten Saison der Nach-Weinzierl Ära geht, noch vor dem ersten Bundesliga-Spiel zu beantworten, kommt einer Kaffeesatz-Leserei gleich. Gleichwohl lieferte das Pflichtspiel-Debüt des FCA im DFB-Pokal gegen den Fünftligisten aus Ravensburg erste Aufschlüsse über das Potential der Augsburger kurz vor dem Bundesligastart am kommenden Samstag (15.30 Uhr) in der heimischen WWK-Arena gegen den VfL Wolfsburg.



Von Udo Legner

Die ominöse 38. Minute

Pessimisten werden nicht müde, auf die ominöse 38. Minute zu verweisen. Erst scheiterte Caiuby mit seinem Kopfball am Torwart des FV Ravensburg, dann war es  Ja-Cheol Koo, der den Abpraller nicht über die Torlinie brachte und schließlich – aller schlechten Dinge sind drei – schoss Alfred Finnbogason aus wenigen Metern am Tor vorbei. Pessimisten werten diese mangelnde Konsequenz vor dem gegnerischen Tor als schlimmes Omen und sehen schon ein Sturmtief heraufziehen, das den FCA unaufhaltsam in den Abstiegsstrudel reißen wird. Sie trauen den Neuen nicht und trauern immer noch Markus Weinzierl nach, mit dem im 4. Bundesligajahr der sensationelle Einzug in die Europa League gelungen war. Für sie kommt Weinzierls Weggang von Schwaben nach Schalke einer Fahnenflucht gleich, mit der auch die Erfolgsgeschichte des FCA zu Ende geht.

Hätte der neue Trainer wenigstens Bernd Schuster geheißen und Stallgeruch gehabt! Aber Dirk Schuster von Aufsteiger Darmstadt, für den auch noch eine Ablöse fällig wurde?! Da half auch nicht, dass dieser Chouchou der Medien zum Trainer der Bundesligasaison 2015/16 gekürt worden war. Erstens war das Markus Weinzierl im Jahr zuvor auch schon geworden (was ihn nicht hinderte, den FCA in der Hinrunde auf einen Abstiegsplatz zu führen) und zweitens ist mit Dirk Schuster und seiner defensiven Spielphilosophie wenig Staat zu machen. Nicht wenige Skeptiker sehen mit der Verpflichtung von Schuster gar das Ende der lang beschworenen Harmonie in der Vereinsführung herannahen. Erste Abwerbeversuche des Managers Stefan Reuter konnten noch abgewehrt werden.



Am Golde hängt’s, zum Golde drängt’s


Baba verhökert, Klavan verkauft und selbst die Vereinsikone Tobi Werner verabschiedet – Weinzierl, Klopp und Luhukay können nun mit den Pfunden dieser früheren FCA Erfolgsgaranten wuchern und dem FCA bleibt einmal mehr nur das Nachsehen und so fischen sie zwischen Lech und Wertach weiter im Trüben und tun sich schwer, trotz der erzielten Rekorderlöse gleichwertigen Ersatz an Land zu ziehen. Für die Pessimisten und Schwarzseher ist die Ahnung schon der Gewissheit gewichen: Der FCA muss nach fünf überaus erfolgreichen Bundesliga-Jahren den Gang in die Zweite Liga antreten!

Die Gegenrechnung: der FCA blüht auf

“Geld schießt keine Tore, aber es beruhigt” – sagen die Optimisten, die zuversichtlich sind, dass die bisher getätigten und noch anstehenden Neuverpflichtungen einschlagen! Sie setzten unisono aber vor allem darauf, dass Finnbagosans Formkurve nach seinem zehrenden EM-Intermezzo für Island wieder nach oben geht und Raul Bobadilla zu alter Vollstreckerstärke zurückfindet.

Schusters Spielauffassung könnte das i-Tüpfelchen für eine taktische und spielerische Weiterentwicklung des FCA sein. Die von allen Mannschaftsteilen eingeforderte größere Aggressivität als Basis für ein effizientes und erfolgreiches Balleroberungs- und Umschaltspiel?

Diese Rechnung könnte – vorausgesetzt die Kreativabteilung des FCA um die Hoffnungsträger Halil Altintop und Jan Moravec findet zu Spielwitz und Souveränität zurück – durchaus aufgehen und die Augsburger Torflaute beheben. So könnte – Fußballherz, was willst du mehr! – diese sechste Saison richtig sexy werden und dürfte dem FCA – trotz aller Unkenrufe – einen einstelligen Tabellenplatz bescheren!