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Mittwoch, 26.02.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Prognose: Der Schulz-Effekt wirkt auch in Augsburg

Die Frage, ob das Hoch der Bundes-SPD von 33 Prozent auch für die Augsburger SPD gilt, wären am kommenden Sonntag Kommunalwahlen, lässt sich mit einem eindeutigen “Ja” beantworten.

Von Siegfried Zagler

Wahlergebnisse der Augsburger SPD und der Bundes-SPD im Vergleich (c) DAZ

Wahlergebnisse der Augsburger SPD und der Bundes-SPD im Vergleich (c) DAZ


Die politische Großwetterlage bildete sich stets bei den Augsburger Kommunalwahlen ab. In den 70er Jahren lag die Bundes-SPD zwischen 45 und 42 Prozent. In den 80er Jahren ging es nach der Schmidt-Ära mit der SPD deutschlandweit rapide abwärts. Bei den ersten gesamtdeutschen Wahlen 1990 landete sie bei 33,5 Prozent. Ein Wert, der heute als Hoch bewertet wird, galt damals als politisches Erdbeben. In zehn Jahren verlor die deutsche Sozialdemokratie fast zehn Prozent ihrer Stammwählerschaft.

Dieser Negativtrend bildete sich eins zu eins in Augsburg ab: Die SPD erhielt in den fünf Stadtratswahlen von 1966 bis 1990 46,5 Prozent (1966), 46,5 Prozent (1972), 44,5 Prozent (1978), 44,9 Prozent (1984) und 28,7 Prozent im Katastrophenjahr 1990. Mit diesem Wert lag die Augsburger SPD erstmals deutlich unter dem Bundestrend und überließ als einzige bayerische Großstadt das Amt des Oberbürgermeisters der CSU.

In den 90er Jahren stabilisierte sich die Bundes-SPD in der Opposition und erreichte mit ihrem Hoffnungsträger Gerhard Schröder bei der Bundestagswahl 1998 40,9 Prozent. Schröder wurde Bundeskanzler und es ging wieder bergab mit der SPD: Bei den Wahlen 2002 kam sie mit einem amtierenden Bundeskanzler auf 38,5 Prozent, bei der Wahl 2005 auf 35,2 Prozent. Schröder wurde 2005 aus dem Amt gewählt. Die Ära Merkel sollte beginnen.

Auch dieser Trend spiegelte sich in Augsburg exakt wider. Erreichte die SPD bei der Kommunalwahl 1996 nur schwache 29,4 Prozent, so schoss sie 2002 mit Paul Wengert als OB-Kandidat auf 36,4 Prozent hoch. SPD-Mann Wengert wurde Oberbürgermeister in Augsburg.

In Berlin begann die Zeit der Großen Koalitionen und die SPD sollte sich darin verlieren. Bei der Wahl 2009 sank sie auf das Rekordtief von 23 Prozent, wovon sie sich nicht ernsthaft erholen sollte: 2013 erzielten Gabriel und Co. 25,7 Prozent.

In Augsburg das Gleiche, aber in Slow-Motion: Bundestagswahlen finden in einem vierjährigen Turnus statt, die Kommunalwahlen in Bayern in einem sechsjährigen. Bei der Augsburger Kommunalwahl 2008 verlor die SPD trotz ihres amtierenden Oberbürgermeisters 6,3 Prozentpunkte und kam “nur” auf 30,1 Prozent Wählerstimmenanteil. Kurt Gribl (CSU) kegelte Paul Wengert aus dem Amt. Bei der Kommunalwahl 2014 unterbot die Augsburger SPD das Bundesergebnis und erreichte ihr historisches Rekordtief von 22,4 Prozent.

Es lässt sich anhand dieser Rückschau erkennen, dass sich in Augsburg der Bundestrend verzögert abbildet. Meistens verschärft im negativen Sinn, was wohl mit der personellen Situation der örtlichen SPD zu tun hat. Dennoch ist es plausibel, an der Prognose festzuhalten, dass der bundesweite Trend selbst bei der von Querelen gezeichneten Augsburger SPD aufschlagen würde, wären am kommenden Sonntag Kommunalwahlen.