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Montag, 02.02.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Polizeieinsatz im City Club: Was Beteiligte und Politik sagen

Am Samstagabend, 31. Januar, führte das Polizei­präsidium Schwaben Nord unter Feder­führung der Staats­anwalt­schaft eine groß­angelegte Razzia im Augsburger Stadtgebiet durch. Im Mittelpunkt stand der City Club am Kö. Betreiber und politische Vertreter äußern nun Zweifel an der Verhält­nis­mäßigkeit des Einsatzes.

Von Bruno Stubenrauch

Der City Club (Screenshot instagram)

Ausgangspunkt der Maßnahme waren nach Angaben der Staats­an­walt­schaft seit Ende 2024 laufende Er­mitt­lungen wegen des Ver­dachts auf uner­laub­ten Handel mit Betäu­bungs­mitteln. Rund 200 Ein­satz­kräfte durch­suchten ins­gesamt drei Objekte, darunter den City Club in der Konrad-Adenauer-Allee. Nach Polizei­angaben wurden dabei Drogen im unteren drei­stelligen Gramm­bereich – unter anderem Kokain und Amphe­ta­mine – sowie Bargeld und Daten­träger sicher­ge­stellt. 17 Per­sonen im Alter zwischen 27 und 48 Jahren wurden vor­läufig fest­ge­nommen. Eine von ihnen wurde aufgrund eines bereits beste­henden Haft­befehls in eine Justiz­vollzugs­anstalt ein­geliefert. Die Ermitt­lungen dauern an.

City Club Kollektiv: „Ein Angriff auf die Subkultur“

Die Betreiber des City Clubs reagierten schockiert auf das Vorgehen der Behörden und werfen Polizei und Staats­anwalt­schaft massive Unver­hältnis­mäßigkeit vor. Trotz zuge­sicherter Koope­rations­bereit­schaft und des Angebots, sämtliche Schlüssel auszu­händigen, seien Türen mit Rammböcken aufge­brochen und Räume erheblich beschädigt worden. Besonders schwer wiegen die Schilde­rungen zur Behandlung der Gäste: Diese hätten über Stunden hinweg bei Minus­graden im Freien ausharren müssen, ohne mit Rettungs­decken versorgt zu werden. Zudem seien alle Anwesenden gezwungen worden, sich bis auf die Unter­wäsche – teils darüber hinaus – zu entkleiden.

Die Beschlagnahmung von Kassensystemen sowie privaten Mobil­telefonen der Beschäf­tigten gefährde nun den laufenden Betrieb und damit die wirt­schaft­liche Existenz des Clubs, heißt es weiter. Festnahmen von Mit­arbeitern habe es nach Angaben der Betreiber nicht gegeben.

Grüne: Parlamentarische Anfrage im Landtag

Die Landtagsabgeordneten Stephanie Schuhknecht und Cemal Bozoğlu (Bündnis 90/Die Grünen) drängen auf eine umfassende Aufklärung des Einsatzes und haben hierzu eine parlamen­tarische Anfrage im Baye­rischen Landtag ange­kündigt. Kritisch hinter­fragen sie insbe­sondere das massive Aufgebot von rund 200 Ein­satz­kräften sowie die daraus resul­tierende Verun­sicherung innerhalb der Augsburger Kulturszene. Ziel sei es, Transparenz über die konkreten Verdachts­momente und die recht­lichen Grundlagen für die Behandlung der Gäste herzustellen.

Schuhknecht und Bozoğlu warnen davor, etablierte Kulturorte pauschal zu krimi­nali­sieren, und fordern eine sachliche Auf­arbeitung, die der Bedeutung des City Clubs als Ort der Begegnung und Vielfalt in Augsburg Rechnung trägt.

SPD: Rasehorn kritisiert Vorgehen gegen das theter ensemble

Besonders alarmiert zeigt sich die SPD-Landtags­abge­ordnete Anna Rasehorn über die Durch­suchung der Räume des „theter ensemble e. V.“, die sich im selben Gebäude befinden (DAZ berichtete). Der Verein verfüge über einen eigen­ständigen Miet­vertrag und sei nicht vom Durch­suchungs­beschluss umfasst gewesen, betont Rasehorn. Den Eingriff in die Räumlich­keiten wertet sie als höchst proble­matisch und spricht von einem erheb­lichen Vertrauens­verlust gegenüber den Sicher­heits­behörden.

Rasehorn fordert eine klare Erklärung dafür, warum friedliche Kultur­ein­richtungen im Zuge eines Drogen­einsatzes massiven Sachschäden ausgesetzt worden seien. Für sie stehen der Schutz ehren­amtlicher Kultur­arbeit und die Wahrung rechts­staatlicher Prinzipien im Vordergrund.

Die Linke: „Einschüchterungstaktik gegen alternative Räume“

Für die Augsburger Linke fügt sich der Einsatz in eine Reihe von Maßnahmen ein, die sich aus ihrer Sicht gezielt gegen linke und alter­native Freiräume richten. Stadtrat Frederik Hintermayr spricht von einer bewussten Ein­schüchte­rungs­taktik, die weit über das notwendige Maß polizei­licher Ermittlungs­arbeit hinausgehe. Die Zerstörung von Inventar sowie die entwürdi­genden Kontrollen unbe­teiligter Personen seien politisch motiviert und Ausdruck einer konser­vativen „Law-and-Order“-Agenda.

Die Partei fordert eine umgehende Ent­schädigung der betroffenen Vereine sowie eine öffent­liche Ent­schuldi­gung für die Art der Durch­führung. Man werde nicht hinnehmen, dass die Augsburger Subkultur durch derartige Einsätze syste­matisch unter Druck gesetzt werde.