Plakatstreit in Augsburg: AfD sieht sich als Hauptziel von Sabotage
Der Auftakt zur heißen Phase des Kommunalwahlkampfs 2026 in Augsburg verlief turbulent. In der Nacht vom 24. auf den 25. Januar – dem offiziellen Startschuss für die Plakatierung – war es zwischen Vertretern der AfD und der V-Partei³ zu Streitigkeiten gekommen. Vom politischen Gegner in die Rolle des Aggressors gedrängt, setzt die Augsburger AfD-Fraktion nun mit harten Zahlen zur Gegendarstellung an.
Von Bruno Stubenrauch

AfD-Wahlwerbung (Foto: DAZ)
In einer Pressemitteilung präsentiert Andreas Jurca, Stadtrat und Landtagsabgeordneter der AfD, Zahlen, die er beim Bayerischen LKA abgefragt hat. Demnach ist die AfD seit Jahren die am stärksten betroffene Partei im Bereich der politisch motivierten Kriminalität gegen Wahlwerbung. Jurca nennt folgende Zahlen für Bayern:
- 2021 (Bundestagswahljahr): 350 Delikte,
- 2023 (Landtagswahljahr): 254 Delikte,
- 2025 (I.–III. Quartal): Bereits 318 Delikte.
Nach Recherchen der DAZ zum Jahr 2021 lag die AfD als Betroffene tatsächlich mit 350 erfassten Fällen (Diebstahl und Sachbeschädigung) weit vor den Grünen (232), der CSU (156) und der SPD (104). Statistisch gesehen entfiel damit rund ein Drittel aller Angriffe auf Wahlplakate in Bayern auf die AfD.
Kritik an der Justiz: „Faktisch folgenlos“
Neben der schieren Anzahl der Vorfälle kritisiert Andreas Jurca vor allem den juristischen Umgang damit. Die Staatsanwaltschaft Augsburg stelle Verfahren gegen auf frischer Tat ertappte „Plakatjäger“ regelmäßig wegen Geringfügigkeit ein. „Diese Praxis sendet ein fatales Signal“, so Jurca. Er spricht von einem entstehenden „rechtsfreien Raum“, in dem die Zerstörung von Wahlwerbung als Kavaliersdelikt behandelt werde.
Forderung nach ehrlicher Debatte
In der Presseerklärung weist die AfD Augsburg zudem den Vorwurf zurück, im nächtlichen Plakatstreit am vergangenen Sonntag der Aggressor gewesen zu sein. Vielmehr fordert die Partei eine „faktenbasierte Debatte ohne Doppelmoral“. Angesichts der vorliegenden LKA-Zahlen müsse anerkannt werden, dass die AfD seit Jahren das Hauptopfer politisch motivierter Sachbeschädigung im Wahlkampf sei.
Gegenüber der DAZ schilderte Erich Schreiber, Listenkandidat Nr. 4 der AfD, seine nächtliche Konfrontation beim Plakatieren mit Roland Wegner, OB- und Spitzenkandidat der V-Partei³ so:
Man sei sich in der Hans-Böckler-Straße begegnet. Wegner habe dort seine Plakate, die etwa 1,20 m hoch waren, so ungünstig auf halber Höhe an Lichtmasten befestigt, dass weder darunter, noch unter Einhaltung der vorgeschriebenen Obergrenze von 3 Metern darüber ein zweites Plakat angebracht werden konnte. Als Schreiber ihn bat, das zu ändern, habe Wegner sich nicht kompromissbereit gezeigt. Als er sein Handy zückte, um die Situation zu dokumentieren, sei er von Wegner aufgefordert worden, das – noch nicht gemachte – Foto zu löschen. Dann sei es laut geworden und Wegner habe ihn angerempelt, so Schreiber. Die Begegnungen mit allen anderen Parteien beim nächtlichen Plakatieren seien hingegen stets freundlich, teils sogar humorvoll gewesen.
Über den genauen Ablauf in der Hans-Böckler-Straße gehen die Schilderungen der Männer auseinander. Wegner hatte bereits am Sonntag angegeben, er sei beleidigt und tätlich angegriffen worden. Für die Polizeidienststelle, bei der beide an den Folgetagen vorstellig waren, scheint aber die kurze Rempelei für eine Körperverletzung nicht ausgereicht zu haben. Die beiden Kontrahenten haben sich inzwischen gegenseitig wegen Beleidigung angezeigt.
Nächtlicher Streit um Plakat-Platzierungen