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Freitag, 30.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Patrick Wengenroth soll neuer Leiter des Brechtfestivals werden

Der Berliner Schauspieler und Regisseur Patrick Wengenroth soll das Brechtfestival 2017 leiten. Am kommenden Dienstag soll der Kulturausschuss darüber entscheiden. Wengenroths Chancen stehen allerdings nicht gut. Er soll SPD-Darling Joachim Lang als Festivalleiter ablösen und ist der Kandidat des parteilosen Kulturreferenten Thomas Weitzel.



Von Siegfried Zagler

Der Berliner Schauspieler und Regisseur Patrick Wengenroth (39) würde das kommende Brechtfestival gestalten, ginge es nach Augsburgs Kulturreferenten Thomas Weitzel, der Wengenroth bereits länger im Auge hat. Ob Weitzel sein Vorhaben gegen die “lang-affine” CSU-Fraktion und die “lang-ergebene” SPD-Fraktion durchsetzen kann, ist allerdings noch offen. Am gestrigen Donnerstagabend präsentierte Patrick Wengenroth dem Koalitionsausschuss, der sich aus Fraktionsvorstehern der Regierungsparteien (CSU, SPD, Grüne) zusammensetzt, seine Gestaltungspläne für das 2017er Festival. Dabei sollen jüngere Regisseure Eigenproduktionen vorstellen und die lokale Kulturszene differenziert eingebunden werden. Das Format „Lange Brechtnacht“ solle weiterhin erhalten bleiben, doch sonst würde vom alten Festival wenig übrig bleiben. Nach Informationen der DAZ will Wengenroth das Verhältnis Walter Benjamins zu Brecht genauer herausarbeiten und darstellen. Genderismus solle ebenfalls eine Rolle spielen, wie es hieß. Wengenroth sei zunächst nur für das Festival 2017 vorgesehen, dann soll mit Andre Bücker, dem neuen Intendanten des Augsburger Stadttheaters eine weitere Zusammenarbeit ermöglicht werden. Gespräche Wengenroth/Bücker hätten dem Vernehmen nach bereits stattgefunden.

Nach der Präsentation im Koalitionsausschuss stellte Wengenroth seine Pläne Oppositionspolitkern des Kulturausschusses vor. Das Wengenroth-Konzept habe die Opposition überzeugt, die Grünen seien sogar begeistert gewesen, während die Reaktionen bei der CSU eher verhalten gewesen sein sollen. Die SPD-Fraktion, deren Vorsitzende Margarete Heinrich beim diesjährigen Brechtfestival mitwirkte und deren heimlicher kulturpolitischer Sprecher, Karl-Heinz Schneider, seit vielen Jahren beim „Joachim Lang-Brechtfestival“ mitwirkt, wird wohl weiterhin dafür eintreten, dass Joachim Lang auch das 2017er Festival gestaltet.

Am kommenden Montag werden die Regierungsparteien gegen 19 Uhr in ihren Fraktionssitzungen entscheiden, wie es mit dem Brechtfestival weitergehen soll. Untertags verändert am Montag die Verwaltung die Tagesordnung des Kulturausschusses, der am Dienstag, den 15. März stattfindet. Bisher war im Kulturausschuss nur ein mündlicher Bericht in Sachen Brechtfestival vorgesehen, doch nun soll eine Beschlussvorlage für klare Verhältnisse sorgen. Am Donnerstag, den 17. März, hat dann der Stadtrat das letzte Wort.