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Freitag, 26.11.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Packende Musik, begeisterndes Ambiente

Wieder erfolgreich: das 17. Django Reinhardt Memorial

Von Frank Heindl

Ambiente satt: Parktheater und Jazz passen gut zusammen

Ambiente satt: Parktheater und Jazz passen gut zusammen


Stimmung hervorragend, Publikum begeistert, Veranstalter hochzufrieden – so in etwas könnte die Bilanz des 17. Django Reinhardt Memorial lauten, das von Freitag bis Sonntag zum nunmehr zweiten Mal im Parktheater über die Bühne ging. Während die Veranstaltung am Freitagabend noch etwas bedächtig anlief – der Kurhaussaal war nur etwas zur Hälfte gefüllt – ging es am Samstag mit wesentlich mehr Publikumszuspruch weiter. Und auch das traditionelle Gypsy-Frühstück am Sonntag kam sehr gut an.

Stilechte Atmosphäre auch im Freien: kleine Jamsession in der Konzertpause

Stilechte Atmosphäre auch im Freien: kleine Jamsession in der Konzertpause


Was den atmosphärischen Rahmen anbelangt, kann unter mehrtägigen Kulturveranstaltungen in Augsburg allenfalls noch der „Jazz im Botanischen Garten“ beim Vergleich mit dem „Wochenende des Zigeunerjazz“ mithalten. Das Parktheater hat allerdings den Vorteil, dass hier auch bei schlechtem Wetter ein Großteil der Idylle erhalten bleibt. „Das Ambiente ist unschlagbar“, freut sich Organisator Bernhard Gierstl, „und das ist einer der Gründe, warum die meisten unserer Musiker immer wieder kommen wollen.“ Nicht nur auf der Bühne und während der Konzerte ist das zu spüren, sondern auch in den Pausen: Im Innenhof des Parktheaters probieren Django-Fans Gitarren aus, die man in einem der Nebenräume erwerben kann, zeigen andere, was sie beim nachmittäglichen Workshop gelernt haben, jammen gleich in mehreren Ecken kleine Ad-hoc-Bands. Das Publikum flaniert mit einem Glas Wein in der warmen Abendluft und lässt sich an den Stehtischen kleine, preiswerte Gerichte schmecken. Da kommt Stimmung auf, ein Gast meint gar, es fehlten „nur noch ein paar kleine Lagerfeuer“ als Krönung der Romantik.

Aber das Wichtigste ist dann doch die Musik: „Sinti Swing Berlin“ eröffnete das Festival am Freitag mit bodenständigem, traditionellem Programm. Die Musiker begeisterten mit ihrem überaus charmanten, fröhlichen und kommunikativen Auftreten. Nach der Pause kam ein harter Brocken, der manche Fans traditioneller Spielweise zum frühen Aufbruch veranlasste, während Jazzfans die Begeisterung packte: „Mister Oz’s Big Band“ aus Frankreich spielte zwar vor allem Django-Reinhardt-Nummern – diese allerdings in hoch modernen Arrangements, dargeboten von ebenso hoch begabten Musikern, deren Interpretationen weit über das in den dreißiger, vierziger Jahren übliche Programm hinausgingen. Auch Gitarrist Andreas Öberg verließ schnell das sichere Terrain der „klassischen“ Reinhardt-Interpreten in Richtung hartem, modernem Jazz.

Frühstück mit "Zigeunerjazz": Das Kussi Weiss Quartett machte Appetit auf mehr

Frühstück mit "Zigeunerjazz": Das Kussi Weiss Quartett machte Appetit auf mehr


Am Samstag gab’s zweimal klassischen Gypsy-Jazz – zunächst mit dem beim Memorial hinlänglich bekannten Wauwau Adler Quartett, danach mit „Selmer #607“. In dieser Band spielen die Solisten abwechselnd auf einer 1942 gebauten Selmergitarre, Seriennummer 607. Die flinken Finger der jungen Virtuosen waren natürlich ob ihrer atemberaubenden Durchschnittsgeschwindigkeit kaum zu sehen – schwer zu sagen, ob man mehr die Fingerfertigkeit oder die musikalische Kraft der Interpretationen loben soll.

Gerade 19, aber virtuos wie ein Alter: Hugo Richter am Akkordeon

Gerade 19, aber virtuos wie ein Alter: Hugo Richter am Akkordeon


Für viele die Krönung, auf jeden Fall aber ein atmosphärischer Höhepunkt: der Sonntagmorgenbrunch mit der „Kussi Weiss Gipsy Jazz Connection“. Zu Weißwurst und Bier, Kaffee und Kuchen spielte das Quartett noch einmal traditionellen Gypsy-Swing, diesmal mit dem Akkordeon als zweitem Melodieinstrument, wobei der erst 19-jährige Hugo Richter nicht nur auf der „Quetsche“ mit virtuosem Können verblüffte, sondern auch am Flügel. Wunderschön, das muss man zum Schluss nochmal hervorheben, sind im Parktheater auch die Pausen: Bei strahlendem Sonnenschein war das nicht nur unter musikalischen Gesichtspunkten für viele Besucher der beste Sonntagvormittag seit langem.

Fotos: Stefan Steinhagen

Am Samstagabend hat der Bayerische Rundfunk beide Gypsy-Konzerte im Parktheater mitgeschnitten. Das Sendedatum steht noch nicht fest, informieren kann man sich unter

www.br-online.de/bayern4klassik/jazztime.

Aktivitäten der Augsburger Django-Fans und weitere Infos zu den Bands des 17. Django Reinhardt Memorials gibt es unter hotclubnews.de.