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Donnerstag, 10.11.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Offener Brief: Museen dürfen nicht zur Verfügungsmasse bei Schließungsszenarien werden

Schaezlerpalais Foto: DAZ

Die Arbeitsgemeinschaft der Museen in Bayern sieht mit Sorge und Unbehagen auf den kommenden Herbst und die damit verbundene und wohl „immer dramatischer werdende Energiekrise, die alle Bereiche unseres Lebens trifft, somit auch die Museen Bayerns“, wie es in dem Offenen Brief heißt, der sich vorausschauend gegen ein mögliches Schließungsszenario kultureller Einrichtungen wendet, das wohl zuerst und am härtesten die öffentliche Museumslandschaft treffen würde. Da im kommenden Herbst und Winter mit besonderen Herausforderungen zu rechnen ist, möchten die Museen mit einem offenen Brief bereits heute auf ihre besondere Situation aufmerksam machen.


Offener Brief der Arbeitsgemeinschaft der Museen in Bayern

02. August 2022

Museen sind wichtig für unsere Gesellschaft! 

Erst Corona, dann der Ukraine-Krieg und nun eine europäische Energiekrise, deren Auswirkungen noch nicht abschätzbar sind. Diese Ereignisse haben weitreichende Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, unser Miteinander und auf unsere Kultur. Die steigenden Energiepreise werden ein breitflächiges Handeln der öffentlichen Hand zur Folge haben, bei der auch unpopuläre Maßnahmen nicht auszuschließen sind. 

Diese Überlegung war bedauerlicherweise schon bei der Corona-Krise ausschlaggebend. Die Museen zählten damals, neben Theatern und Konzert-Veranstaltungen, mit zu den ersten Leidtragenden des Kulturbetriebes. Theater und Konzertveranstaltungen fanden eine Lobby, die Museen wurden vergessen. Dies muss in Zukunft vermieden werden! Die Museen verwahren und bewahren wertvolles Kulturgut für die Gesellschaft, die ohne Geschichte und Kultur ihre Identität verlieren würde. Kultur verbindet und fördert gegenseitiges Verständnis und ist die Basis für unser Miteinander. Ein Umstand, der durch den Krieg in der Ukraine deutlich wird. In der Ukraine werden gerade auch Kultureinrichtungen zerstört, um die Gesellschaft zu verunsichern und zu spalten. 

Wurden die Museen vom Gesetzgeber nicht dazu verpflichtet Kulturgut zu schützen? Dazu mussten sie sich gut aufstellen, mussten die geforderten klimatischen und sicherheitstechnischen Bedingungen herstellen, die in Leihverträgen und mit den Versicherungen schriftlich fixiert sind. 

Das Wort »Schließungsszenario« darf deshalb keine Alternative für die Aufrechterhaltung eines Museumsbetriebs sein. Museen erweitern nicht nur mit Ausstellungen unser Wissen, sie sind vor allem auch Verwahrorte für kunst- und kulturgeschichtliche Objekte und Gegenstände. Museen sind unser kulturelles Gedächtnis, dessen Erhalt und Weiterentwicklung hohe Relevanz haben muss. 

Natürlich wissen wir alle, dass es ohne Einsparungen nicht geht. Dies trifft die vielen kleinen Museen besonders hart, die ohnehin schon am Limit arbeiten, um die vertraglich festgelegten Leih- und Versicherungsbedingungen zu erfüllen. Und natürlich wollen wir alle Energie sparen und wir sparen auch schon tatsächlich Energie, dort wo es geht. 

Daher bitten wir alle Verantwortlichen um einen maßvollen Umgang bei den kommenden Entscheidungen und Maßnahmen zur Reduktion unserer energetischen Haushalte. Wie die Archive und Bibliotheken müssen Museen sehr sorgsam behandelt werden, da sie ganz wesentlich zum Erhalt unseres Kulturgutes beitragen. In dieser Hinsicht sind auch Museen systemrelevant. Daher brauchen sie Unterstützung von Ihren Trägern und von der Politik, damit in energiesparende Beleuchtung, neue Technik sowie moderne Heiz- und Kühlsysteme zukunftsorientiert investiert werden kann.

Museen dürfen zu keiner reinen Verfügungsmasse bei möglichen Schließungsszenarien werden!

Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Museen in Bayern

Dr. Christof Trepesch (Kunstsammlungen und Museen Augsburg)

Dr. Elisabeth Boser (Dachauer Galerien und Museen)

Dr. Marina von Assel  (Kunstmuseum Bayreuth)

Dr. Maria Baumann  (Diözesanmuseum Regensburg)

Dr. Stefanie Buchhold (Oberhausmuseum Passau)

Dr. Frauke von der Haar (München Stadtmuseum)

Dr. Rainhard Riepertinger (Haus der Bayerischen Geschichte)

Dr. Thomas Schauerte (Museen Aschaffenburg)