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DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Öffentlicher Nahverkehr: Wie sieht die Zukunft aus?

Wie sieht ein attraktiver öffentlicher Nahverkehr aus? Wie wäre dieser zu finanzieren? Die Beantwortung dieser Fragen sollte zu den großen Gestaltungsparametern einer modernen Stadtentwicklung gehören. In Augsburg kommt in dieser Angelegenheit langsam Bewegung auf.

Zuletzt wurde im Rahmen einer gescheiterten Tarifreform im Augsburger Verkehrsverbund über höhere Preise diskutiert. Vor kurzem wurde nun bekannt, dass die Stadt ab 2019 eine kostenlos nutzbare City-Zone im Innenstadtbereich plant. Ein attraktiver Nahverkehr sollte den Augsburgern ein akzeptables Angebot machen, sodass sie einen Umstieg vom Auto oder Motorrad auf die öffentlichen Verkehrsmittel erwägen können. Die Stadt Augsburg gibt momentan nur Fördergelder für das Sozialticket und das Schülerticket aus. Der Augsburger Nahverkehr muss aus den Gewinnen der Energiesparte der Stadtwerke finanziert werden.

Ist das noch auf der Höhe der Zeit und tatsächlich nachhaltig? Diese berechtigte wie spannende Frage soll auf einer Podiumsdiskussion erörtert werden, zu der die Augsburger Grünen einladen: Stefan Weigele von „Civity“ aus Hamburg soll plausibilisieren, wie ein attraktiver ÖPNV aussehen sollte, um Autofahrer zum Umsteigen zu bewegen. Dabei geht es neben der Frage der Finanzierung auch um die „Begleitumstände“, also zum Beispiel auch darum, was Autofahren tatsächlich kostet.

Es gibt zahlreiche Praxisbeispiele aber auch neue theoretische Überlegungen wie ein attraktiver ÖPNV finanziert werden kann. Die Stadt Wien hat sich beispielsweise entschieden, ein Ticket für 360 Euro im Jahr anzubieten und diesen Preis über steigende Zuschüsse aus der Stadtkasse dauerhaft zu sichern. Die meisten französischen Kommunen erheben in Regionalverbänden eine so genannte Verkehrsabgabe von den Arbeitgebern und finanzieren damit sowohl den Ausbau als auch den Betrieb der öffentlichen Verkehrsmittel. Ein bisher theoretisches Modell für deutsche Kommunen wäre ein „Bürgerticket“, also eine Art ÖPNV-Zwangsabgabe für alle, mit der ein kostenloser öffentlicher Nahverkehr finanziert werden könnte.

Cemal Bozoglu und Stephanie Schuhknecht, die für die Grünen in den Landtag einziehen wollen, werden im Forum der Neuen Stadtbücherei die Frage stellen, „was uns unser Nahverkehr wert sein sollte und an welchen Stellschrauben wir in Augsburg drehen könnten und sollten, um noch mehr Menschen zum Umstieg zu bewegen“, wie es in einer Pressemitteilung der Grünen Stadtratsfraktion heißt. Schließlich bestehe durch die fortschreitende Luftverschmutzung die Gefahr, dass die Lebensqualität in den Städten deutlich sinkt. Die Podiumsdiskussion findet am 27. Juni ab 19.30 Uhr im S-Forum der Neuen Stadtbücherei statt.

Zur Person:

Stefan Weigele studierte Geographie und Raumplanung an den Technischen Universitäten in München und Wien. Bereits während des Studiums optimiert er als selbständiger Berater das Verkehrsangebot von Kommunen. Später wird er Fachbereichsleiter in der Verkehrs- und Angebotsplanung der Stadtwerke München. 2010 gründet er zusammen mit einem etablierten Team civity Management Consultants. Civity ist eine der Beraterfirmen, die den MVV bei seiner für den 1.1.2019 geplanten Tarifreform beraten hat.

Foto: Straßenbahn in Augsburg (c) DAZ



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