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Freitag, 28.01.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Novemberpogrom 1938: Neue Bewertung der Teilnahme der Zivilbevölkerung?

Auf Einladung der Historiker der Universität Augsburg referiert der Direktor des Zentrums für Holocaust-Studien an der University of Vermont, Professor Dr. Alan E. Steinweis, am 5. November in der Neuen Stadtbücherei über seine in Kürze erscheinende Monographie „Kristallnacht 1938“.

Professor Dr. Steinweis, der als Doktorand Stipendiat an der Universität Bonn war und nach seiner Promotion an der Universität von North Carolina ein Post-Doc Stipendium an der Freien Universität Berlin erhalten hat, war mehrfach Gastprofessor an verschiedenen Universitäten im Ausland, so auch an der Ben Gurion University in Israel sowie an den Universitäten Hannover und Heidelberg und ist Autor etlicher Bücher zur Thematik „Drittes Reich“.

In seiner Monographie „Kristallnacht 1938“ rekonstruiert er aufgrund von „Oral Histories“ (Schilderungen deutscher Juden, die bereits in den Jahren 1938/39 im Ausland aufgezeichnet wurden) und auf der Grundlage von Gerichtsakten der westdeutschen Nachkriegsprozesse die Ereignisse in den Nächten zwischen dem 7. und 11. November 1938 in deutschen Kleinstädten. Sein Hauptaugenmerk legt Steinweis dabei auf die Frage, wie viele „normale“ Deutsche an den Ausschreitungen teilgenommen haben.

Seinen Quellen zufolge unterschätzt die Literatur bislang die Mitwirkung von Teilen der Bevölkerung, die nicht als Parteikader gelten können. Durch die bisherige seiner Meinung nach irreführende Geschichtsschreibung ist die kollektive deutsche Erinnerung an diese Nächte vom Eindruck geprägt, die Übergriffe seien von einer kleinen Zahl gut organisierter Parteigenossen vor den Augen einer passiven Zuschauerschaft erfolgt. Dieser ist in seinen Augen nicht zutreffend.

Gastgeber in der Neuen Stadtbücherei am Ernst-Reuter-Platz ist Prof. Dr. Philipp Gassert vom Lehrstuhl Geschichte des europäisch-transatlantischen Kulturraums in Zusammenarbeit mit dem Institut für Europäische Kulturgeschichte. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr bei freiem Eintritt.