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Mittwoch, 06.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Nicht entscheidungsreif

Warum der Kulturausschuss die langjährige Weiterentwicklung des Brechtfestivals ablehnen sollte

Kommentar von Siegfried Zagler



„Brecht und die Politik“, so das Motto des diesjährigen Brechtfestivals, das dieses Jahr mit einem Paukenschlag bereits am kommenden Montag beginnt: Der Kulturausschuss soll über einen Beschlussvorschlag zur Weiterentwicklung des Festivals bis ins Jahr 2017 abstimmen. Als Erklärung für diese Idee führt Kulturreferent Peter Grab die „bisherige Trilogie“ an, mit der Einiges erreicht worden sei. „Auf dieser erfolgreichen Grundlage kann aufgebaut werden und der Erfolg muss genutzt werden“, so Grab. Mal abgesehen davon, dass eine Trilogie aus drei Teilen besteht und der dritte Teil erst am Donnerstag, 2. Februar beginnt, sollte vorab festgehalten werden, dass es keine „erfolgreiche Grundlage“ gibt, solange diese Wertung nicht eben mehr ist als eine Behauptung von Peter Grab.

Die lokale Presse zeigte sich in den vergangenen Jahren in der kommentierenden Berichterstattung eher zurückhaltend, der Kulturausschuss nahm die Berichte des Festivalleiters wohlwollend zur Kenntnis. Die überregionale Wahrnehmung war in der Summe eher von Bescheidenheit gezeichnet. Erfolg sieht anders aus. Der Stadt und Joachim Lang ist zu wünschen, dass sich dies im dritten Teil der Trilogie ändert. Doch darum soll es an dieser Stelle nicht gehen.

Im Fokus steht am Montag der Kulturreferent, der sich mit seinen Alleingängen und Diskussionspapieren/ Beschlussvorschlägen mit penetranter Redundanz zielsicher verheddert. Noch im Juli vergangenen Jahres wollte Peter Grab mit seinem Biennale-Konzept 240.000 Euro jährlich einsparen. Für das Brechtfestival war ein zweijähriger Turnus vorgesehen. Das war vor einem halben Jahr. Nun sollen die Stadträte während einer Haushaltssperre über ein fünfjähriges Festival-Vorhaben befinden, das „auf Dauer eine Vollzeitstelle für die Projektkoordination benötigt“, wie es in dem Papier heißt.

Wer hinter dem aktionistischen Handeln des Kulturreferenten noch einen Konzeptfaden erkennen kann, solle sich melden. Die Mittel aus dem bayerischen Kulturfond sind nach drei Jahren ausgereizt. Es ist noch nicht gesichert, ob man über den Freistaat noch Zuschüsse für das Festival generieren kann. Ein paar wolkige Versprechen und zweifelhafte Grundannahmen sind kein Konzept. „Das Theater ist ein wichtiger Partner und soll künftig in das Brechtfestival eingebunden werden.“ Wer hätte das gedacht?

Fünf Jahre Vertragslaufzeit sind Fristen für Theaterintendanten und selbst Messechef Gerhard Reiter ist im Wirtschaftsausschuss mit einem Vertragswerk dieser Länge abgeperlt. Es gehört auch nicht zum guten politischen Ton, eine Veranstaltung dieser Größenordnung so weit über den Kommunalwahltermin 2014 hinaus festzulegen. Es ist gut möglich, dass der Kulturausschuss dafür sorgt, dass diese Beschlussvorlage vollumfänglich nie die Öffentlichkeit erreicht, da darüber im nichtöffentlichen Teil befunden werden soll. Angesichts der hemdsärmligen Begründungen für dieses Vorhaben wäre es für alle Beteiligten zu wünschen, dass die Vorlage ohne großes Theater aus dem Verkehr gezogen wird. „Nicht entscheidungsreif“ wäre der richtige Befund.

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