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Donnerstag, 27.01.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Neue Stadtbücherei: OB will an bisherigen Öffnungszeiten festhalten

Von Siegfried Zagler

Der Beschluss des Kulturausschusses am Montag vergangener Woche, die Öffnungszeiten der Neuen Stadtbücherei zu verkürzen, hat eine politische Debatte ausgelöst, die nun der Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl zum Abschluss führen möchte.

„für alle offen“: Leitsatz der Neuen Stadtbücherei

„Ich werde nach einer Lösung suchen“, so Gribl zur DAZ, „die dazu führen soll, dass die 50 Stunden Öffnungszeit pro Woche aufrechterhalten bleiben“. Es sei eine Aufgabe der Stadt, dafür zu sorgen, dass die städtische Einrichtungen gemäß ihrem Nutzungsauftrag genutzt werden können, so Gribl, dem der SPD-Vorschlag, auf die städtische Personalreserve zurückzugreifen, auf den ersten Blick ganz plausibel vorkommt. Man müsse zunächst prüfen, ob sich darunter Personal befinde, das die notwendige Qualifikationen mitbringe. Kurt Gribl wird sich mit dem Leiter der Stadtbücherei Manfred Lutzenberger zu Beginn dieser Woche zusammensetzen und alle Möglichkeiten abklopfen, um die 50stündige Wochenöffnungszeit der Neuen Stadtbücherei zu sichern, so die Intention der OB-Initiative. „Die OB-Verfügung ist noch nicht erlassen“, so Gribl, der darauf Wert legt, dass diese Verfügung nicht von ihm induziert ist, sondern an ihn adressiert wurde, was damit zu tun habe, dass Alt-OB Paul Wengert seinerzeit über eine OB-Verfügung die Öffnungszeiten der Stadtbücherei festlegte.

„Dieses Debakel hat allein der Kulturreferent zu verantworten“

Kurt Idrizovic, der Sprecher der „Offensive Neue Stadtbücherei“, der zusammen mit seinen Mitstreitern und rund 14.000 Unterzeichnern aus der Bürgerschaft maßgeblich daran beteiligt war, dass die Neue Stadtbücherei im Sommer 2009 eröffnete, ist in dieser Angelegenheit richtig sauer auf Kulturreferent Peter Grab, der, so Idrizovic, im Vorfeld der Entscheidung weder um eine Rückmeldung bemüht gewesen sei noch eine Diskussion zugelassen habe. „Die Neue Stadtbücherei wurde von den Bürgern unserer Stadt erkämpft“, sie gehöre allen Menschen dieser Stadt. Es gehe nicht an, dass über die Bürgerschaft hinweg die Öffnungszeiten bestimmt würden. Das neue Gebäude am Ernst-Reuter-Platz gehöre zu den modernsten und schönsten öffentlichen Bibliotheken Deutschlands, die ihre Vorreiterstellung auch durch lange und damit vorbildliche Öffnungszeiten bewahren müsse, so Idrizovic, der in der aktuellen Debatte Kulturreferent Peter Grab vorwirft, nicht um eine bessere Lösung gekämpft zu haben. Das Debakel der öffentlichen Diskussion habe allein der Kulturreferent zu verantworten. Es sei eine erschreckende Erkenntnis, dass Grab noch nicht verstanden habe, worin die Aufgabenstellung seines Jobs als Kulturreferent eigentlich bestehe.

„Ich würde auch 60 Stunden aufmachen, wenn die Rahmenbedingen stimmen“

Manfred Lutzenberger

Manfred Lutzenberger


Der Leiter der Neuen Stadtbücherei Manfred Lutzenberger sieht den Leitsatz „für alle offen“, die Neue Stadtbücherei als „Ort des Lesens, Lernens, Lebens“ zunächst aus der Perspektive der Angestellten. Vor einem Jahr habe er kurz vor der Eröffnung vom Kulturausschuss den Auftrag erhalten, einen Bericht über die zu generierenden Einnahmen des Veranstaltungssaales sowie eine Einschätzung über die veränderten Öffnungszeiten zu erstatten. Die Öffnungszeiten wurden von 38 Wochenstunden (alte Stadtbücherei) auf 50 erhöht. Trotz der fünf zusätzlichen Stellen, die die Neue Stadtbücherei bewilligt bekam, sieht Lutzenberger keine Möglichkeiten, die 50stündige Öffnungszeit personell zu bewältigen. „Wir haben gesehen, dass wir das personalmäßig mit diesen Rahmenbedingungen nicht schaffen“, so Lutzenberger. Durch die Arbeitsüberlastung habe sich ein erhöhter Krankenstand entwickelt und eine Fachkraft habe in eine andere Bücherei mit moderateren Arbeitszeiten gewechselt. Lutzenberger hat die Situation mit Grab besprochen und mit einer Arbeitsgruppe unter Einbindung des Personalrats ein Lösungsszenario erarbeitet. „Unsere festangestellten Fachkräfte kommen nicht mal dazu, ihr Überstundenkontingent zu reduzieren“, nur mit drei weiteren Fachkräften ließen sich die 50 Stunden halten, so Lutzenberger. Da Peter Grab keine Möglichkeit sah, personelle Verstärkung zu bekommen ( Einstellungsstopp und Wiederbesetzungsstopp bei der Stadt), habe er Grab die Lösungsvorschläge der Arbeitsgruppe unterbreitet. „Ich würde auch 60 Stunden aufmachen“, so Lutzenberger, „wenn die Rahmenbedingungen stimmten“.

Dass aus der zuerst so schillernden Berichterstattung im Kulturausschuss mit der rekordverdächtigen Erfolgsbilanz (930.000 Entleihungen, 430.000 Besucher, 12.300 Neuanmeldungen, 410 Führungen) eine Beschlussvorlage werden konnte, die zur Reduzierung der Öffnungszeiten führen sollte, ist aus den Kulturausschussunterlagen nicht erschließbar. Kulturreferent Peter Grab leitete anhand des Berichtes von Lutzenberger den Beschluss durch seine Ausschussführung und das Zauberwort „OB-Verfügung“ her. Im Kulturausschuss war jedermann davon überzeugt, dass somit die Öffnungszeiten bereits beschlossene Sache waren. „Warum sollen wir hier abstimmen, wenn es eine OB-Verfügung gibt? Wir führen hier doch eine Galeriediskussion“, polterte Karl-Heinz Schneider (SPD). Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang allerdings der Umstand, dass Oberbürgermeister Kurt Gribl von der „OB-Verfügung“ zu diesem Zeitpunkt nichts wusste. „Diesen Schuh zieh´ ich mir nicht an“, so Gribl.