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Donnerstag, 22.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Oper ohne Bühnenspiel: Idomeneo konzertant

Wegen der unerwartet frühen Schließung des Großen Hauses präsentieren sich die hochkarätigen Künstler ohne die Regie von Peter Konwitschny im Auditorium des LMZ.

Von Halrun Reinholz

Lancelot Fuhry

Lancelot Fuhry


Das Positive: Es ist ein schöner Konzertsaal, der an der Universität Augsburg den Studierenden der LMZ und ihrem Publikum zur Verfügung steht. Er ist auch gut zu erreichen, mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Dennoch haben nur wenige der üblichen Premierengäste den Weg zur konzertanten Aufführung von Mozarts Jugendoper „Idomeneo“ gefunden. Peter Konwitschny, der in Augsburg bereits für besondere Inszenierungen (Jenufa, König Kandaules) gesorgt hat, wäre auch diesmal als Regisseur vorgesehen gewesen. Doch mangels Bühne traten Sänger, Chor und Orchester nun konzertant vor das Publikum. Schadensbegrenzung, aber dennoch ein Genuss für die, die gekommen waren.

Das lag vor allem an den hochkarätigen Akteuren der Produktion. Nur drei der Sänger sind feste Mitglieder des Augsburger Ensembles: Christopher Busietta (Arbace, leider etwas indisponiert), Giulio Alvise Caselli (Oberpriester) und die derzeit sehr gefragte Cathrin Lange. Letzterer kam denn auch mit ihrem hellen, schnörkellosen Sopran der gewichtige Part der Ilia zu. Ihre weibliche Gegenspielerin Elektra gab sehr emotional  Adréana Kraschewski, ebenfalls keine Unbekannte im Augsburger Theater (Aurora in Hoffmanns Erzählungen). Eric Laporte als Idomeneo und Theodore Brown als Idamante vervollständigten kongenial das Quartett der Hauptakteure. Dirigent Lancelot Fuhry, der Opernchor und die Symphoniker boten dem Publikum ein stimmiges und hochprofessionelles Musikerlebnis, das allen Beteiligten hohe Konzentration abverlangte. Dennoch vermisste man die Aktion – nicht nur das Publikum, das wie im Stummfilm die Texte und den Inhalt als Einblendung verfolgen konnte . Auch die Sänger „juckte“ es sichtlich, die Emotionen und die Handlung  der Oper zu zeigen. Auch wenn gar nicht besonders viel äußere Handlung stattfindet: Oper, das wird bei so einer Aufführung besonders klar,  ist als Ausdrucksvehikel großer Gefühle eben für die Bühne gemacht, nicht für den Konzertsaal. Es steht zu befürchten, dass das Augsburger Publikum sein Theater in den nächsten Jahren gerade bei solchen Aufführungen noch öfter schmerzlich vermissen wird.