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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Mozart lebt – in der Mozartstadt Augsburg

Applaus aus dem Schwimmbecken und andere Erlebnisse mit Mozart im „Dunstkreis“ des Mozarthauses: Mit dem „Mozartfeschtle“ zeigt das Mozartbüro nun schon zum zweiten Mal, dass Musik in der Mozartstadt Augsburg allgegenwärtig sein kann – und soll. Es geht einem ähnlich wie bei der Langen Kunstnacht: Wohin bei so viel Angebot?

Von Halrun Reinholz

Mozarts Musik ...

Mozarts Musik an ungewöhnlichen Orten ...


Für das „Mozartfeschtle“, datumsmäßig passend zum Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart, hat sich das Augsburger Mozartbüro wieder einiges einfallen lassen und die Ansätze des vergangenen Jahres noch ausgebaut. Mozart in jeder Lebenslage – das sollte wohl als Motto vermittelt werden. Wobei „Mozart“ streng genommen als pars pro toto für (hauptsächlich – aber keinesfalls nur) „klassische Musik“ steht. Musik erklang an diesem Wochenende demnach an allen denkbaren und auch außergewöhnlichen Orten. Zum Zuhören, zum Genießen und auch zum Mitmachen.

Den Anfang machte am Samstag Abend der spaßige „Wirtshaus-Jam“ in der Maximiliansklause, wo mitwirkende Musiker nach alter Tradition mit Naturalien (Brotzeit und Bier) entlohnt wurden. Der Sonntagmorgen konnte entweder mit einem musikalischen Gottedienst in Hl. Kreuz (der Augustana-Chor sang die Missa brevis von Leopold Mozart) oder mit Yoga im Kleinen Goldenen Saal begonnen werden. Frühstück mit Musik gab es im Café im Alten Stadtbad.

Ich entschied mich für das leckere Brunch im Aktif-Café zu Marimbaphon-Klängen von Dennis Egger in Begleitung des Schlagwerkers Moritz Schilling. Danach sicherte ich mir einen Platz in der Maximiliansklause in geduldiger Erwartung der Komponisten-Kochshow. Junge Künstler der Staatsoperette Dresden (Elke Kottmair, Andreas Sauerzapf und Bryan Rothfuss, am Klavier begleitet von Natalia Petrowski) zelebrierten humorvoll und musikalisch gekonnt, was Komponisten zu kulinarischen Themen („Möhlspeis“) eingefallen war.

und mit ungewöhnlichen Formaten (c) Christian Menkel

.. und mit ungewöhnlichen Formaten (c) Christian Menkel


Na ja, zur Not machten sie die Texte selbst dazu passend – gerade was Mozart anbelangt, ist nur wenig zu seinen kulinarischen Präferenzen dokumentiert. Doch das tut dem Spaß keinen Abbruch, den die vier (ein Amerikaner, ein Wiener, eine russische Pianistin und eine Augsburgerin – letztere  ist der Bezug zur Mozartstadt!) mit ihrer Show vermitteln. Die Maximiliansklause erwies sich als guter Mitspieler und servierte das Menü genau so, wie es die Sänger versprochen hatten. Ich eilte weiter zum Liliom, wo ich mir zwei Teile der Amazon Prime Serie „Mozart in the Jungle“ ansah. Eine sehr amerikanische Story um eine junge Oboistin, die sich ins Haifischbecken der Intrigen um die New Yorker Symphoniker begibt. Leider konnte ich die Handlung nicht weiter verfolgen,  denn es war Zeit für einen Kaffee, den ich mir im Alten Stadtbad zu Klängen des Trios 3bHolz aus zwei Klarinetten und einem Fagott (Lisa Riepl, Sebastian Thiel, Fangcheng Xie) genehmigte.

Dieselben Künstler erlebte ich dann später noch einmal in der Schwimmhalle des Alten Stadtbades. Sie standen auf der Galerie und versuchten, die Geräusche des Badebetriebs zu übertönen, was ihnen nicht wirklich gelang. Vielleicht hätte man da lieber Blechbläser einsetzen sollen?! Doch die Besucher applaudierten trotzdem dankbar aus dem Schwimmbecken und die besonders Schlauen hatten sich auf den Liegen postiert und genossen da eine weit bessere Akustik. Danach blieb zeitlich nur noch der Weg zu Tim Allhoffs Jazz-Improvisationen im Kleinen Goldenen Saal.

Mehr war für mich an diesem Tag nicht möglich und so habe ich vieles verpasst, was noch auf dem Programm stand: Die Zauberflöte als Papiertheater im Mozarthaus, das Chorsingen mit Peter Bader, das Menuett-Tanzen mit dem Ballettmeister des Theaters Armin Frauenschuh, die Straßenbahnfahrt mit „Klassik in vollen Zügen“, die Koch- oder Backanleitung für Mozarts Lieblings-Mehlspeisen im Grand Hotel Cosmopolis und auch das Eislaufen zu den Klängen der „Leopold Brass“. Ganz zu schweigen vom Kinderprogramm: der Schnitzeljagd „Wo ist Mozart?“, dem Musik-Workshop oder auch der Stadtführung auf den Spuren von Leopold Mozart. Jeder Punkt für sich vielversprechend und reizvoll.

Mit dem Programm wollten die Organisatoren nach eigener Aussage den Titel „Mozartstadt“ mit Leben füllen und für alle Augsburger erlebbar machen. Das ist ihnen zur sichtbaren Freude des Publikums gelungen. Vor allem auch, weil sie so viele Partner mit ins Boot holen konnten, die zum Beispiel als Veranstaltungsort zur Verfügung standen.

Bemerkenswert auch, dass sich die meisten Veranstaltungen im „Dunstkreis“ des Mozarthauses abspielten und der Fokus nicht wie sonst üblich am Rathausplatz lag. Ein kleiner Vorgeschmack auf das „echte“ Mozartfest im Mai, dessen Schwerpunkt dann doch wieder woanders liegt, nämlich in klassischen Festival-Aufführungen. An diesem Geburtstagswochenende gab es aber erst einmal Mozart für alle in der Mozartstadt. Sicher nicht zum letzten Mal, wie man hoffen darf.



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