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Montag, 06.12.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Modular: Den Geist von X-Large aus der Flasche gelassen

Vor wenigen Tagen überraschten der Stadtjugendring und Richard Goerlich, der Popkulturbeauftragte der Stadt Augsburg, die Öffentlichkeit mit der Vorstellung eines neu entwickelten Modularfestivals. Mit dem neuen Konzept wandelt das Jugendfestival dennoch auf alten Pfaden.

MODULAR-Festival 2011: Teil des Rahmenprogramms der Frauen-WM

MODULAR-Festival 2010: Nun ein Teil des Rahmenprogramms der Frauen-WM


Als Teil des Rahmenprogramms der Frauen-WM wird das Festival nicht wie bisher im April, sondern im Sommer während der Frauen-WM stattfinden. Nach zwei erfolgreichen Reihen Modular hat in erster Linie Richard Goerlich das Festival neu erfunden und dafür jede Menge Kritik einstecken müssen.

Kritisiert wurde das neue „Modularge“ von Seiten der Workshopmacher und ehemaliger Modularteilnehmer. „Sie beklagten fehlenden Respekt für ihre Arbeit von Seiten der Veranstalter und belegten ihre Position mit unzureichenden Präsentationsmöglichkeiten im neuen Festivalkontext“, wie es in Jürgen Kannlers „a-guide“ heißt. Bereits während des Modularfestivals 2010 warf die Kulturpark West gGmbH als Veranstaltungspartner den Bettel hin. Andere Auguren sagen, dass der Kulturpark-West von Brandmiller, Goerlich und der Stadt für 2011 ausgebootet wurde. Für das neue Konzept sind federführend Richard Goerlich und der neue Festivalleiter Stefan Sieber verantwortlich, die gemeinsam mit dem Stadtjugendring den alten X-Large-Geist aus der Flasche ließen: „Wir versuchen, große und bekannte Bands nach Augsburg zu holen“ so Stefan Sieber, der mit dem Clubkonzept „automatic music“ seit neun Jahren gut im Geschäft ist und nicht nur in der Elektroszene über gute Kontakte verfügen soll.

„Ein Festival mit Anspruch und Strahlkraft“

Von vielen kleinen Clubveranstaltungen und dem Kulturpark West zieht es Goerlich und den Stadtjugendring zurück in die Weiten des Öffentlichen Raums der Innenstadt. Dort sollen wegen des Rahmenprogramms der WM bereits die Bühnen für bekannte auswärtige Bands und Augsburger Bands stehen. Vom 30. Juni bis 2. Juli soll das neue Festival mit „Anspruch und Strahlkraft“ (OB Gribl), ein neues Zielpublikum aus Augsburg und der Region locken. Laut Sieber soll das neue Modular trotz des Open-Air-Charakters kein reines Musikfestival werden, da an einigen „Modularmodulen“ festgehalten werden solle. Dazu zählen die Workshops sowie die Veranstaltungsreihe „Puppet on a String“, die Arbeit mit den Jugendszenen und die Kreativmesse.

„Das ist nicht unser Ansatz für ein Jugendkulturfestival“

Susanne Fischer: "Dem neuen Konzept stehen wir sehr skeptisch gegenüber"

Susanne Fischer: "Dem was bisher bekannt wurde, stehen wir sehr skeptisch gegenüber"


„Dem was bisher bekannt wurde, nämlich einer Einbettung von Modular in das Rahmenprogramm der FIFA Frauenfußball – WM mit Open Airs und großer Party in der Innenstadt, stehen wir sehr skeptisch gegenüber. Das ist nicht unser Ansatz für ein Jugendkulturfestival in Augsburg, wie er von Seiten der Politik mit dem Stadtjungendring im Jahr 2008 ausgehandelt wurde“, so die Stadträtin Susanne Fischer (SPD) in einer Pressemitteilung vom 21. September. Laut Fischer könne man so nicht mit einem städtisch bezuschussten Projekt verfahren. Die Augsburger SPD will aus diesem Grund für die kommende Stadtratssitzung am 30. September wissen, ob das umgeschriebene Konzept überhaupt noch bezuschusst werden soll. Aus der Sicht von Fischer fehlt den Machern dazu das politische Mandat. „Die SPD Fraktion hat daher einen Antrag gestellt, der genau dies für die kommende Sitzung des Stadtrates einfordert“, so Fischer. Richard Goerlich sieht das genauso: „Wir haben am Montag ein Update zum aktuellen Planungsstand gegeben – mehr nicht. Den Rest entscheiden ohnehin Ausschüsse und Stadtrat.“