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Samstag, 31.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Mixa ohne Amt und Würde

Das Sekretariat des Bischofs von Augsburg bestätigte gestern, dass Bischof Dr. Walter Mixa am 21. April in einem Brief an Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt angeboten und um Entpflichtung gebeten hat. Mixa reichte auch seinen Rücktritt als katholischer Militärbischof ein.

"Unerschütterliches Vertrauen auf die Gnade Gottes": Dr. Walter Mixa

"Unerschütterliches Vertrauen auf die Gnade Gottes": Dr. Walter Mixa


Seit Wochen war Walter Mixa zwei Vorwürfen ausgesetzt: In seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen soll er Heimkinder geschlagen und Mittel der Heim-Stiftung nicht satzungskonform verwendet haben. Seine inkonsistenten öffentlichen Stellungnahmen brachten Mixa zusätzlich Lügenvorwürfe ein.

Die anhaltende öffentliche Diskussion um seine Person habe in den vergangenen Wochen die Priester und Gläubigen im Bistum schwer belastet, so der Bischof. Mit seinem Rücktritt wolle er dafür Sorge tragen, weiteren Schaden von der Kirche abzuwenden und einen Neuanfang zu ermöglichen. An der Aufklärung aller gegen ihn erhobenen Vorwürfe wolle er auch in Zukunft weiter aktiv mitwirken.

Zu seinem Rücktrittsangebot erklärte Mixa wörtlich: “Ich tue diesen Schritt in unerschütterlichem Vertrauen auf die Gnade Gottes und hoffe zuversichtlich, daß der Vater im Himmel die Kirche von Augsburg in eine gute Zukunft führen wird. Meinen Mitbrüdern im priesterlichen Dienst und allen Gläubigen danke ich für ihre Treue und Verbundenheit und wünsche allen Gottes Segen.”

Reaktionen: Respekt und Erleichterung

In kirchlichen Kreisen wurde Mixas Entscheidung mit Respekt aufgenommen. Der Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz, Erzbischof Reinhard Marx von München, kommentierte Mixas Rücktrittsgesuch: “Jetzt geht es darum, in der Diözese Augsburg einen guten gemeinsamen Weg in die Zukunft zu finden.” Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sah in Mixas Amtsverzicht kein Schuldeingeständnis. Mixa ermögliche einen Neuanfang in Augsburg.

Die Politik reagierte überwiegend erleichtert, fand aber auch deutliche Worte. Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, bezeichnete Mixas Rücktritt als “unausweichlich”. Mixa sei durch seinen Umgang mit den Vorwürfen unglaubwürdig geworden und habe die gesamte Kirche belastet. Für Claudia Roth, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, war Mixas Schritt “überfällig”: “Ein Geistlicher, der prügelt, lügt und Gelder für Waisenkinder zweckentfremdet, hat auf einem Bischofssitz nichts verloren.” Die Augsburger Bundestagsabgeordnete Miriam Gruß (FDP) forderte die schnellstmögliche Prüfung der Anschuldigungen der ehemaligen Heimkinder und die Aufklärung der Vorwürfe finanzieller Unregelmäßigkeiten. Mit dem Rückzug Mixas sei “jetzt die Möglichkeit gegeben, einen offenen und transparenten Kommunikationsprozess zu beginnen, an dem die Kirche sich aktiv beteiligt.” Nur so könne die Kirche Vertrauen zurückgewinnen.