Wendejahre
DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Dienstag, 23.04.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Mit Brechts Antihelden »Baal« zwischen Konzert, Rausch und Selbstvernichtung

Bertolt Brechts Baal als Beitrag des Staatstheater Augsburg zum Brechtfestival 2019

Natalie Hünig Foto: © Jan-Pieter Fuhr

In seinem Frühwerk feiert Brecht den genialischen Künstler Baal als selbstzerstörerisches und sich über alle moralischen Grenzen hinwegsetzendes Individuum. Vom Establishment gefeiert, das er selbst verachtet, gerät er im Strudel seiner rauschhaften Exzesse immer tiefer hinein in die Abgründe seiner Seele, bis er schließlich nicht nur für sich, sondern auch für seine Mitmenschen zur Gefahr wird.

Die Regisseurin Mareike Mikat schickt den Anti-Helden im Rahmen des Brechtfestivals 2019 ab dem 23. Februar als Bandleader auf eine musikalische Tour de force in die brechtbühne im Gaswerk und befragt dabei vor dem Hintergrund aktueller Debatten klassische Geschlechterverhältnisse.

»It’s better to burn out than to fade away«, schrieb Kurt Cobain, Sänger der legendären Grunge-Band Nirvana in seinem Abschiedsbrief, bevor er seinem Leben mit einer Überdosis Heroin im Leib und einem Schuss aus einer Schrotflinte ein viel zu frühes Ende setzte. Im April 2019 jährt sich der Todestag dieses so früh verstorbenen musikalischen Idols zum 25. Mal. Wenig mehr als 100 Jahre zuvor, im Frühjahr 1918, machte ein anderer genialischer Künstler auf dem Augsburger Jahrmarkt (dem »Plärrer«) nicht nur die Bierzelte unsicher, sondern schrieb daneben an seinem ersten Theaterstück.

Und wie könnte es anders sein, es ist ein Stück über einen maßlos saufenden, exzessiven, widerständigen, sexuell tabulosen, asozialen Poeten, der allen für ein Genie gilt, es aber nicht sein will. Baal, schon der Name deutet es an, hat den Teufel im Leib. Er ist nicht zu bändigen und hinterlässt auf dem Weg zu seinem finalen Burn-out eine Spur verwüsteter Seelen. Wer ihm begegnet, ob Mann oder Frau, ist ihm augenblicklich verhängnisvoll verfallen. Aber Baal ist nicht nur der vitale, kreatürliche und skrupellose Anarchist, der buchstäblich über Leichen geht, es schlagen auch zwei Seelen in seiner Brust, wenn er tiefsinnig zweifelnd in seinen wenigen nüchternen Momenten mit seiner eigenen Amoralität ringend konstatiert: »Ich sollte ein neues Leben anfangen: Still, friedlich, beschaulich. Warum nicht? Ich habe schon ganz anderes fertig gebracht.«

In ihrer Inszenierung schickt Mareike Mikat die Schauspieler als abgehalfterte Rock-Band auf eine allerletzte Tournee. Zwischen Tourbus, Raststätte und Probenraum eskalieren die menschlichen Konflikte um den genialischen Bandleader Baal.
Für die Musik zeichnet der Münchner Songwriter und Multiinstrumentalist Enik verantwortlich, dessen Kompositionen für das aktuelle Album der Band »Die Fantastischen Vier« eben mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurde. Gemeinsam mit den Schauspielern hat Enik eigens für diese Inszenierung zahlreiche bekannte und unbekanntere Songs neu arrangiert und einstudiert. Darunter auch ein exklusiver Titel aus seiner eigenen Feder.

Inszenierung Mareike Mikat Bühne & Kostüme Bernd Schneider Musik Enik
Dramaturgie Lutz Keßler

Baal & Band
Natalie Hünig (Baal) Andrej Kaminsky Gerald Fiedler Roman Pertl
Daniel Schmidt Patrick Rupar

Premiere
23.2.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk

Weitere Termine
26.2.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 9.3.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 15.3.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 23.3.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 30.3.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 4.4.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 11.4.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 14.4.2019 15:00 | brechtbühne im Gaswerk 27.4.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 17.5.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 16.6.2019 18:00 | brechtbühne im Gaswerk



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