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Dienstag, 11.08.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Mehr Power für Mozart

Thomas Weitzel will die Mozartgesellschaft in eine aktivere Zukunft führen

Von Frank Heindl

Thomas Weitzel, Leiter des Augsburger Kulturamtes, ist am vergangenen Wochenende zum Präsidenten der Deutschen Mozartgesellschaft (DMG) gewählt worden. Für die Mozartgesellschaft ist der Wechsel im Präsidium keine Formalie: Weitzel plant Korrekturen im Auftreten und der Ausrichtung der Organisation – mit Konsequenzen auch für die Präsentation Augsburgs als Mozartstadt.



„Mit dem jährlich stattfindenden Mozartfestival hat Thomas Weitzel Augsburg als die Deutsche Mozartstadt im Bewusstsein einer breiten, auch überregionalen Öffentlichkeit verankert. Als Präsident der DMG kann er diese Profilbildung noch intensiver fördern und begleiten“, freut sich Kulturreferent Peter Grab in einer Pressemitteilung zum Thema. In der Tat kommt der neue „Job“ für Weitzel nicht zufällig, sondern ist auch das Resultat strategischer Überlegungen in der Stadtspitze, die darauf abzielen, die Mozartaktivitäten in Augsburg zu bündeln, deren Qualität auf hohem Niveau zu sichern und durch die Nutzung von Synergien stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Es habe die Gefahr bestanden, so Thomas Weitzel zur DAZ, dass die Mozartgesellschaft – sie residiert im Augsburger Mozarthaus in der Frauentorstraße – ins sächsische Chemnitz abwandere. Das Hauptproblem aber sei, dass die Gesellschaft nicht professionell gemanagt worden sei. Weitzel will zunächst vor allem den Kontakt zu den Mitgliedern intensivieren – die DMG besteht aus 17 regionalen Mozartvereinigungen – und auf diese Weise Synergieeffekte erzeugen. So sollen Konzertprogramme und dramaturgische Konzepte entstehen, die auch nach außen deutlich machen, „wo der Mehrwert dieser Organisation liegt.“ Weitzel sieht diesen Mehrwert zum Einen in den „Acta Mozartiana“, einer von der DMG herausgegebenen, zweimal jährlich erscheinenden Fachzeitschrift, in deren Beiträgen sich, so Weitzel, die „Crème de la crème“ der Mozartforschung treffe: „Darum beneidet uns sogar das Mozarteum in Salzburg.“ Doch neben der Erhaltung dieses wissenschaftlichen Forums gelte es zum Andern, für die Konzertprogramme „einen gewissen Qualitätsstandard durchzusetzen“ und ideenreicher mit dem „Schatz“ Mozart umzugehen.

Die Mozartgesellschaft als Mozart-Koordinator

Beides sieht Weitzel derzeit nicht in allen Bereichen gegeben. So sei es beispielsweise versäumt worden, aus dem zu Ende gehenden Mahler-Jahr 2010 Kapital zu schlagen: „Es hat keine Versuche gegeben, zum Thema Mozart und Mahler etwa ein Symposium oder eine Tagung zu machen.“ Eine neue Chance, die Mozartgesellschaft deutlich zu profilieren, sieht er aber schon 2012, wenn sich der Todestag von Leopold Mozart zum 225. Mal jährt. Dann, so Weitzel, „sollten wir nicht nur einfach ein paar Konzerte machen, sondern auch ein wissenschaftlich abgesichertes, in die Zukunft blickendes Programm.“ Und zwar mit der Mozartgesellschaft als Koordinator: Es gebe in Augsburg eine Vielzahl an Akteuren, die sich um Mozart kümmern, und die des Öfteren aneinander vorbei arbeiten: „Wir müssen in Zukunft Programmdoppelungen vermeiden und das Thema auch strategisch sehen.“ So gelte es beispielsweise die Frage zu klären, wie viele Kammerkonzerte die Stadt vertrage und ob das Publikum vielleicht mit noch mehr Interesse reagiere, wenn die Veranstalter nach einem gemeinsamen Konzept arbeiten. „Das müsste auch in Augsburg aus einem Guss sein, so wie das in Salzburg schon seit Jahrzehnten der Fall ist.“

Dies sei auch der Wunsch von OB Kurt Gribl gewesen, der Weitzels Kandidatur fürs Präsidium unterstützt habe. Die Stadtspitze wolle in Zusammenarbeit mit der Regio die „Dachmarke“ Mozart stärken und national – „wenn nicht sogar international“ – bekannter machen. Das soll sich auch für den Tourismus auszahlen – „das ist natürlich auch eine Marketinggeschichte“ – es werde aber auf keinen Fall darum gehen, Programme gleichzuschalten: „Hier ist die Vielfalt an sich schon eine Qualität!“

Der Pferdefuß ist das liebe Geld

Der „Pferdefuß“ des Ganzen, so Weitzel, sei wie so oft das Budget: „Es gibt keinen Etat, um die derzeitigen Aktivitäten zu verstärken.“ Deshalb müsse zunächst der Stellenwert von Mozart als Dachmarke geklärt werden. Augsburg mache auch mit anderen Marken von sich reden: „Wir haben die Popkultur, die Neue Musik, die Brechtstadt, die Friedensstadt, die Mozartstadt.“ Wo Mozart in diesem Konzept zu positionieren ist, wird in den nächsten Jahren deutlicher geklärt werden müssen. Weitzel hatte auch schon in der Vergangenheit vor dem Kulturausschuss deutlich gemacht, dass er für die städtischen Mozartaktivitäten Planungssicherheit und damit einen verlässlichen Etat braucht. Ein Verdrängungswettbewerb mit den anderen städtischen „Dachmarken“ ist zwar nicht zu erwarten, wohl aber, dass um Gewichtung und Budgets gestritten werden muss.

Weitzel sieht sich selbst als Übergangspräsident, der den Wechsel der Mozartgesellschaft und der Stadt zu einem aktiveren Umgang mit Mozarts Erbe vollziehen wolle. Wenn das gelinge – „es kann auch scheitern!“ – dann könne diese Arbeit irgendwann nicht mehr der Kulturamtsleiter nebenbei bewältigen. Doch auch solch große Ziele müssen in kleinen Etappen angegangen werden. In der ersten Vorstandssitzung mit neuem Präsidium möchte Weizel zunächst einmal in die Zukunftsplanung einsteigen: „Man wird kurzfristige, mittelfristige und langfristige Ziele vereinbaren. Und dann sehen wir weiter.“

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