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Donnerstag, 27.01.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Medienpreis: Jury leistet sich Fauxpas

Kommentar von Siegfried Zagler

Die „Regio Augsburg Wirtschaft GmbH“ ist ein Teil der komplexen Nachfolgegesellschaft der Augsburg AG, deren damaliger Geschäftsführer Gerhard Leypoldt ein aberwitziges Büro in Bangkok betrieb. Die „Regio Augsburg Wirtschaft GmbH“ hat nach der Wengert-Ära die Aufgabe übertragen bekommen, die Stärken des Standorts der Stadt Augsburg sowie der Landkreise Augsburg und Aichach-Friedberg (A³) hervorzuheben und zum Botschafter für den Wirtschaftsraum Augsburg zu werden. Einen Teil dazu sollte ein Ende Februar 2010 im CineMaxX vor 400 geladenen Gästen mit allerlei Brimborium vorgestellte 35.000 Euro teuere Imagefilm beitragen. Mit diesem filmischen Beitrag liegt die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH in etwa auf dem gleichen niederschwellligen Niveau wie Herr Leypoldt, dessen Idee mit seinem Büro in Bangkok die Wirtschaft der Region ankurbeln zu wollen, zu den absonderlichsten Kapiteln der Augsburger Lokalpolitik gehört. Titel des Films: „Wirtschaftsraum Augsburg A³ – Raum für Innovation. Der Film.“

Golf spielende Menschen: Der Film

Golf spielende Menschen: Der Film


Die positive Wirkung des Filmchens im Sinne von Standortmarketing ist natürlich fragwürdig. Bereits bei der Premiere im CinemaxX wurde offen und hinter vorgehaltener Hand über die Machart des Films gelästert. „Next door to Munich“, „Greater Munich“ seien keine passende Begrifflichkeiten für den Wirtschaftsraum Augsburg, wurde von kritischen Geistern angeführt. Zu viel Information rausche viel zu schnell durch. Fachkräfte, die tagsüber mit konzentriertem Gesicht auf einen Monitor schauen und abends im schicken blauen Cabriolet vor dem Eigenheim im Wittelsbacher Land vorfahren, reduziere die angesprochene Zielgruppe auf ein holzschnitzartiges Klischee. Ein Stilmittel der Werbung aus den Sechzigern und somit kontraproduktiv im Sinne der Intention.

„Es lohnt sich kaum, mehr als ein paar despektierliche Worte darüber zu verlieren“

Alles soweit richtig, nur eines möchte man noch hinzufügen: Es handelt sich um einen handwerklich gut gemachten Film mit einem schrecklich platten – in Form und Inhalt – eingesprochenem Off-Text, der die üblichen Klischees über Bayern und Augsburg bedient, und somit nicht weiter der Rede wert ist. Vielleicht müssen Low-Budget-Imagefilme so sein, vielleicht auch nicht. Jedenfalls lohnt es sich kaum, mehr als ein paar despektierliche Worte darüber zu verlieren, wie naiv sich die Macher ihre anvisierte Zielgruppe vorstellen. Die mickrigen 305 Hits bei „You tube“ als Beleg der gerechten Nichtbeachtung erfassen quantitativ angemessen den Wert der A³ Augsburg-Kolportage. – Dann kam die Bewerbung zum 1. Augsburger Medienpreis, die die Schlussfolgerung zuließ, dass die Auftraggeber den A³-Kitsch für wettbewerbsfähig halten und sie selbst die Naiven sind. Man könnte der Jury (Kategorie „Realisierte Konzepte“) des Augsburger Medienpreises immerhin zugute halten, dass sie den ambitionierten siebenminütigen Streifen am vergangenen Mittwochabend lediglich mit dem dritten Platz ausgezeichnet hat, doch bereits der dritte Rang des A³-Films drückt den künstlerischen Wert der gesamten Medienpreis-Veranstaltung tief in den Keller.

„Next door to Munich“ überzeuge durch günstige Lebenshaltungskosten und durch hohe Lebensqualität, so eine der Kernthesen des Films, der mit dem Augustusbrunnen beginnt und mit den „zahlreichen“ kulturellen Angeboten der Region endet. Zu sehen sind in dieser Folge ein Wasserskifahrer auf dem Friedberger Baggersee, sich zuprostende Menschen in einem Biergarten, einkaufende Menschen in der City-Galerie, Golf spielende Menschen und zuletzt – wen wundert es noch? – die Puppenkiste und das Maxfest. Wäre die kulturelle Lebenswirklichkeit in Augsburg und Umgebung durch den A³-Film – auch nur in homöopathischen Ansätzen – getroffen, gäbe es keinen nachvollziehbaren kulturellen Grund für das kreative Ingenieurs-Klientel, sich für den Standort „Next door to Munich“ zu entscheiden, aber ausreichend Gründe für die Einheimischen, die Koffer zu packen. Der dritte Preis für diese schwer erträgliche „Botschaft für die Welt“, die den so genannten weichen Standortfaktor Kultur in der Augsburger Region und in Augsburg dergestalt reduziert darstellt, ist ein schwerer Fauxpas der Jury. Ein Fehler, der auf der anschließenden Partysause im Rahmen der 1. Augsburger Medienpreisverleihung mit viel Spott kommentiert wurde und die insgesamt interessante Veranstaltung in der Gesamtbewertung nicht unerheblich nach unten drückt.

» Der Film


Der 1. Augsburger Medienpreis 2010



Unter dem Motto „Bring Augsburg in die Welt – bring die Welt nach Augsburg!“ war es das Ziel des Augsburger Medienpreises 2010, Ideen und Konzepte zu entwickeln, die den Standort Augsburg unter Nutzung medialer Instrumente direkt oder indirekt fördern. 59 Arbeiten wurden eingereicht. Vergeben wurde der Preis in zwei Kategorien: „Realisierte Konzepte“ und „Idee“. In beiden Kategorien gab es Preisgelder in Höhe von 2.000, 1.000 und 500 Euro.



Die Preisträger in der Kategorie „Realisierte Konzepte“:

  1. Textilmuseum tim: Plakatkampagne „Mensch, Maschine, Mode“
  2. Team m&m: Imagekampagne „Lebe mich. Dein Augsburg“
  3. Regio Augsburg Wirtschafts GmbH: „Wirtschaftsraum Augsburg A³ – Raum für Innovation. Der Film.“

Die Preisträger in der Kategorie „Idee“:

  1. Sergej A. Dott: Fuggerium – ein interaktives Denkmal für Jakob Fugger
  2. Sandra Kneissl: E-Mail-Signatur „I love Augsburg“
  3. Stefan Heinrich: Der „Stadtfilmer von Augsburg“

Ein Hauch von Hollywood und Oscar-Verleihung: 550 Gäste kamen am

21. Juli zur Gala zur Verleihung des 1. Augsburger Medienpreises ins CinemaxX.



» Vernissage zum 1. Augsburger Medienpreis