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Montag, 02.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Maxstraßenpflaster: Normen eingehalten – trotzdem mangelhaft

Das neu verlegte Pflaster in der Maximilianstraße, das nach Regenfällen Verfärbungen und Nässeflecken zeigt, war Hauptthema in der gestrigen Sitzung des Ferienausschusses des Augsburger Stadtrats. Auf Antrag der SPD wurde den 15 Stadträten das Ergebnis eines Gutachtens vorgestellt.

Mangel oder kein Mangel? Fleckiges Granitpflaster in der Maxstraße

Die SPD-Fraktion wollte in ihrem Antrag insbesondere wissen, ob die verlegten Granitsteine für die Belastungen in der Maximilianstraße und in weiteren Stadträumen geeignet sind und aus welchem Abbaugebiet in Portugal die Steine stammen. Den zweiten Teil der Frage beantwortete Baureferent Gerd Merkle: Das Granitmaterial komme gar nicht aus Portugal, sondern aus einem Steinbruch in Spanien.

Dass der verlegte Granit qualitativ schlechter sei als der einheimische Flossenbürger Granit, der seit 12 Jahren in der kurzen Maximilianstraße liegt, wollte Bauingenieur Bernd Burgetsmeier, der das Gutachten erstellt hat, nicht bestätigen: “Der Stein ist absolut tauglich”, so der Gerichtssachverständige aus Friedberg, der das Pflaster in den vergangenen Wochen ausgiebig untersucht hat und das Ergebnis gestern im Ferienausschuss vorstellte.

Wasseraufnahmevermögen ist nicht geregelt

Naturstein sei ein Naturprodukt, so Burgetsmeier weiter. Farbabweichungen bei einer so großen Fläche – bisher wurden rund 1.000 qm verlegt – seien wegen unterschiedlicher Chargen, Arbeitsunterbrechungen und bei der Farbvorgabe in der Ausschreibung “schwach gelb bis grau” völlig normal. Hauptursache für den von ihm ausgemachten optischen Mangel ist für Burgetsmeier das unterschiedliche Wasseraufnahmevermögen der Steine, das beim Abtrocknen nach Niederschlägen zu einem Bild mit teils schon trockenen, teils in der Mitte noch nassen Steinen führt.

“Die Wasseraufnahme ist aber in keinem Regelwerk geregelt”, so der Sachverständige. Wenn die Wasseraufnahme des Granits eines bestimmten Steinbruchs laut bauaufsichtlichem Prüfzeugnis 0,1 bis 0,4 Prozent betrage, bedeute dies, dass ein Stein zulässigerweise bis zu viermal mehr Wasser aufnehmen könne als ein anderer und damit sichtbar langsamer trockne. Bei einem anderen Steinbruch, der beispielsweise die Wasseraufnahmefähigkeit mit 0,80 bis 0,85 Prozent ausweise, würden die Steine zwar das Doppelte an Wasser aufnehmen, beim Abtrocknen würde sich aber wegen der geringeren Spanne ein gleichmäßigeres Bild ergeben.

Trotz Einhaltung der Normen mangelhaft

Insgesamt habe er in der ganzen Maximilianstraße nur sieben Steine finden können, so Burgetsmeier, die nach den Regelwerken DIN EN 1341, ZTV Pflaster und TL Pflaster mangelhaft waren. Dass er trotzdem zu dem Ergebnis gekommen sei, dass 30 Prozent der Pflasterflächen mangelhaft sind, machte der Sachverständige zum Einen an dem Begriff des “optischen Mangels” fest. Bei einer so hochwertigen Fläche wie der Maximilianstraße und einem hochwertigen Material würden bezüglich des Erscheinungsbilds ganz andere Maßstäbe gelten als bei einem Betonpflaster in einem Garagenhof. Zum anderen biete die Formulierung im Leistungsverzeichnis, dass Material aus “witterungsbeständigem Gestein” zu verwenden sei, eine weitere Handhabe, um Mängel geltend zu machen. Seit Verlegebeginn hätte nämlich ein Teil der Steine innerlich quasi “Rost angesetzt”, wie Burgetsmeier laienverständlich den Vorgang der Bildung von braunem Biotit um die Glimmerbestandteile des Granits beschrieb.

Zeit könnte das Problem heilen

Wurde nicht diskutiert: Unterschiedliche Verlegeart bei Anschlüssen (Bild: Architekturforum Augsburg)

Wurde nicht diskutiert: Unterschiedliche Verlegeart bei Anschlüssen (Bild: Architekturforum Augsburg)


Auf Nachfrage der Stadträte, was man denn nun tun solle, empfahl der Sachverständige, mindestens den nächsten Winter abzuwarten. Er erwarte sowohl eine farbliche Angleichung des Pflasters an das Erscheinungsbild der kurzen Maximilianstraße als auch der Steine untereinander. Die Frage von Bernd Kränzle (CSU) an Burgetsmeier, wie er denn aufgrund seines Gutachtens die Aussichten in einem Prozess gegen die Verlegefirma einschätze, wies OB Kurt Gribl als irrelevant zurück. Er habe am Vortag ein langes Telefonat mit dem Unternehmer geführt. Dieser habe sich sehr kooperativ gezeigt, wolle nicht mit Gegengutachten kommen und habe großes Interesse daran, eine gute Leistung abzuliefern.

Eine Diskussion der Verlegeart – anders als in der kurzen Maximilianstraße wurden Kleinflächen um Durchdringungen und an Anschlüssen nicht mit Kleinsteinpflaster ausgelegt, sondern die großen Platten eingeschnitten – ließ der OB nicht zu, da diese Problematik nicht Bestandteil des SPD-Antrags war.

Die Schlussfrage von Rolf Harzmann (Pro Augsburg), ob denn die Fleckigkeit von Pflaster außerhalb Augsburgs weniger kritisch gesehen werde, beantwortete Bernd Burgetsmeier, der auch für andere Kommunen gutachterlich tätig ist, mit einem trockenen “Ja”.