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Donnerstag, 27.01.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Maxfest: Die Sicherheitsauflagen der Verwaltung sind über jeden Zweifel erhaben!

Warum max 11 aus den falschen Gründen abgesagt wurde

Kommentar von Siegfried Zagler

„Ich bin für die Schließung des Theaters aus künstlerischen Gründen“, so ein gewisser Bertolt Brecht vor vielen Jahren über das Augsburger Stadttheater. Dieses Brecht-Wort würde heute für die so genannten Augsburger Maxfeste gelten. Besser: „hätte für die Maxfeste gegolten“, da durch die Absage der CIA von max 11 aufgrund der verschärften Sicherheitsauflagen des Ordnungsamtes diese Partyklimbim-Reihe für immer aus der Innenstadt verschwinden wird. Noch passender wäre der Konjunktiv mit Modalverb: „hätte für die Maxfeste gelten sollen“. Oberbürgermeister Kurt Gribl und der Stadtrat haben es nämlich versäumt, den irrwitzigen Massenaufmärschen im Herzen der Stadt den Boden der Maxstraße aus kulturpolitischen Gründen zu entziehen.

Die durchschlagende Einfallslosigkeit des Veranstalters wurde nie in Frage gestellt

Das Format Max04 – vom damaligen CIA-Geschäftsführer Peter Grab mitentwickelt – war bereits im Jahre 2004 ein Format, das man mit Kopfschütteln begleitete und belächelte. Das hinterwäldlerische Gedöns auf der Maxstraße wurde seinerzeit vom Regenbogen unter Oberbürgermeister Paul Wengert (SPD) und Kulturbürgermeisterin Eva Leipprand (Grüne) zugelassen und gefördert. Die durchschlagende Einfallslosigkeit des Veranstalters wurde nie ernsthaft in Frage gestellt – von keiner Fraktion, von keinem Kulturausschuss, von keinem Kulturpolitiker. Die Maxfestreihe ist das Zeugnis der Kulturpolitik dieser Stadt: ein Armutszeugnis.

Die Frage, warum die Stadt sich als historische Hintergrundkulisse für ein Sauf- und Fressfest verwenden lassen soll, wurde nie gedacht. Die Maxstraßenfeste kreierten die Maxstraße als bunt bestrahlten Bunker für triste Kulturangebote und als öffentliche Plattform für jugendliche Alkoholexzesse. Die beispiellose Verslumung der Maxstraße hat im Jahre 2004 begonnen und wurde gedankenlos durch das Größer-Höher-Ordinärer-Konzept der Szenegastronomie vorangetrieben.

Ein „bisschen schwanger“ gibt es nicht, ein „bisschen sicher“ auch nicht

Diese katastrophale Fehlentwicklung ist der (kultur)politischen Kaste dieser Stadt anzukreiden, die sich halbwegs rehabilitieren hätte können, hätte sie der Maxfestreihe aus kulturpolitischen Überlegungen heraus die Rote Karte gezeigt. max 11 hätte man aus „künstlerischen Gründen“ absagen müssen, was aber nichts daran ändert, dass die erhöhten Sicherheitsauflagen und die damit verbundene Absage der CIA ein Ausdruck der Vernunft sind und somit nicht weiter zur Disposition stehen sollten. Die erste Reaktion von CIA-Geschäftsführer Heinz Stinglwagner war von Unverständnis für die zusätzlichen wie späten städtischen Auflagen gezeichnet. Dafür kann man Verständnis aufbringen. Doch nicht die Sicherheitsauflagen des Ordnungsamtes kamen zu spät, sondern Stinglwagners Einsicht, dass das Maxfest in diesem Format nur noch sehr aufwändig sicher durchzuführen ist. Ein „bisschen schwanger“ gibt es nicht, ein „bisschen sicher“ auch nicht. Aus diesem Grund sind die Sicherheitsauflagen der Verwaltung über jeden Zweifel erhaben, um ein Gribl-Wort in den dazu passenden Kontext zu setzen.

Der Streit um das Maxfest 2011 hat die die furchterregende Erkenntnis zutage gebracht, dass die Kulturpolitik immer noch nicht in der Lage zu sein scheint, zu erkennen, dass man die kulturelle Bespielung des innerstädtischen Raums nicht der Gastronomie und der CIA überlassen darf. Das historische Erbe Augsburgs ist nicht nur die stärkste kulturelle Identität dieser Stadt, sondern auch ihr größtes Potenzial hinsichtlich ihrer Fortentwicklung. Die kulturelle Fortschreibung des öffentlichen Raums geht nur über ein Festivalkonzept, das sich am historischen Ensemble der innerstädtischen Plätze orientiert und die Stadt samt ihren Brüchen angemessen reflektiert.

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» Max09: Es liegt ein toter Fisch im Wasser – Wie das Sauf-Fest in die Maxstraße kam. Bereits im Juni 2009 geißelte der erste DAZ-Kommentar die Maxfeste.