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Dienstag, 22.10.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Martin Grubinger beim Sinfoniekonzert: Auftakt mit virtuoser Schlagtechnik

Hoffnungslos ausverkauft beide Aufführungen des ersten Sinfoniekonzerts der neuen Spielzeit. Kein Wunder, war doch ein ganz besonderer Solist Gast der Augsburger Philharmoniker: Der international viel beschäftigte Schlagzeuger Martin Grubinger begeisterte das Augsburger Publikum.

Martin Grubinger © Simon Pauly

Auf dem Programm das eigens für Grubinger geschriebene „Concerto für Schlagzeug und Orchester op. 77“ des 1970 geborenen türkischen Komponisten Fazil Say. Ein Werk, das erst vor vier Monaten in Dresden uraufgeführt wurde und nun in Augsburg seinen zweiten „Einsatzort“ mit Martin Grubinger hatte. Die ganze Breite der Bühne wird dafür von seltsamen Instrumenten eingenommen, die der Solist den Zuschauern erst einmal vorstellt, bevor er überhaupt zu spielen anfängt: Ein „Waterphone“, das aus mit Wasser gefüllten Metallstäben besteht und nicht nur geschlagen, sondern auch mit einem Bogen bearbeitet wird. Ein Vibraphon, das in Kombination  mit Röhrenglocken gespielt wird. Kleine Rototom-Trommeln und ein Kranz von großen Pauken, jeweils  in unterschiedlichen Tonhöhen gestimmt und schließlich noch ein Marimbaphon.

Zwischen diesen Geräten wirbelt Grubinger hin und her, stets im Dialog mit dem von Domonkos Héja wie immer souverän geleiteten Orchester. Die vier Sätze kommen mal groovig und sehr rhythmisch daher, haben aber erstaunlicherweise auch gleichsam lyrische Passagen. Ein Kraftakt im wahrsten (auch physischen) Sinn des Wortes ist es für den Solisten allemal, der mit Konzentration und virtuoser Präzision die Instrumente bedient. Sein Showtalent zeigt er danach noch bei der Zugabe, einer Kadenz an der „Pipe Drum“, die er als „eher Sport als Musik“ ankündigt und mit großem Können, akrobatischen Einlagen und sichtlich Spaß vorführt. Bei der zweiten  Zugabe am Vibraphon erweist er sich aber auch als Meister der leisen und lyrischen Töne.

Das Schlagzeugkonzert war aber nur der Höhepunkt eines gewohnt harmonisch zusammengestellten Konzertprogramms, das unter dem Motto „Lebenszyklen“ stand. Den Einstieg lieferten „Les Préludes“  von Franz Liszt, über die der Komponist geschrieben hatte: „Was anderes ist unser Leben als eine Reihenfolge von Präludien zu jenem unbekannten Gesang, dessen erste und feierliche Note der Tod anstimmt?“

Das effektvolle Werk verfehlte seine Wirkung auf das Konzertpublikum nicht und bot einen guten Einstieg zum Schlagzeugkonzert. Nach der Pause folgte dann der Zyklus „Ein Heldenleben“ von Richard Strauss – auch ein Werk, wo Musik und Poesie sich treffen, die Musik einem poetischen Programm folgt. Das in großer Besetzung agierende Orchester zeigte einmal wieder  seine hohe künstlerische Qualität und besonders die Konzertmeisterin Jung-Eun Shin hatte Gelegenheit, ihre solistische Virtuosität zu präsentieren.

Ein wunderbarer, schwungvoller Einstieg in die neue Konzertsaison!



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