Wendejahre
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Donnerstag, 25.04.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Markus Weinzierl passt nicht zum FCA

Warum sich der FCA von Markus Weinzierl trennen soll



Von Siegfried Zagler

Am 18. Januar beginnt die Rückrunde der Fußballbundesliga. Der FC Augsburg  beginnt in Düsseldorf, dann empfängt man zu Hause Schalke, anschließend geht es für die Augsburger in Wolfsburg um Punkte, danach folgt das Heimspiel gegen Mainz. Falls der FCA aus diesen vier Partien zum Auftakt der Rückrunde 9 Punkte holen sollte, hat man in Augsburg in Sachen Abstiegsvermeidung wieder mehr als nur das Prinzip Hoffnung, nämlich eine kleine Chance, die sich von Spieltag zu Spieltag vergrößern würde, sollte Hoffenheim und/oder ein anderer Verein in der Rückrunde den Faden verlieren. Noch ist Augsburg nicht verloren. Im Fußball ist vieles möglich.

Unabhängig davon, ob der FCA in der Rückrunde auf die Erfolgsspur kommt oder nicht, sollte Walther Seinsch nicht an Markus Weinzierl als Trainer festhalten, obwohl er in Augsburg keinen richtig schlechten Job macht. Das klingt nach Widerspruch und das klingt beim Blick auf die Tabelle wie ein „doppelter Widerspruch“. Zwölf geschossene Tore, ein Sieg, sechs Unentschieden, zehn Niederlagen sind eine katastrophale Bilanz. Und dennoch muss man feststellen dürfen, dass der FCA in der Bundesligahinrunde dieses Jahr unter Weinzierl besseren Fußball spielte als in der Hinrunde der Vorsaison unter Luhukay.

Gegen Düsseldorf war der FCA die bessere Mannschaft, in Schalke schoss eine spielerisch sehr starke Augsburger Mannschaft 22 Mal aufs Tor. Gegen Gladbach und Freiburg ließ der FCA zu Hause vier Punkte liegen. In Nürnberg spielte der FCA zwar wie ein Absteiger und war dennoch die bessere Mannschaft und niemand beim Club hätte sich darüber beschweren können, hätte der FCA drei Punkte nach Augsburg mitgenommen. Um es kurz zu machen: Hätte der FCA 17 Punkte in der Hinrunde erzielt, dann wäre diese Punktzahl verdienter als die 15 Hinrundenzähler der Vorsaison.

Mit Verhaegh, Moravek, Koo, Langkamp und Jentzsch – und möglicherweise Philp, nimmt man seinen sensationellen Auftritt im Pokal gegen die Bayern als Maßstab – verletzten sich sehr wichtige Leistungsträger. Wie kann man nach Erwägung dieser Sachverhalte nach der zurückliegenden Halbsaison dennoch davon ausgehen, dass Markus Weinzierl der falsche Trainer für den FCA ist?

Alle Neuzugänge in Sachen Kreativität und Chancenverwertung zeigten nicht die Leistungen, die man von ihnen erwartete – und hier kommt das erste große Fragezeichen in Richtung Weinzierl: Sind alle Neuzugänge für die Offensive Fehleinkäufe oder verstand es Weinzierl einfach nicht Petrzela, Sio, Bance und Musona richtig zu führen?

Aristide Bance und Giovanni Sio galten bereits vor ihrer Verpflichtung als „sehr schwierige Persönlichkeiten“. Wenn man diese Spieler holt, muss man vorher ein Konzept entwickeln, wie man diese Spieler in die Mannschaft integriert. Keine einfache Angelegenheit, aber eine notwendige. Geschehen ist diesbezüglich nichts.

Markus Weinzierl passt nicht zum FCA. Weinzierls Verpflichtung ist ein großes Missverständnis, ein Missverständnis auf hohem Niveau, wenn man so will. Das ist für alle Seiten eine schmerzvolle Einsicht, die sich nicht aus dem aktuellen Tabellenstand herleitet, sondern aus der Art und Weise wie Weinzierl die Mannschaft führt. Weinzierl fehlt Erfahrung in der Spielinterpretation, fehlt Leidenschaft und eine natürliche Autorität in Sachen Menschenführung sowie die Überzeugungskraft in Sachen Einstellung und taktische Feinheiten. Weinzierl fehlt also vor allem die Sprache, die das Geschehen auf dem Platz reflektiert, die die Differenz zwischen Erwartung und Leistung erklärt. Augsburgs Trainer wirkt sprachlos und verunsichert. Nach drei Trainern wie Fach, Loose und Luhukay konnte man sich in Augsburg nicht vorstellten, dass es eine Steigerung von „einsilbig“ geben könnte. Dann kam Weinzierl. Die Hände in den Hosentaschen, ohne Körperspannung mit einem Blick von unten heraus vermittelt Markus Weinzierl am Spielfeldrand in erster Linie eins: Ratlosigkeit. Weinzierl hat beim FC Augsburg einen Dreijahresvertrag erhalten. Weshalb er als Trainer-Nobody zu diesem Privileg kam, weiß nur FCA Präsident Walther Seinsch.

Möglicherweise ist Weinzierl der erste FCA-Trainer in der Seinsch-Ära, der nicht unter Hochdruck verpflichtet wurde. Bei der Personalie Weinzierl sollte es sich um eine strukturbildende Entscheidung handeln. Eine mutige Entscheidung, der allerdings eine fundamentale Fehleinschätzung zu Grunde liegt.

Uli Hoeneß hat in seinen 30 Jahren als erfolgreicher Klubmanager nicht wenige Fehlentscheidungen getroffen. Sören Lerby, Otto Rehagel und Jürgen Klinsmann sind zum Beispiel Trainernamen, die für falsche Personalentscheidungen beim ruhmreichen FC Bayern stehen. Die spektakulärste heißt Klinsmann. Wie besoffen sei man 2008 von dem Gedanken gewesen, Klinsmann als Erneuerer zu verpflichten, so Hoeneß heute. Man habe ein Aufgabenprofil erstellt und sei auf Klinsmann gekommen, so Rummenigge damals. (Immerhin waren die Münchner nicht so besoffen, dass sie Klinsmann mit einem Dreijahresvertrag ausstatteten.). Der FC Bayern spielte unter Klinsmann dergestalt schlecht, dass die gegnerischen Fans Jürgen Klinsmann bei Siegen „ihrer“ Mannschaft mit Sprechchören „feierten“. Fünf Spieltage vor Saisonende beschloss die Bayernführung die sensationelle Fehlverpflichtung als „gescheitertes Experiment“ zu bezeichnen. Klinsmann flog und Jupp Heynckes sicherte in höchster Not mit vier Siegen den Champions-League Platz. Anschließend machten es die Münchner, wie sie es immer machten. Sie holten sich den in ihren Augen renommiertesten Trainer, den es auf dem Markt gab.

Für den FCA ist die Trainersuche nicht ganz so einfach. Klar ist nur, dass es sich in Augsburg mit Weinzierl so verhält wie mit Klinsmann in München.



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