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Montag, 02.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

„Man muss es nur gemeinsam wollen“

Stadtrat Karl Heinz Englet (Pro Augsburg) kann sich nicht mit dem geplanten Theatercontainer als Übergangslösung anfreunden. Er sieht in dieser Lösung die Gefahr, dass diese Interimsspielstätte nicht direkt zu einem neuen Schauspielhaus führt, sondern zu einem ewigen Provisorium. Das Theater sei in den letzten Jahrzehnten von allen Stadtregierungen sträflich vernachlässigt worden. “Mit Kompromissen muss es nun vorbei sein”, so Englet im DAZ-Interview.

Karl Heinz Englet

Karl Heinz Englet


DAZ: Herr Englet, als die DAZ das letzte Mal mit Ihnen sprach, gab es hinterher wochenlang Theater und die hausgemachten Pro-Augsburg-Probleme wurden publik. Hat sich seit dem großen Sommertheater 2009 bei Pro Augsburg in ihrem Sinn etwas verändert?

Englet: Wir arbeiten daran, sowohl der Verein als auch die Fraktion, aber Sie haben sicherlich Verständnis dafür, dass …

DAZ: … Sie uns nicht über den aktuellen Wasserstand berichten wollen.

Englet: Genau!

DAZ: Gut, dann versuch ich’s anders rum. Als Sie sich als einziger Stadtrat in der letzten Stadtratssitzung grundsätzlich gegen die geplante Interimsspielstätte ausgesprochen haben, um abermals das Kurhaus als Übergangslösung ins Spiel zu bringen, hat Fraktionschefin Schabert-Zeidler im Stadtrat betont darauf hingewiesen, dass dies nicht die Position von Pro Augsburg sei. Als einer der Gründerväter von Pro Augsburg gelten Sie als Experte für den Kulturbereich. Schmerzt es Sie nicht, wenn Ihnen – wie es des öfteren geschieht – Sie nicht die Zustimmung ihrer Fraktion bekommen?

Englet: Es ist richtig, dass ich mir verschiedentlich mehr Solidarität meiner Stadtratskollegen wünschen würde. Wichtig für mich jedoch ist, den breiten Rückhalt unserer Mitglieder und sehr vieler Entscheidungsträger dieser Stadt, die mich immer wieder ermutigen, für meine Vorschläge weiterzukämpfen.

DAZ: Sehr diplomatisch formuliert. Aber nun wollen Sie die Containerspielstätte verhindern, und haben sich dabei nicht nur gegen die eigene Fraktion, sondern auch gegen den ganzen Stadtrat positioniert. Sagen Sie unseren Lesern doch mal, warum Sie sich diese Einzelkämpfer-Tortour antun!

Englet: Wie viele wissen, war ich bis zur Vorstellung der Grundlagenermittlung durch Prof. Friedrich ein Komödien-Befürworter und habe es bedauert, dass die Stadt vor 4 Jahren die Komödie nicht für den ausgesprochen günstigen Preis von einer Million Euro erworben hat. Ein kulturpolitischer Fehler erster Güte. Das ist jedoch Historie und jetzt gilt es, nach vorne zu schauen. Die Vorstellung der Grundlagenermittlung hat gezeigt, dass das Sinnvollste ein Neubau eines Schauspielhauses im Theaterhof ist. Schrittweise dazu in mehreren Bauabschnitten

der Neubau der Werkstätten und Lagerräume sowie die Entkernung des großen Hauses mit der Neugestaltung der Bühne und des Zuschauerraumes. Aus meiner Sicht eine klare und vernünftige Aussage, die es step by step zu verwirklichen gilt.

DAZ: Eine Aussage, zu der die provisorische Container-Lösung offensichtlich notwendig ist!

Englet: Aber nicht im Sinne der Stadt, sondern im Sinne der Theaterleitung. Für die Stadt ist der Container ein fauler Kompromiss. Damit muss es nun vorbei sein. Die gesamten Theaterspielstätten Großes Haus, Komödie und Freilichtbühne wurden in den vergangenen Jahrzehnten von allen Stadtregierungen sträflichst vernachlässigt. Deshalb meine Forderung: keine Kompromisse mehr und mit der sofortigen Planung und Umsetzung des Schauspielhauses beginnen. Jeder Euro, der in eine Ersatzlösung gesteckt wird, ist verlorenes Kapital, da der Container ca. 10 Jahre oder länger stehen muss um dafür Fördermittel zu bekommen. Völlig unverständlich für mich ist weiterhin, dass der Container am gleichen Standort installiert werden soll, wo das neue Schauspielhaus vorgesehen ist.

Am selben Ort: Container und späteres Schauspielhaus

Die 5 Millionen Euro, die der Container kosten soll, könnte man sofort für das neue Schauspielhaus verwenden. Bei Goodwill von allen Fraktionen könnte das in drei Jahren realisiert werden. So wie das jetzt in der Luft hängt, sieht es ganz danach aus, dass wir, also der Rat der Stadt Augsburg, das Problem nur 10 Jahre vor uns her schieben. Für unsere Stadtratsnachfolger eine Unverantwortlichkeit. Was in kürzester Zeit verwirklicht werden kann, wenn sich die politischen Gremien einig sind, zeigt doch die neue Messehalle und die Neue Stadtbücherei. Das Theater muss jetzt absolute Priorität haben. Man muss es nur gemeinsam wollen.

DAZ: Sie sind im Verwaltungsrat des Kurhauses Göggingen, das der Stadt Augsburg zu 50 Prozent gehört, und haben vorgeschlagen, dass für 2 – 3 Spielzeiten das Kurhaus für den Komödien-Spielplan mitgenutzt werden soll. Die Theaterleitung sagt, dass dies nicht möglich sei.

Englet: Da kann ich der Theaterleitung, der ich mich übrigens sehr verbunden fühle, nicht zustimmen. Bei gutem Willen und Zusammenarbeit aller Beteiligten – natürlich auch mit Kompromissen – wäre es aus meiner Sicht durchaus möglich. Ich kann die Behauptung der Theaterleitung schon aus dem Grund nicht akzeptieren, da das Kurhaus nicht zu den acht möglichen Spielstätten gehörte, die in der Grundlagenermittlung als Ersatz-Spielstätte geprüft wurden.

DAZ: Wie soll es Ihrer Ansicht nach weitergehen? Der Container gilt als gesetzt, auch wenn bis jetzt ziemlich unklar ist, wie er aufgrund der angespannten Haushaltssituation finanziert werden soll.

Englet: Ich wünsche mir vom Souverän der Stadt, dass er verantwortungsbewusst im Sinne seiner Bürger handelt und in diesem Fall noch einmal in sich geht. Wenn wir jetzt den Container dort hinstellen, wo wir später das Schauspiel bauen wollen, dann sitzen wir darin zehn Jahre – oder auf ewig.

DAZ: Herr Englet, vielen Dank für das Gespräch.

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Das Interview führte Siegfried Zagler.