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Dienstag, 03.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Lob der Intoleranz

Stadtbücherei: Henryk M. Broder stellt sein neues Buch vor

„Bei der Lektüre diese Buches könnte der Eindruck entstehen, dass ich kein Anhänger der reinen Toleranz, sondern eher sogar bereit bin, der gezielten Intoleranz das Wort zu reden. Der Eindruck ist richtig.“ Wer so spricht, der kann erstens gut mit Sprache umgehen – und zweitens ist er auf Provokation aus. Der so spricht, ist der Journalist und Publizist Henryk M. Broder, und mit „diesem Buch“ meint er natürlich sein eigenes. Es heißt „Kritik der reinen Toleranz“, und Broder stellt es am kommenden Dienstag in der Neuen Stadtbücherei Augsburg vor.

Henryk M. Broder

Henryk M. Broder


Nach Broders provokativer These wird Intoleranz derzeit zur Pflicht und Tugend: Intoleranz gegenüber dem wohlfeilen Gutmenschentum, gegenüber totalitären Utopien – gegenüber Menschen und Kulturen, die ihrerseits nichts von Toleranz halten. „Ich halte Toleranz für keine Tugend, sondern für eine Schwäche – und Intoleranz für ein Gebot der Stunde“ – so Broder. Der 1946 in Kattowitz geborene Autor schreibt unter anderem für den „Spiegel“ und die „Weltwoche“, ist Mitherausgeber des „Jüdischen Kalenders“ und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht. Zuletzt erschien 2006 sein Bestseller „Hurra, wir kapitulieren. Von der Lust am Einknicken.“ Man darf sich also auf einen spannenden Abend in der Stadtbücherei gefasst machen – und nicht unbedingt auf einen friedlichen: Broder ist ebenso bekannt für eher ätzende Kritik an seinen Kritikern wie für seine Suche nach dem Kontroversen und seinen Hang, die Dinge stets gegen den Strich zu bürsten. Mit diesem Konzept hat er sich nicht nur Freunde gemacht, doch das war auch nie sein Ziel. Broders kämpferisches Naturell fordert Streit und Auseinandersetzung, und deshalb ist ihm die so genannte Toleranz immer dann ein Ekel, wenn sich hinter ihr Feigheit und Ignoranz verstecken. Die Lesung von Henry M. beginnt am 15. Juni um 19.30 Uhr.