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Donnerstag, 28.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Der Literaturnobelpreis für Bob Dylan war längst überfällig

Dass Bob Dylan gestern von der Schwedischen Akademie den Literaturnobelpreis zugesprochen bekam, sorgte natürlich für kontroverse Debatten in den Feuilletons. Am rasantesten reagierte dabei der Literaturwissenschaftler Klaus Kastberger in der Zeit. Nach dieser Entscheidung sei alles möglich, auch das Ende der Literatur. Auch die DAZ wollte in diese Kerbe schlagen, doch dann stoppte Udo Legner das Unterfangen mit seiner sehr persönlichen Liebeserklärung an Bob Dylan, der nun mit seinen lyrics zu den Heroen der Weltliteratur zu gehören scheint.

“In the final end he won the war / After losing every battle” – (Bob Dylan “Blood On The Tracks”). Wer das Glück hat, am gleichen Tag wie Bob Dylan Geburtstag zu haben, dem war es wohl in die Wiege gelegt, zum Fan und Follower dieses Sängers und Poeten des anderen Amerikas zu werden. Entsprechend groß war meine Freude über die Entscheidung der Schwedischen Akademie. Dass Bob Dylan den Nobelpreis verdient, steht außer Frage – er war längst überfällig!

Von Udo Legner

Together through Life

Wie mir geht es wohl Abertausenden in die Jahre gekommenen Bob Dylan Fans. Als Stimme seiner Generation und als Sprachrohr der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung schrieb der Liedermacher aus Minnesota den Soundtrack unserer Jugend. „Blowin‘ in the Wind“, „The Times They Are A‘ Changin‘, „Masters of War“, „Mr Tambourine Man“ sind neben den Beatles-Songs Ohrwürmer für die Ewigkeit. Doch dabei blieb es nicht und gerade das ist das Alleinstellungsmerkmal des amerikanischen Troubadours. Durch seine Kreativität und Originalität verschaffte er sich – anders als Phil Ochs, Donovan, Joan Baez oder Melanie – auch in den folgenden fünf Jahrzehnten Gehör und schaffte es so, uns bis auf den heutigen Tag auf seine Never Ending Tour mitzunehmen.

Don’t look back

Auch wenn ich dem 54er WM Jahrgang angehörte –  für die  bahnbrechenden Bob Dylan  Alben war ich viel zu spät dran. Jethro Tull und Ten Years After hatte ich von Anfang an mitbekommen – das waren die ersten Platten auf unserem Dual Plattenspieler, noch bevor sich alles um Bob Dylan drehte.  Doch für die Meisterwerke des Song and Danceman Bob Dylan, „Subterranean Homesick Blues“, „Highway 61 Revisited“, „Blonde on Blonde“ war es mindestens fünf Jahre zu spät; schrieb er mit diesen doch schon Mitte der 60er Jahre Rockgeschichte. Erst Ende der 60er Jahre stolperte ich als 14jähriger Gymnasiast über Bob Dylan, genauer gesagt über den Text von „Blowin‘ in the Wind“. In einem Artikel über den Krieg in Vietnam war dieser Song in unserer Schülerzeitung abgedruckt. Ich war sofort hin und weg von der Kraft dieser Zeilen und wie das 1968 erschienene Kursbuch “Revolution in Lateinamerika” prägte Bob Dylan meine politische Haltung, war mir Kompass und Korrektiv noch lange über Schulzeit und Studium hinaus.