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Montag, 26.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Leiharbeiter leiden daran, dass sie “Arbeitnehmer zweiter Klasse sind”

Die Linke Bezirkstagsabgeordnete Ingeborg Vollmar bezeichnete in ihrer gestrigen Presseerklärung den Sachverhalt, dass in den Bezirkseinrichtungen und dem Fischereihof in Salgen keine Leiharbeiter eingesetzt sind, als anerkennenswert.

Ingeborg Vollmar

Ingeborg Vollmar


Vollmar stellte Anfang Juni an den Bezirkstagspräsidenten Jürgen Reichert eine Anfrage, in der sie wissen wollte, ob in schwäbischen Bezirkseinrichtungen Leiharbeiter beschäftigt sind. Die letzte „negative“ Rückmeldung kam am vergangenen Freitag von Thomas Düll, dem Vorstandsvorsitzenden der Bezirkskliniken in Schwaben. Der Anlass für Vollmars Nachfrage war eine breit angelegte Studie der Techniker-Krankenkasse. 38.000 Leiharbeiter wurden zu ihrer gesundheitlichen Situation befragt. Die Auswertung brachte aussagekräftige Daten an die Öffentlichkeit: Im Vergleich mit Festangestellten leiden die Leiharbeiter zu 60% mehr an Muskelskeletterkrankungen und zu 64% mehr an Verletzungen. Außerdem förderte die Kassenstudie zutage, dass unter den Leiharbeitern 23% mehr Atemwegserkrankungen als unter den Festangestellten zu verzeichnen sind.

“Die Kosten werden auf die Allgemeinheit der Beitragszahler abgewälzt”

„All diese Kosten der Kassen werden auf die Allgemeinheit der Beitragszahler abgewälzt, um die Profite der Firmen zu steigern“, so die Linke Bezirkstagsabgeordnete, die die dramatischen Zahlen in erster Linie mit den schwereren und unangenehmeren Arbeitsprozessen, für die Leiharbeiter „eingestellt“ werden, erklärt. Zusätzlich spielen nach Vollmars Auffassung psychosomatische Prozesse eine Rolle. „Das geschwächte Selbstwertgefühl, dadurch dass man Arbeitnehmer 2. Klasse ist, tut ein Übriges.“

Aufgrund ihrer Schlussfolgerungen lobte die Linke den Bezirk für seine Personalpolitik: „Ich finde die Entscheidung des Bezirks Schwaben, keine Leiharbeiter zu beschäftigen, anerkennenswert und würde mich, gesetzt der Fall daran ändert sich etwas, gezielt entsprechend einsetzen.“