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Dienstag, 27.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Leichen im Keller Dänemarks

Premiere im Großen Haus: fesselnder Hamlet auf abschüssiger Bühne

Sein oder Nichtsein – Hamlet (Thark Bernau) räsoniert über Yoricks Schädel und über Fische, die Würmer fressen, die zuvor an toten Königen knabberten (Foto: Nik Schölzel).

Sein oder Nichtsein – Hamlet (Thark Bernau) räsoniert über Yoricks Schädel und über Fische, die Würmer fressen, die zuvor an toten Königen knabberten (Foto: Nik Schölzel).


Es war Markus Trabuschs letzte große Arbeit als Schauspieldirektor am Theater Augsburg – und er hat sich mit einer Inszenierung verabschiedet, die man im Gedächtnis behalten wird: William Shakespeares „Hamlet“ dauerte, um die Hälfte gekürzt, noch immer drei Stunden und fesselte trotzdem dank vieler gelungener Zutaten. Das ist zuallererst, logisch, dem Text des großen Engländers zu verdanken, der immer noch von Kraft, Weisheit, Witz und Originalität strotzt. Nicht weniger dem bis in die Nebenrollen nachdrücklich agierenden Augsburger Ensemble – allen voran Tjark Bernau als Hamlet. Dann Adrian Siebers Gitarre, die das gespenstische Geschehen dunkel grundierte. An erster Stelle aber muss man zwei Elemente nennen: Zum einen Trabuschs Regie, die dem Text durch sprachlichen Feinschliff, durch Ironie hier und Sarkasmus da, gegenwärtiges Leben einhauchte und Shakespeares Figuren zeitlos hautnah erfühlbar machte. Zum anderen Ines Nadlers Bühne: Auf einer schräg geneigten, kreisenden Scheibe entwickelte das Geschehen wachsende Fliehkraft nach unten, bis sich allmählich – „etwas ist faul im Staate Dänemarks“ – im Keller die Leichen stapelten. Viel Applaus für alle Beteiligten. In der DAZ morgen mehr zur Hamlet-Premiere.