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Samstag, 23.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Lange Brechtnacht: Kurzweilige Lesch-Stunde auf hartem Fußboden

„Ändere die Welt, sie braucht es“ – Dieser Spruch aus Brechts “Maßnahme” und zugleich  Motto des aktuellen Brechtfestivals scheint auch das Motto von Sarah Lesch zu sein. Die Dreißigjährige stellte am Samstag im Augsburger Rathaus Songs ihrer beiden Alben „Lieder aus der schmutzigen Küche“ sowie „Von Musen und Matrosen“ im Rahmen der Langen Brechtnacht vor.

Von Dr. Sabine Eisenreich

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Sarah Lesch im Rathaus (c) Nina Hortig


Unterstützt wurde sie dabei von dem Augsburger Benni Benson. Rund 200 Zuhörer ließen sich ein auf ihre Ideen von selbstloser Liebe, wahren Wünschen und echtem Glück, aber auch von Heuchelei, Gedankenlosigkeit und Ignoranz, von Langeweile, Streit und Scheitern. Man nimmt ihr die Botschaft ab, die sie verkündet, denn in Nebensätzen tauchen Erfahrungen auf, über die man länger nachdenken könnte. „Jeder erfüllte Wunsch ist dann auch zu Ende“; und darum, so Sarah Lesch, könne sie „jeden Morgen beim Toastbrot neu überlegen“, was sie machen solle. Das Wichtigste sei, singt sie, dass man stets „Fuß vor Fuß“ setze und seinen eigenen Weg gehe.

Etwas „too much“ war die präsentierte Lebenserfahrung für eine Dreißigjährige, „too much“ die Jugendsprache für den Inhalt der Songs, „too much“ Groupie-Stimmung für Gitarre, Mundharmonika sowie Ukulele mit Gesang und „too much“ Stimmengewalt für eine so zierliche Frau. Viel zu beanstanden gab es also nicht wirklich. Die Texte waren lyrisch und die Botschaft ganz klar. Nicht umsonst ist Sarah Lesch Preisträgerin des Troubadour Chansonpreises, des FM4 Protestsongcontests, des Preises der Hanns-Seidel-Stiftung sowie des Udo-Lindenberg-Hermann-Hesse-Panikpreises 2016.

Und natürlich steht die Frage im Raum, ob es sinnvoll ist, Sarah Lesch im Rahmen eine Brechtfestivals auftreten zu lassen. Diese Frage hat sich die ambitionierte Lyrikerin – als solche hat sie sich wirklich präsentiert – wohl selbst gestellt, denn sie erzählte, dass sie als Jugendliche einen Gedichtband Brechts bekommen und beim Lesen festgestellt habe, dass das Porno sei – „nur in Kunst“. Fazit einer unvoreingenommenen Zuhörerin: Eine kurzweilige Stunde auf einem äußerst harten Fußboden.