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Samstag, 31.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

La folle journee: Philharmoniker feiern ihr Jubiläum mit ihren Freunden und ihrem Publikum

1865 wurden die Augsburger Philharmoniker als städtisches Orchester für den Einsatz im Theater gegründet. Mit einem Tag der offenen Tür im Kongress am Park leiteten sie nun die Feier ihres 150jährigen Bestehens ein.

Von Halrun Reinholz

Fast unbemerkt verlief die Werbung für das Ganztagsprogramm des Orchesters im Kongress am Park, dennoch fanden sich zahlreiche Fans und Freunde ein, die mit den Philharmonikern das eine oder andere gemeinsame Konzerterlebnis verbindet. Gerade an diesem Ort, der nun neu sanierten Kongresshalle, wo das Augsburger Konzertpublikum sich gewohnheitsmäßig allmonatlich an zwei Abenden einfindet. Die große Halle bei den Abonnementkonzerten nicht selten ausverkauft.

An diesem Sonntag gab das Orchester sich volksnah und zeigte auch ungewöhnliche Facetten. So konnten die Besucher zwar durchaus Instrumente kennenlernen und ausprobieren, aber auch ein „Federball-Date“ mit Orchestermusikern stand auf dem Programm oder eine Scrabble-Partie mit der Deutschen Meisterin Ulla Trapp. Domonkos Héja, der neue GMD der kommenden Spielzeit stellte sich einem Gespräch mit dem Publikum, der Orchestervorstand wurde in den Fokus geholt und drei junge Geigerinnen des Orchesters mit ausländischen Wurzeln sprachen über ihre Erfahrungen in Deutschland und mit Deutschen. Bei einer Versteigerung konnte man Dinge aus dem Fundus und andere Kultstücke erwerben. Ach ja, und dann gab es natürlich noch jede Menge Musik. Höhepunkt war (nach einer öffentlichen Generalprobe am frühen Nachmittag) ein großes Konzert um 18 Uhr, wo die Philharmoniker mit „Freunden“ auftraten und verschiedene Gäste ans Dirigentenpult holten.

Zu den ältesten Freunden gehört zweifellos der Philharmonische Chor. Dieser hat noch mehr Jahre auf dem Buckel wie das Orchester, zumindest die „Augsburger Liedertafel“ (gegründet 1843) und der Oratorienverein (1867), aus deren Fusion der heutige Phil-Chor hervorgeht. Der Laienchor mit hohem musikalischen Niveau singt jede Spielzeit mindestens eine Produktion gemeinsam mit den Augsburger Philharmonikern, oft unterstützt und verstärkt er auch den Opernchor. Zum Jubiläum gab es Auszüge aus Haydns Schöpfung und aus Mendelssohn-Bartholdys Walpurgisnacht. Chorleiter Wolfgang Reß dirigierte dafür auch das Orchester, die Solopartie bestritt der Tenor Christopher Busietta. Mit dem zweiten Programmpunkt würdigte das Orchester den musikalischen Nachwuchs der Augsburger Sing- und Musikschule. „Die Mozartstädter“, wie das von Heinz Schwamm geleitete Schülerorchester sich nennt, mischten sich unter die Berufsmusiker zu einer gemeinsamen Hommage an Bedrich Smetana und seiner „Moldau“. Dirigent war hier Lancelot Fuhry, der kommissarische GMD. Bei den nun folgenden zwei Sätzen aus Dvoraks 8. Sinfonie saßen Amateurmusiker zwischen den Berufskollegen des Orchesters. Rudolf Piehlmayer, vielen Augsburgern noch als (damals nicht unumstrittener) Augsburger GMD in Erinnerung, dirigierte mit Temperament und Verve. Zum Abschluss war die Orchesterbesetzung wieder klassisch und ohne Gäste, nur am Pult stand ein alter Bekannter: Anthony Bramall, ehemals Kapellmeister unter dem GMD Bruno Weill. Mit der Orchestersuite Don Juan von Richard Strauss wurde das heftig applaudierende Publikum verabschiedet.

Neben dieser klassischen Linie zeigten Orchestermitglieder noch ganz andere Seiten ihres Repertoirs. Ob Kaffeehausmusik, Bayerische Wirtshausmusik, Swing oder Blues – Musik ist eine Universalsprache, die alle Facetten des Lebens begleitet. Deshalb ist ein Berufsorchester ein Kristallisationspunkt in der Stadt, wo Netzwerke geknüpft und Wechselwirkungen (mit „Freunden“) ermöglicht werden. Nicht umsonst wird das Orchester als vierte (sehr eigenständige) Sparte des Theaters angesehen.

Die Jubiläumsfeiern haben mit diesem Tag der offenen Tür aber erst begonnen. Das erste Konzert der neuen Spielzeit wird unter der Leitung des neuen GMD und dem Motto „Fest-Spiel“ neben Beethoven und Bruckner auch eine Auftragskomposition zum Jubiläum von Hans-Jürgen von Bose präsentieren. Im letzten Konzert der nächsten Saison wird dann die Uraufführung eines weiteren Stückes stattfinden, das den Kompositionswettbewerb zum 150. Orchesterjubiläum gewinnt. Dazwischen wird das Orchester in dieser Jubiläumssaison sicher noch mit weiteren Überraschungen aufwarten.