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Donnerstag, 09.06.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Ku.spo: Neuer Anlauf mit Spin-Doctor

In der Sitzung des Kulturausschusses am vergangenen Montag wurde von Klaus Müller, Chef der Eventmarketing-Agentur „eest!“, das neue ku.spo-Konzept für 2010 vorgestellt.

Von Siegfried Zagler



Müllers Mission, eine „zum Teil verbrannte Marke“ (Andreas Jäckel, CSU) zu einem respektablen Projekt zu formen, scheint in der aktuellen Situation der Stadt auch einem Marketingprofi nicht leicht von der Hand zu gehen. Müller kolportierte seinen Job mit einem Zitat aus der Kulturszene, er hätte die Aufgabe, „eine moorige Leiche aus dem Keller zur Jungfrau hoch zu küssen“. Der Diskussionsverlauf im Kulturausschuss ließ ahnen, dass Müller mit dieser Einschätzung nicht weit daneben lag. Christa Stephan (SPD) merkte nach Müllers Vortrag an, dass ku.spo nicht nur von städtischen Geldern, sondern auch vom Sponsoring lebe und genau dieses Geld eben woanders nicht gesponsert werde. Man solle die ku.spo-Mittel besser für das Mozartfest 2011 verwenden.

„Sehr geschickt gemacht“

Verena von Mutius (Grüne) vermisste die Zahlen, also die Kosten der geplanten Einzelprojekte und der Fraktionschef der CSU, Bernd Kränzle, mahnte die integrative Kraft des Sports an, die in diesem Projekt nicht vorkomme, und goutierte somit eine Position der Grünen, die sich in der politischen Diskussion um ku.spo 2009 dahingehend äußerten, dass die ku.spo-Gelder bei sportiven Integrationsprojekten besser aufgehoben wären. „Integration gehört rein“, so Kränzle, der sich am Montag zum wiederholten Male dafür einsetzte, dass die Universität eingebunden werden müsse. Dr. Helmut Altenberger, Direktor des Instituts für Sportwissenschaft an der Universität Augsburg, solle das Projekt begleiten. Der positive Unterschied zum letzten Jahr bestehe nun darin, dass sich eine größere Gruppe von Vereinen bereit erklärt hat mitzuwirken. Insgesamt stellte Kränzle dem neuen ku.spo-Konzept mit neuem Logo ein ambivalentes Zeugnis aus: „Sehr geschickt gemacht.“

Ku.spo 2010 hat eine nachvollziehbare Form angenommen

Klaus Müller äußerte sich während seines Vortrags zwischendurch „privat als Bürger“. Das Projekt gehöre, so Müller, aus der politischen Szene herausgehalten. Im Kulturausschuss war niemand von der Opposition aufgeweckt genug, um Müller darauf hinzuweisen, dass er diesen Auftrag nicht bekommen hätte, wäre ku.spo letztes Jahr aus der Politik herausgehalten worden. Karin Schubert, Projektleiterin 2009, fürchtete damals um ihren guten Ruf und gab auf. Schuberts resignierende Einsicht, dass das zersauste Projekt nicht mehr zu retten sei und weiterhin vehement von der Opposition unter Beschuss genommen werde, führte dazu, dass sie ihr Engagement bei der Stadt nicht mehr verlängerte. Klaus Müller sieht das optimistischer, für ihn ist ku.spo in erster Linie ein Vermittlungs- und Vernetzungsthema. Er sieht anhand seiner Recherche über seine Netzwerke durchaus Akzeptanz und Bedarf für das Projekt, das in seiner Hand eine offene Struktur bekommen soll.

Ku.spo kostet zirka 150.000 Euro, ungefähr die Hälfte davon soll von den Stadttöchtern (Stadtsparkasse und Stadtwerken) über „verdeckte“ Gewinnausschüttungen „gesponsert“ werden. Ku.spo 2010 hat eine nachvollziehbare Form angenommen und ist somit mehr als die beliebige Eventstaffel vom Vorjahr, die noch von Iris Steiner, Karin Schubert, Robert Zenner und Peter Grab zusammengerührt wurde. Durch die eest-Bearbeitung ist aus ku.spo ein stringentes Projektkonzept mit inhaltlicher Aufwertung geworden. Die Philosophie ist die gleiche geblieben. Spin-Doctor Klaus Müller wird mit intensiver Netzwerksarbeit versuchen der „moorigen Leiche“ aus dem Hause Grab in die Schuhe zu helfen. Einen Tag nach seinem Bericht, den der Kulturausschuss „verlässlich erregbar“ (Rolf Harzmann, Pro Augsburg) zur Kenntnis nahm, stellte sich eest-Chef Müller den Fragen der DAZ.

» „Der eigentliche Erfinder von ku.spo ist wohl Bertolt Brecht“

– Klaus Müller im Interview


» Projekt-Konzept für kultur&sport 2010 (pdf, 256 kB)