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Freitag, 08.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Kunstsammlungen: Was es zu sehen gibt

Rückschau und Ausblick bei den Augsburger Museen.

Von Halrun Reinholz

Und es ward Licht

Und es ward Licht: Publikumsmagnet Paul Klee


Zum ersten Mal war Thomas Weitzel als Kulturreferent bei der Jahrespressekonferenz der Kunstsammlungen dabei. Er sei, bekannte er, „erschrocken“, als er sich den Stellenplan der städtischen Museen mal bewusst angeschaut habe. Dass mit dieser mageren Besetzung (quasi ein einziger fester Wissenschaftler pro Haus) dennoch Beachtliches auf die Beine gestellt werden konnte, spricht für das Team und seinen Leiter Christof Trepesch. Fast 300.000 Besucher kamen 2014 in die verschiedenen Museen der Kunstsammlungen, etliche (vor allem Kinder und Jugendliche) besuchten die 1600 angebotenen Führungen. Publikumsmagnete sind in Museen vor allem die Großprojekte, das waren im vergangenen Jahr vor allem die Ausstellungen zu Paul Klee im Glaspalast, zum Pommerschen Kunstschrank im Maximilianmuseum und die Installationen von Jaume Plensa an drei verschiedenen Orten (Schaezlerpalais, H2, Gaskessel). Vor allem diese Projekte werden immer auch von Sponsoren unterstützt und wären ohne deren Hilfe nicht möglich. Immerhin können die Kunstsammlungen für das letzte Jahr 21 Ausstellungen bilanzieren, für sieben davon sind mit finanzieller Unterstützung von Sponsoren Kataloge erstellt worden, die die Nachhaltigkeit der Schau garantieren.

Besonders stolz ist man auf die mehrfach verlängerte Schau der Plensa-Installationen (spektakulärstes Exponat war das überdimensionale „Herz“ mit Geräuschkulisse im Gaskessel Oberhausen) und den umfangreichen Plensa-Katalog, der mehrfach ins Ausland verkauft wurde. Positiv in der Besucherbilanz machte sich auch die Schau des Pommerschen Kunstschranks bemerkbar: Mit viel Geschick und Diplomatie hatte Christoph Emmendörfer, Leiter des Maximiliansmuseums, die eigentlich nicht verleihbaren Exponate des Berliner Kunstgewerbemuseums an ihren Ursprungsort Augsburg geholt, was von Besuchern auch über die Region hinaus dankbar honoriert wurde. Nicht zuletzt auch wegen des qualifizierten pädagogischen Rahmenprogramms, das alle Projekte der Kunstsammlungen auszeichnet. Manuela Wagner, Leiterin der Museumspädagogik, kann da auch auf viel ehrenamtliches Engagement zählen, betonte jedoch, dass dies kein Ersatz für die professionelle Arbeit von Museumsführerinnen und –führern sein dürfe. So hangeln sich die Kunstsammlungen mit Hilfe von Werkverträgen, Freiberuflern und Aushilfskräften von Projekt zu Projekt, ohne insgesamt jedoch in großes Gejammer zu verfallen. Nicht einmal angesichts der desastruösen Situation des Römischen Museums, das seit über zwei Jahren geschlossen und dessen Zukunft nach wie vor unklar ist. Manfred Hahn, der es derzeit kommissarisch leitet, stellt die Interimsschau in der Toskanischen Säulenhalle im Sommer 2015 in Aussicht, rechnet dann jedoch mit einem längeren Provisorium.

Deshalb sind auch innerhalb der geplanten Sonderschau Flächen für aktuelle Aspekte vorgesehen – zum Beispiel, um Funde aktueller Ausgrabungen zu zeigen. Denn die, das bestätigt der Leiter der Stadtarchäologie Sebastian Gairhos, sind noch lange nicht ausgeschöpft. An mehreren Stellen im Stadtgebiet sind die Archäologen derzeit aktiv und konnten im letzten Jahr durchaus auch spektakuläre Funde vorweisen. Eine große Erleichterung ihrer Arbeit soll künftig das neue Zentraldepot der Stadtarchäologie im Textilviertel bieten – doch das wird noch einige Jahre dauern.

2015 gibt es keine große Sensationen

Für 2015 planen die Städtischen Kunstsammlungen nichts Sensationelles, aber in allen Häusern sehenswerte Schauen, insgesamt immerhin 21 Ausstellungen. Fortgesetzt wird im Maximilianmuseum zum Beispiel das Projekt „Wunderkammer“ mit Exponaten aus dem Fundus, die sonst unsichtbar bleiben, 2015 heißt das Motto: „Reichsstädtische Erinnerungen“. Eine Ausstellung von Propaganda-Medaillen hält die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg wach. Im Grafischen Kabinett würdigt man das Lutherjahr 2015 mit „Augsburger Friedensgemälden“. Das Schaezlerpalais widmet dem aus Augsburg stammenden kaiserlichen Hofmaler Joseph Heintz eine Ausstellung. Die Große Schwäbische Kunstausstellung wandert 2015 in den Glaspalast. Erst 2016 wird es wieder ein großes Ausstellungsprojekt zur „klassischen Moderne“ geben, Details wollte Dr. Trepesch aber noch nicht nennen.

TIM: Erfolgsbilanz zum 5. Geburtstag

Textilmuseum: 100.000 Besucher im Jahr

Textilmuseum: 100.000 Besucher im Jahr


Das staatliche Textil- und Industriemuseum ist nun auch schon seit fünf Jahren ein fester Teil der Augsburger Museumslandschaft und kann in dieser Zeit mehr als eine halbe Million Besucher vorweisen. Das Mitmachkonzept zur Geschichte der Augsburger Textilindustrie mit Vorführung echter Maschinen kommt an und zieht besonders Schulklassen in die ehemalige Kammgarnspinnerei an textilhistorischem Ort. Populäre Ausstellungen ziehen aber auch immer wieder Erwachsene an – zum Beispiel die Schau zum Thema Bayern-Italien oder die Ausstellung zur Strumpfmode, die 2014 zu sehen war. Museumsleiter Karl Borromäus Murr zeigt sich sehr zufrieden mit der Bilanz des Museums und sieht das Konzept des Mitmachens und der Integration in die Stadtgesellschaft bestätigt. Konkret verweist er darauf, dass bei den 13000 Maschinenvorführungen bisher 25000 Quadratmeter Gewebe produziert worden sind, die Tücher finden im Shop des Textilmuseums guten Absatz. Vernetzt ist das Museum außer mit Modemachern und bildenden Künstlern auch mit Kulturinstitutionen wie dem Theater, das in der Spielzeit ohne Komödie im tim zu Gast war, und mit Musikschaffenden, die die CD „Spinning Wheel“ produziert hat. Für 2015 ist auch im Textilmuseum allerdings keine spektakuläre Schau geplant. Größere Projekte sind eine Quilt-Ausstellung und eine Hommage an Sonja DeLennart, die Erfinderin der Capri-Hose.

Mozart, Brecht und weitere Museen

...und die Darstellung der Lebenswirklichkeit wirkt "etwas bemüht"

Erlebnismuseum im Wieselhaus


Neu in der Museumslandschaft ist das Fugger-Welser-Erlebnismuseum im historischen Wiesel-Haus, das derzeit von den Besuchern intensiv getestet wird. Das Konzept eines anschaulichen, interaktiven, hoch technisierten „Geschichtsunterrichts“ findet offenbar Anklang beim Publikum. Träger ist die Regio Augsburg, die gemeinsam mit der Stadt auch für die beiden Gedenkstätten Mozarthaus und Brechthaus verantwortlich zeichnet. Für das Brechthaus fehlt derzeit noch ein schlüssiges Konzept, das die Literatur mehr in den Vordergrund rückt als das häusliche Mobiliar der Familie Brecht, etwa auch in Richtung Literaturhaus. Auch im Mozarthaus bemüht man sich, durch Veranstaltungen (hauptsächlich Konzerte, steht doch da glücklicherweise ein historisches Hammerklavier) den musealen Charakter etwas aufzulockern.

Ein Schattendasein im wahrsten Sinne des Wortes fristet derzeit das städtische Naturmuseum mit dem angeschlossenen Sparkassen-Planetariumin in den verwaisten Augusta-Arcaden. Beide haben sich abseits der Lauflage vor allem durch Familien- und Schülerprogramme im Bewusstsein der Öffentlichkeit erhalten. Weil die Passage nun umgebaut wird, bleiben die beiden Museen ab 16. Februar bis voraussichtlich zum 17. April komplett geschlossen.

Das Turiner Grabtuch als Thema im Diözesanmuseum

Auch etwas  abseits des öffentlichen Bewusstseins liegt das Diözesanmuseum des Bistums Augsburg neben dem Dom. Die kleine, aber feine Sammlung enthält unter anderem das Bronzeportal des Doms aus dem 11. Jahrhundert, ein Meisterwerk mittelalterlicher Bronzeplastik. Ein archäologisches Fenster zeigt Reste von Dombauten aus dem 9.-11. Jahrhundert. Mit Hilfe von Ausstellungen versucht das Diözesanmuseum, mehr Besucher zu erreichen. Im März und April 2015 etwa wird eine von den Maltesern konzipierte Ausstellung zum Thema „Turiner Grabtuch“ rund um eine Kopie des Turiner Grabtuchs in Originalgröße zu sehen sein.