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Dienstag, 03.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Kunstsammlungen erwerben 400 Jahre alte Augsburger Goldschmiedearbeit

Ab sofort ist im Maximilianmuseum eine außergewöhnliche Goldschmiedearbeit zu bewundern: ein seltenes, silbernes Weihrauchschiffchen, das von einem Augsburger Goldschmied für den Habsburger Erzherzog und späteren Kaiser Mathias I. (1557-1619) angefertigt wurde.

Weihrauchschiffchen, Silber, 686 Gramm, Länge 23 cm

Weihrauchschiffchen aus Silber; Gewicht 686 Gramm, Länge 23 cm


Bei dem silbernen Weihrauchschiffchen, das als Behälter für die bei der Messe benötigten Weihrauchkörner diente, handelt es sich um eines der frühesten Beispiele seiner Art aus Augsburger Herstellung. Die meisten heute erhaltenen Weihrauchschiffchen stammen aus dem 18. Jahrhundert. Insofern ist dieses Exemplar aus der Zeit um 1600 eine große Seltenheit. Das Maximilianmuseum hat in seiner Sammlung bislang kein Beispiel dieser Gattung. Schließlich macht die Tatsache, dass es sich hier um einen bislang unbekannten und noch nicht identifizierten Augsburger Goldschmied handelt, das Weihrauchschiffchen auch für die Forschung zu den Augsburger Goldschmiedemarken besonders wertvoll.

OB Dr. Gribl erläuterte die Gründe, die zum Erwerb geführt haben: Museen seien lebende Stätten, die man ständig ergänzen müsse, um ihre Attraktivität zu erhalten. Die Augsburger Gold- und Silberschmiedekunst genieße Weltrang, wie schon die Ausstellung “Zarensilber” gezeigt habe. Die Gelegenheit, eine in Augsburg gefertigte Arbeit erwerben zu können, habe man sich nicht entgehen lassen können. Im Rahmen eines zeitaufwändigen Haushaltsverfahrens wäre der Erwerb allerdings niemals möglich gewesen, deshalb sei er froh, mit dem städtisch verwalteten Prinz-Fonds ein “Hintertürchen” für schnelles Handeln offen gehabt zu haben.

Museumsleiter Dr. Christoph Emmendörffer, Dr. Kurt Gribl (v.l.)

Dr. Christoph Emmendörffer (links), OB Dr. Kurt Gribl


Bemerkenswert ist nicht nur das silberne Kleinod selbst, sondern auch der Weg, auf dem es in das Augsburger Maximilianmuseum gelangt ist. Stücke dieser Art tauchen unvermutet auf Auktionen auf, oft ohne dass der Eigentümer in Erscheinung tritt. Auf solchen Auktionen sind die Kunsthändler meist unter sich. Seinen guten Beziehungen zum Londoner Kunsthandel war es zu verdanken, dass Dr. Christoph Emmendörffer, Leiter des Maximilianmuseums, einen Tipp bekam und der Londoner Kunsthändler die außergewöhnliche Goldschmiedearbeit für ein paar Tage reservierte, bevor auf der damals anstehenden Münchener Kunstmesse die Konkurrenz in Form von zahlreichen europäischen Museen und amerikanischen Privatsammlern aufmerksam werden konnte. Dann ging alles blitzschnell: Emmendörffer informierte mit Herrn Schönberger einen rührigen, mit der Verwaltung des Prinz-Fonds betrauten städtischen Mitarbeiter. Dieser konnte seinen Chef, Baureferent Gerd Merkle, von der Einmaligkeit der Gelegenheit überzeugen. Merkle wiederum wandte sich an OB Dr. Kurt Gribl, der sofort grünes Licht gab. Zwei Wochen später war der Handel über die Bühne und das Maximilianmuseum Eigentümer des kostbaren Kleinods. Über den Preis wird vornehm geschwiegen. Eine hohe fünfstellige Summe soll es gewesen sein. Das Drei- bis Vierfache hätte jedoch bezahlt werden müssen, wenn das Kunstobjekt erst einmal auf dem Markt gewesen wäre, so Schönberger, ein für die Stadt unerschwinglicher Betrag.

Hintergrund: Der Prinz-Fonds

Der Prinz-Fonds geht auf Friedrich Prinz (1840-1914) zurück, der über 30 Jahre die Augsburger Kammgarnspinnerei leitete. Seine Stiftung, für die Prinz die Stadt Augsburg als Verwalterin einsetzte, war von ihm bestimmt “zur Herstellung von Anlagen und Bauwerken edelsten Stils, die zur Zierde der Stadt oder zur Annehmlichkeit ihrer Bewohner dienen und dabei alle Gesellschaftsklassen berücksichtigt.” Einen Teil der Vermögenserträge des Prinz-Fonds nutzt die Stadt Augsburg zur Auslobung des “Augsburger Fassadenpreises”. Bereits in früherer Zeit erfolgten gelegentlich auch Ankäufe bedeutender Kunstwerke für die Städtischen Kunstsammlungen.