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Montag, 29.11.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Kreativität braucht Freiräume

Die Grüne Stadtratsfraktion stellte am 29. Oktober im Glaspalast die Idee der „Kreativen Stadt“ vor und diskutierte mit Interessierten aus Wirtschaft, Verwaltung, Kirchen, Gewerkschaften, Migrationsorganisationen und Bürgervereinigungen.

Im ersten Teil der Veranstaltung erläuterten Senator a. D. Dr. Willfried Maier aus Hamburg und die Grüne Bundesvorsitzende Claudia Roth die Idee: eine „Kreative Stadt“ zeichnet sich durch ein urbanes Lebensklima, gute Infrastruktur für technologische Entwicklung und Offenheit für die unterschiedlichen Talente aus. Wichtig seien „kulturelle Brutstätten“ als innovativer Rahmen, in dem sich Kreative aus allen Bereichen entfalten können. In Augsburg könne z.B. der Kulturpark West oder der Bahnpark als solche gelten. Wichtig sei weiter die Vernetzung von verschiedenen gesellschaftlichen und kulturellen Einrichtungen. Claudia Roth legte Wert darauf, dass das Ziel einer „Kreativen Stadt“ nur dann erreicht werden könne, wenn alle mitgenommen werden. Gerade für benachteiligte Gruppen müssten besondere Angebote entwickelt werden, damit diese ihre kreativen Potentiale in die Gesellschaft einbringen könnten. Als Beispiel nannte sie die aktuelle Entwicklung in der einst berüchtigten Rütli-Schule in Berlin. Kreativität könne auch ein wesentlicher Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung sein. In vielen kleinen innovativen Unternehmen würden kreative Ideen wirtschaftlich umgesetzt.

"Kulturelle Brutstätte": Veranstaltungsraum H2 im Glaspalast

"Kulturelle Brutstätte": Veranstaltungsraum H2 im Glaspalast


Symbolträchtig war auch der Veranstaltungsort Glaspalast, ehemals Industrieruine, jetzt ein kulturelles Zentrum. Professor Dr. Karl Ganser, Stadtplaner im Ruhestand und Kämpfer für den Erhalt von Industriedenkmälern, sieht Industriekultur deshalb als ein besonders attraktives Element von kreativen Städten, weil es dort immer Räume gibt, „in denen man machen kann, was man will“. Um solche Orte würden sich dann Szenen bilden, die etwas Neues schaffen können. In Augsburg könne ein spannendes Netzwerk von Industriekultur um die Einrichtungen Gaswerk, Bahnpark, Textilmuseum und Glaspalast entstehen. Ganser betonte, dass ein Bemühen um eine kreative Stadt zwar dem Standortmarketing diene, aber nicht allein aus diesem Grund verfolgt werden dürfe: „Die Entwicklung einer Kreativen Stadt muss den Bürgerinnen und Bürgern dienen und von diesen betrieben werden und nicht deshalb, dass man eine schöne Broschüre erstellen kann.“

Strittig war die Rolle, die die Politik spielen soll. Relative Einigkeit bestand darin, dass Politik vor allem für eine offene Atmosphäre sorgen kann und soll, in der sich Neues entwickelt. Einige Teilnehmer forderten für Augsburg neue soziokulturelle Zentren, in denen die jetzt ausgeschlossenen Gruppen ihr kreatives Potential entwickeln können. Andere plädierten für eine verstärkte Anstrengung in die Bildung: Augsburg solle sich auf den Weg machen, „kreativste Bildungsstadt“ zu werden. Verena von Mutius, die kulturpolitische Sprecherin der Grünen Stadtratsfraktion betonte, dass sich Politik auf den Rahmen konzentrieren solle: „Politik darf nicht anfangen, Kreativität zu managen. Das ist nicht ihre Aufgabe.“ Der Fraktionsvorsitzende Reiner Erben und seine Stellvertreterin Eva Leipprand zeigten sich zum Abschluss sehr zufrieden mit der Diskussion. „Es ist uns als Grüne Fraktion gelungen, die unterschiedlichsten Akteure der Stadt an einen Tisch zu bringen, um über die weitere Stadtentwicklung zu diskutieren. Daraus werden sich noch viele Impulse für unsere Stadt ergeben.“