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Freitag, 03.12.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Konfuzius musikalisch – Musik von Cornelius Cardew im Goldenen Saal

Cornelius Cardew war einer der großen musikalischen Erneuerer. Ein Komponist, der das Gestalten von Musik nicht nur als künstlerische, sondern auch als soziale Aufgabe verstand. Am kommenden Sonntag, 20. November um 19.30 Uhr führen der Basilikachor St. Ulrich und Afra unter Leitung von Peter Bader und das von Andrea Huber geleitete Junge Vokalensemble Schwaben Cardews „The Great Learning, Paragraph 7“ im Goldenen Saal des Rathauses auf. Die musikalische Gesamtleitung hat der Brite John Tilbury.

Cornelius Cardew. Ein Werk des 1981 verstorbenen Komponisten wird am Sonntag im Goldenen Saal des Rathauses aufgeführt.

Cornelius Cardew. Ein Werk des 1981 verstorbenen Komponisten wird am Sonntag im Goldenen Saal des Rathauses aufgeführt.


Mit der Gründung des „London Scratch Orchestra“ begann Cornelius Cardew mit dem Experiment, Laien in seine Arbeit einzubeziehen, gab ihnen einen Platz neben professionellen Musikern und bot ihnen die einmalige Chance, sich in den musikalischen Prozess mit ihren Mitteln einzuklinken. Sein großes Werk „The Great Learning“ basiert auf Texten des alten chinesischen Weisen Konfuzius, übersetzt von dem amerikanischen Dichter Ezra Pound. Allen sieben Teilen des Werkes gemein ist die Suche nach einer gemeinsamen Harmonie der ausführenden Musiker miteinander, aber auch mit dem Zuhörer. Paragraph 7, der an diesem Abend erklingen wird, basiert auf Arbeitsanweisungen für die Interpretation des Konfuzius-Textes, die streng befolgt, jedoch ganz individuell, nach eigenen Tempo und Empfinden, vom Einzelnen gestaltet werden. Das Ergebnis ist ein einmaliger Gesamtklang, der im jeweiligen Moment entsteht und genau so nie wieder zu hören sein wird. Das Konzert am Samstag ist das dritte unter dem Titel „Klang der Stadt“ – schon seit 2009 konzipiert MEHR MUSIK! für das Festival der 1000 Töne unter diesem Titel Konzerte, die sich mit der Realität unserer Stadtgesellschaft berühren. Paragraph 7 aus „The Great Learning“ spiegelt die Wirrwarr und die Vielstimmigkeit der Sprachen in unseren Städten.

Weltweit geschätzter Komponist der Avantgarde

Cornelius Cardew studierte Klavier und Komposition in England sowie Elektronische Musik in Köln. Dort wurde er in den späten 1950ern Karlheinz Stockhausens Assistent. Als Musiker und Konzertveranstalter verantwortete er zahlreiche Uraufführungen von Pierre Boulez, John Cage, La Monte Young, Terry Riley und anderen. Zusammen mit Howard Skempton and Michael Parsons gründete er das London Scratch Orchestra, ein großes experimentelles Ensemble, das national wie international erfolgreich arbeitete. Cardew, der 1981 unter tragischen Umständen starb, war nicht nur in Großbritannien, sondern weltweit geschätzt als Komponist der Avantgarde sowie als Komponist mit zutiefst politischen Überzeugungen und gesellschaftlichem Engagement.

John Tilbury, der das Konzert am Sonntag dirigieren wird, wurde 1936 in London geboren. Er studierte Klavier als Stipendiat des Royal College of Music, später auch in Warschau, wo er mit Zygmunt Krause die Warsaw Music Workshop Group gründete. 1968 gewann er den Gaudeamus Wettbewerb für neue Musik in Holland und spezialisierte sich von da an auf zeitgenössische Musik. Zahllose internationale Auftritte mit Werken von Morton Feldman, Michael Parsons, Earle Brown, John Cage, Christian Wolff, Terry Riley, Cornelius Cardew u.a. Tilburys Ruf als Meisterpianist der improvisierten Musik ist legendär, nicht zuletzt infolge seiner Mitwirkung beim Improvisationsensembles AMM seit 1980. In den letzten Jahren tritt er auch als Schauspieler auf – zum Beispiel in Stücken von Samuel Beckett und Harold Pinter – und arbeitet als Schriftsteller. John Tilbury hat Standards gesetzt mit seinen Aufnahmen u.a. von Klavierwerken von John Cage, Howard Skempton und Morton Feldman.

Karten für das Konzert am Sonntagabend gibt es beim Theater Augsburg und an der Abendkasse zum Preis von 10 Euro, ermäßigt 8 Euro.