DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Montag, 19.02.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Meinung

Kommentar: Was ist das Ziel des Terroranschlags vom 7. Oktober? 

Kommentar von Alexander Meyer zur Debatte um die Anschläge vom 7. Oktober  

Wer die Berichterstattung zum Terror der Hamas in Israel verfolgt, dem drängt sich eine Frage auf: Welches Ziel verfolgt die Hamas eigentlich? Warum überfallen Terroristen aus dem Gaza-Streifen israelische Siedlungen und schlachten bestialisch Zivilisten ab, wohl wissend, dass eine drastische Reaktion Israels darauf unvermeidlich ist?

Was hat der Hamas-Terror mit Israel zu tun? Foto: Stadt Augsburg

 

Free Palestine“?

Glauben diejenigen, die jetzt „free Palestine“ rufen, dass der Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober ein Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen im Gaza-Streifen war? 

Die Hamas führt keinen Krieg, sie hat kein militärisches Ziel, sie wollte kein Gebiet erobern und keine feindliche Armee besiegen. Am 7. Oktober ging es darum, so viele Zivilisten so grausam wie möglich vor laufenden Kameras abzuschlachten oder zu entführen und propagandataugliches Bildmaterial zu produzieren. 

Auf der individuellen Ebene mag Hass, Rachsucht und Sadismus den Blutrausch der Hamas-Täter befeuert haben. Erklären lässt sich der Anschlag damit nicht. Dafür ist zu viel Geld im Spiel. Dafür sind Zeitpunkt, Logistik und Ausmaß des Anschlags zu gut geplant. Vor allem aber: Auch den Hamas-Tätern und ihren Unterstützern war klar, dass Israel die Täter verfolgen muss. Israelische Soldaten werden dazu in den Gaza-Streifen eindringen. Dort aber verkriechen die Terroristen sich mit den israelischen Geiseln unter zivilen Gebäuden, Schulen und Krankenhäusern. 

Auch die Bevölkerung des Gaza-Streifens wird von der Hamas als Geisel und Schutzschild verwendet. Zum Plan der Hamas gehört es, möglichst viele und möglichst grausame Bilder getöteter Palästinenser für die Propagandaschlacht zu produzieren. Dabei kann ausgeschlossen werden, dass sich aus dem Terroranschlag positive Effekte für Palästinenser ergeben.  

Religiöse Aspekte

Der Anschlag muss ein politisches Ziel haben. Bei der Suche danach reicht ein Blick nur wenige Wochen zurück: Noch im Juli 2023 wollten Saudi-Arabien und Israel einen Friedensvertrag unterzeichnen. Gleichzeitig wurde über ein Militärbündnis verhandelt, an dem neben Saudi-Arabien und Israel u.a. auch noch die Vereinigten Emirate und Ägypten beteiligt sein sollten. – Nichts eint so sehr wie ein gemeinsamer Gegner, hier der Iran. 

Die Feindschaft zwischen dem Iran und seinen arabischen Nachbarn ist alt und intensiv. Die Hauptkonfessionen des Islam, Sunniten und Schiiten, sind sich etwa so wohl gesonnen wie Protestanten und Katholiken im dreißigjährigen Krieg. 

Saudi-Arabien sieht sich als Führungsnation der Sunniten. Auch in Ägypten und den Vereinigten Emiraten leben überwiegend Sunniten.

Der Iran sieht sich als Führungsmacht der Schiiten. Die Hamas, die im Gaza-Streifen seit 2007 mit Korruption und Unterdrückung regiert, wird vom Iran finanziert und darf als verlängerter Arm des Mullah-Regimes in Teheran betrachtet werden. Kaum noch jemand ist der Ansicht, die Hamas handele im Interesse der Palästinenser im Gaza-Streifen.  Besonders grotesk ist dabei, dass die Palästinenser ganz überwiegend Sunniten sind, die Hamas aber heute ein schiitisch finanziertes Regime führt.

Zieldefinition

Was also ist Ziel des Terroranschlags vom 7. Oktober? 

Die Ermordung von Zivilisten in Israel war lediglich der Auftakt. Viel wichtiger für den Iran und seine Hamas sind Bilder israelischer Soldaten und toter Palästinenser aus dem Gaza-Streifen. Diese Bilder sollen Stimmung gegen Israel machen. Mit professionellen Marketingmethoden schürt die Hamas und der Iran die Wut auf Israel.  Der so erzeugte Unmut der eigenen Bevölkerung soll Saudi-Arabien, Ägypten und die Emirate zwingen, die Friedensverträge und Militärbündnisse mit Israel von der Tagesordnung zu nehmen. So kalkuliert der Iran und seine Terrortruppe.

Politisches Ziel war und ist es, den Friedensprozess zwischen Israel und seinen überwiegend sunnitischen Nachbarn zu stoppen. 

Israel wird versuchen, durch vorsichtiges und geschicktes Agieren bei der Jagd nach den Terroristen im Gaza-Streifen zivile Schäden zu vermeiden. Ganz gelingen kann das nicht, dafür sorgt schon die Hamas indem Sie die Bewohner des Gaza-Streifens als Schutzschilde benutzt. 

Reflexhaftes Israel-Bashing

All dies ist nicht so schwer zu erkennen. Um so seltsamer sind einige Reaktionen. Bei erstaunlich vielen Menschen in Deutschland führen die Bilder von Terroristen im Blutrausch, die wie Einsatzkommandos der Wehrmacht von Haus zu Haus gehen und massakrieren was sich bewegt, nicht für eine Solidarisierung mit den Opfern. 

Vielmehr findet reflexartige die vom Iran und der Hamas erwünschte Täter-Opfer-Umkehr statt.  Statt Solidarität mit Israel wird Solidarität mit Palästina gefordert.

Warum wird ein vom Iran organisierter Terroranschlag, der sowohl die Menschen in Israel aber eben auch im im Gaza-Streifen schädigt als geeigneter Anlass nicht nur für Israelkritik, sondern übelste Diffamierung gesehen?

Warum gibt es jetzt europaweit „Free-Palestine“-Demos, nicht aber z.B. nach den Anschlägen 2015 in Frankreich im Bataclan und auf Charlie Hebdo? 

Weshalb lädt eine Augsburger Friedensinitiative zu einem Vortrag von Jakob Reimann ein, der offen mit der vom Bundestag als antisemitisch eingestuften Boykott-Israel-Bewegung (BDS) sympathisiert und Israel fortlaufend als Apartheidstaat beschimpft?

Natürlich darf kritisiert werden, wie Israel sich gegenüber den Palästinensern verhält. Aber doch nicht jetzt und nicht aus diesem Anlass!

Wer Opfer eines brutalen Wohnungseinbruchs wird, wer zusehen musste, wie dabei die eigenen Kinder ermordet wurden, den kann man nicht deshalb vom Opfer zum Täter umdeuten, weil er seit Jahren einen Nachbarschaftsstreit führt. Genau das passiert aber mit Israel. 

Die Täter-Opfer-Umkehr ist Grundbestandteil aller Terroranschläge. Aber wie leicht es den Terroristen fällt, diesen Reflex bei Israel auszulösen, ist auffallend. Dass da nicht auch uralte Stereotypen und Vorurteile über Juden mitschwingen – also purer Antisemitismus – ist kaum vorstellbar. 

Und deshalb:

Wer vermeiden will in die Propaganda-Falle des Iran zu tappen, der sollte einen klaren Blick auf die Tatsachen behalten:

  • der Terror der Hamas hat nichts mit einem Kampf für bessere Lebensbedingungen der Palästinenser zu tun
  • Israel bekämpft den Terror mit größtmöglicher Rücksicht auf die Bevölkerung während die Hamas sich so viele tote Zivilisten wie möglich für Propagandazwecke wünscht
  • Israel erkennt seine Nachbarstaaten und die Bürgerrechte der 1,5 Mio Araber in Israel an, während die Hamas und der Iran Israel und seine Bewohner vernichten wollen.  ————————————————————————————————————–

Alexander Meyer ist von Beruf Rechtsanwalt, lebt und arbeitet in Augsburg.