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Samstag, 18.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Meinung

Kommentar: Impfprivileg und der Mief einer Bananenrepublik – Bischof Bertram Meier schadet dem Ansehen des Bistums Augsburg

Das Bistum Augsburg kommt nicht zur Ruhe. Nach den Skandalbischöfen Walter Mixa und Konrad Zdarsa leistet sich der vor einem Jahr zum Bischof von Augsburg ernannte Bertram Meier einen unverzeihlichen Fehltritt, der ihn als einen Mann ausweist, dem für das Amt genau das fehlt, was zur Grundtugend eines Bischofs gehören sollte: moralische Integrität.

Kommentar von Siegfried Zagler

Nacht finster um den Bischofssitz zu Augsburg © DAZ

Was ist geschehen? Die Augsburger Allgemeine ist in ihrer Rechereche bestätigt worden, dass der Augsburger Bischof Bertram Meier und sein Generalvikar Harald Heinrich bereits geimpft wurden. Dabei waren die beiden Geistlichen noch lange nicht an der Reihe.

Das Corona-Prioritätensystem, das vom Bund im Zusammenwirken mit dem deutschen Ethikrat entwickelt wurde, ist in eine Impfverordnung gegossen worden, die von den Ländern umzusetzen ist. Darin ist unmissverständlich geregelt, dass Bewohner und Beschäftigte in Pflegeheimen zuerst geimpft werden. Ihr Risikofaktor einer Infektion und daran zu sterben beziehungsweise schwer zu erkranken sei am höchsten. Danach folgen Menschen ab 80 Jahren und medizinische Fachleute.

Bischof Bertram Meier (60) und seinem Stellvertreter Harald Heinrich (53) stünden nach der detaillierten Verordnung eine Impfung erst viel später zu. Und dennoch haben sie das Angebot eines Seniorenzentrum unstatthaft priorisiert geimpft zu werden angenommen. Beide wurden bereits zweimal geimpft.

Die Erklärung des Bistumssprecher dazu ist nicht viel mehr als eine hanebüchene Ausrede (Der Impfstoff sei übrig gewesen, Meier und Heinrich seien regelmäßig als Seelsorger in Pflegeheimen unterwegs).

Tausende über 80-Jährige warten mit brennender Geduld innerhalb der Diözese Augsburg noch auf ihre Impfungen. Tausende von Lehrern warten, Krankenschwestern und Pfleger sind noch nicht durchgeimpft. Bei diesen Gruppen zählt jeder Tag, jede Stunde. Die Inanspruchnahme eines Zeitprivilegs qua Bischofsamt ist gegenüber diesen Gruppen unsolidarisch und darüber hinaus moralisch verwerflich.

Meier legt mit diesem Verhalten die Erkenntnis frei, dass ihm die Grundhaltung für dieses Amt fehlt. Denn während sich alle gedulden müssen, in Altenheimen weiter gestorben wird und viele Menschen finanziell am Abgrund wandeln, scheint der Oberhirte die Auffassung zu haben, dass die ethischen Grundsätze der deutschen Impfverordung für ihn nicht gelten.

Doch für einen Kirchenmann sollte es genau umgekehrt sein. Meier hätte dafür eintreten müssen, dass die Impfregeln einer zivilgesellschaftlichen Ethik folgen, die richtig ist. Weshalb er gerne zurückstehe und den Schwachen und Kranken den Vortritt lasse.

Noch vor wenigen Tagen verwies Meier in seinem Videoblog “Zoff um den Stoff” explizit darauf hin, dass man in Sachen Corona und Impfungen einen gesellschaftlichen Zusammenhalt brauche. Der Mensch dürfe nicht zum Menschen Wolf werden, so Meier, dem dann doch “das Hemd näher als die Hose war”, um es mit Brecht zu sagen.

Als Würdenträger einer Organisation, die die Nächstenliebe zum höchsten menschlichen Prinzip erklärt hat, ist Meier kaum noch vorstellbar. Diese Doppelzüngigkeit in Bezug auf die europäische Impf-Ethik wird dem Augsburger Bischof als negatives Branding für immer anhaften. Schließlich bringt er mit seinem Verhalten nicht nur sich und das Bistum Augsburg in Verruf. Bischof Meiers Impfprivileg wird auch in der Landespolitik aufschlagen.

Er und sein Generalvikar sowie die beiden bayerischen Lokalpolitiker, die ebenfalls Impfprivilegien annahmen, sorgen im Freistaat für den Mief einer Bananenrepublik.