Wendejahre
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Dienstag, 21.05.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Kommentar: FCA-Trainerwechsel war richtig

Dass mit Martin Schmidt zum FCA zwei unverzichtbare Faktoren zurückgekehrt sind, die in der Vergangenheit wie abwesende Gottheiten zumeist vergebens beschworen wurden, ist in den beiden Partien nach dem Trainerwechsel deutlich zutage getreten. Die Rede ist von Kampfkraft und Spielfreude.

Kommentar von Siegfried Zagler

 

Ob der Trainerwechsel auf der Zielgeraden zum Saisonende eine richtige Entscheidung war, werde sich zeigen, orakelte vor zwei Wochen die DAZ. Es sei nämlich nicht damit zu rechnen, dass Martin Schmidt aus der Augsburger Truppe mehr herausholen könne als Manuel Baum, der die gesamte Saison darunter gelitten habe, dass er spektakuläre Qualitätseinbußen im Kader hinzunehmen hatte. Diese These hat Martin Schmidt eindrucksvoll widerlegt. Dass er dabei „Spielglück“ hatte, räumte der sympathische Schweizer anstandshalber ein.

Dass ein ausgezeichnet eingestellter und großartig aufspielender FCA zu Beginn der Vorrunde zu wenig Punkte holte, weil beide Torhüter keine bundesligataugliche Qualität hatten, war nicht Baum anzulasten, sondern dem Management. Dann mussten Caiuby und Hinteregger den Verein aus disziplinarischen Gründen verlassen. Für Martin Hinteregger wurde mit Reece Oxford ein junger Spieler verpflichtet, der nicht bundesligatauglich ist. Der Abgang von Caiuby sollte ebenfalls als Schwächung begriffen werden. Ein Jeffrey Gouweleeuw war lange verletzt und spielt nach seinem Comeback lange unter Form. Durchgehende Formschwäche auch bei Hahn. Mit dem verletzten Framberger fehlt dem FCA seit Monaten der einzige schnelle Außenverteidiger. Alfred Finnbogason ist als Zentrumsstürmer kaum zu ertragen. Koo ist außer Form, Gregoritsch nur noch ein Schatten seiner selbst und in der Mitte verteidigt mit Danso ein Spieler, der in der Bundesliga nichts verloren hat.

Und plötzlich kommen Gouweleeuw, Hahn und Gregoritsch in Form, Richter gar in Hochform, als hätte Martin Schmidt einen imaginären Schalter gefunden und umgelegt. Stafylidis zählt wieder zum Stammpersonal und die kämpferische Grundhaltung des Griechen strahlt bis zu den Tribühnen hoch. Dass Khedira als Sechser ein zu großes Loch ins verteidigende Mittelfeld riss, wollte Baum nicht sehen – Schmidt sah es wohl. Bei den Standards wurde Max entlastet: sinnvoll! Die gesamte Mannschaft spielte wieder gegen den Ball, bei Ballgewinn wurde sofort Angriff geblasen und im Aufbauspiel bewegte sich das Augsburger Mittelfeld wieder in die Breite, gab es ein Rollieren und somit Optionen auf einen Präzisionspass. Die Mannschaftsteile wirkten zusammen wie ein Uhrwerk. Der Abschluss wurde schnell und kreativ gesucht, als hätte es nie eine Krise gegeben. Mit großer und einer klar ersichtlichen Kampfkraft fand der FCA gegen Frankfurt und Stuttgart ins Spiel, das ihm plötzlich „leicht von der Hand ging“.

Dass der Mannschaft in dieser Phase der Saison noch eine Wende gelang und sie sechs unerwartete Punkte holte, darf man dem neuen Trainergespann anrechnen. Der Trainerwechsel war also richtig. Direkt kann der FCA nicht mehr absteigen und ein indirekter Abstieg über die Relegation ist nur noch sehr theoretisch möglich. Im hinteren Tabellendrittel ist der FCA das Team der Stunde. Seit gestern steht quasi fest, dass Augsburg seine 9. Bundesligasaison planen kann.

Es wäre viel zu tun! Verstärkung ist in der Innenverteidigung dringend nötig. Im Grunde fehlt in jedem Mannschaftsteil ein Stammspieler. Ein klasse Torhüter muss noch zum FCA kommen, ebenso eine bockstarke Sechs und für Finnbogason eine Neun, also ein Mittelstürmer, der den Ball stoppen kann und auch mal vier Spiele am Stück durchhält. Auf der rechten Seite fehlt als backup zu Framberger immer noch ein Verteidiger mit Speed.

In der neunten Saison beginnt die Leier vom Nichtabstieg endgültig zu langweilen. Einfach nicht absteigen wollen ist zu wenig. Beim FCA muss eine neue Stufe gezündet werden.

 

 



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