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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Kommentar: Es ist höchste Eisenbahn, das Richtige zu tun

Das vorgestellte Rettungskonzept für den Bahnpark ist ein Paukenschlag und bringt möglicherweise ein hoffnungslos verloren geglaubtes Projekt auf ein tragfähiges Gleis

Kommentar von Siegfried Zagler

Für den Geschäftsführer der gGmbH Bahnpark, Markus Hehl, der für die verfahrene Situation des Bahnparks verantwortlich zeichnet, bedeutet der Rettungsplan der Stadt Augsburg zwei Schläge, nämlich einen Paukenschlag zur Rettung „seines“ Projekts und einen Schlag ins Gesicht. Das Bahnpark-Statement der Stadt liest sich wie ein Rettungskonzept einer Unternehmensberatungsfirma, die nur vor einer Sache zurückschreckt, nämlich davor, der Unternehmensleitung den Rücktritt nahezulegen.

Die städtische Pressemitteilung, die gestern um 19 Uhr über den Ticker lief, muss man nicht deuten (wie kürzlich die rätselhafte OB-Verfügung zum Friedensfest). Das Rettungsunternehmen der Stadt bedeutet eine Sensation und einen Wendepunkt mit einer klaren Ansage: Der Bahnpark muss von seinem Status eines Hobby-Projektes in eine professionelle Trägerschaft überführt werden. Das kann nur heißen, dass die aktuelle Trägerschaft aufgelöst wird. Viel zu lange hat man dem Dahinwursteln von Hehl und Co. wohlwollend zugesehen.

Den „Bahnpark“ (bereits der Name ist falsch gewählt) vorrangig als Event-Zone für Hochzeiten, Firmenfeten, Vergnügungsfahrten und ähnlichen Schnickschnack zu verwenden, zielt meilenweit an der historischen Bedeutung des Geländes vorbei.

Das Industriedenkmal ersten Ranges war lange genug Spielwiese von Eisenbahnfreaks. Markus Hehl hat viel Herzblut, Zeit und privates Engagement in ein Projekt gesteckt, das ihm von Beginn an ein paar Nummern zu groß geraten ist. Nun wäre es an der Zeit, dem Mann, der so viel für den Bahnpark unternommen hat, einen Rückzug aus dem Desaster aufzuzeigen, der ohne großen Gesichtsverlust über die Bühne geht. Der Bahnpark gehört zu den großen Schätzen der Stadt Augsburg, gehört zu den großen Denkmälern einer vergangenen Zeit.

Nun „ist es höchste Eisenbahn“, wie der Volksmund sagt, das Richtige zu tun. Dazu gehört ein modernes Museum sowie ein genehmigungsfähiges Nutzungskonzept des Geländes und der Loks: Ein Gesamtkonzept, das mit einer anspruchsvollen Vermittlungsarbeit für Schulklassen und Touristen gleichermaßen anziehend ist. Der Bahnpark ist ein großartiges Dokument der Zeitgeschichte. Ist ein Ort, der unsere neuere Zivilisationsgeschichte erhellt und reflektiert. Mit diesem Anspruch muss man das Projekt neu zum Leben erwecken.



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