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Donnerstag, 24.09.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Kolonialismus: Augsburg–Kamerun, 100 Jahre später

Der Augsburger Brechtkreis bearbeitet den deutschen Kolonialismus

Polizeisoldaten in Kamerun 1891  (Quelle: www.dhm.de/lemo)

Im ersten Weltkrieg verliert Deutschland „seine“ Kolonien. Eine davon ist Kamerun, wo bis 1916 gekämpft wird. Die deutschen Soldaten geraten in Kriegsgefangenschaft, die Augsburger Presse berichtet. Vielleicht hat Brecht das vor Augen – jedenfalls lässt er in seinem 1919 entworfenen Drama „Trommeln in der Nacht“ den Kriegsheimkehrer Andreas Kragler nicht aus Frankreich oder Russland kommen, sondern aus Afrika.

Das könnte Kamerun gewesen sein, denn es gab selbst in der damaligen Fabrikstadt Augsburg gar nicht wenige direkte persönliche und geschäftliche Beziehungen zu dieser Kolonie. Der Brechtkreis findet es an der Zeit, sich mit dieser Vergangenheit und ihrem Fortwirken zu befassen. Mit Unterstützung von Evangelisches Forum Annahof und Augsburg Postkolonial beteiligt er sich im Rahmen der Afrikanischen Wochen an der Aufarbeitung. Der Musiker Njamy Sitson spricht den Kragler-Monolog und lässt afrikanische und europäische Musik zusammentreffen. Philipp Bernhard (Universität Augsburg, Augsburg Postkolonial) skizziert die durch den Kolonialismus gebotenen Karrierechancen für Siedler, Soldaten und Wissenschaftler. Jean-Pierre Félix-Eyoum (Großneffe des von den Deutschen hingerichteten Königs der Duala, Rudolf Manga Bell) spricht über seinen berühmten Vorfahren. Jean-Pierre Bamy Bamy (Gründungsmitglied von AKUA e.V., Afrikanische Kultur Augsburg und Umgebung) schildert seine Erfahrungen als Kameruner in Deutschland.  Michael Friedrichs (Brechtkreis) stellt einige Augsburger mit persönlichen Verbindungen zur Kolonie Kamerun vor.

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Eine Veranstaltung des Brechtkreises im Rahmen der Afrikanischen Wochen.
Augustana-Saal im Annahof, Freitag 29.11.2019, 19 Uhr.
Eintritt 10 €/ 8 €, Vorverkauf: Brechtshop, Buchhandlung am Obstmarkt