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Dienstag, 27.09.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Königsplatz: Die Vision wird real

Gemäß Stadtratsbeschluss vom 19. Februar hat eine Planungsgruppe – bestehend aus Tiefbauamt, Stadtwerken und erstem Preisträger – den Siegerentwurf des Ideenwettbewerbs Innenstadt weiterentwickelt, teilweise modifiziert und konkretisiert. Die Ergebnisse werden heute dem Bauausschuss vorgestellt.

Seit Wochen liefen intensive Abstimmungsgespräche, zuletzt rauchten in der Planungsgruppe am Mittwochnachmittag stundenlang die Köpfe: Jetzt liegen belastbare Aussagen vor, auf deren Basis der schnelle Umbau des Königsplatzes angegangen werden kann.

Rückblick: Eine der zentralen Aussagen des Wettbewerbssiegers, des Architekturbüros Wunderle aus Neusäß, war die mögliche Entlastung des Königsplatzes in seiner Funktion als zentrale Umsteigehaltestelle. Zur Entlastung sah der Wettbewerbsbeitrag eine Reihe von Maßnahmen vor:

  • Die Straßenbahnlinie 2 wird über den Graben anstatt über den Theodor-Heuss-Platz und den Königsplatz geführt.
  • Die Linie 5 fährt nicht über den Königsplatz, sondern wird mit dem neuen Ast der Straßenbahnlinie 1 von der Hammerschmiede über die Karlstraße verbunden.
  • Die Linie 4 wird nicht zum Hauptbahnhof geführt.

Der Preisträger hat damit als Vision ein Zielnetz für die Straßenbahn dargelegt, bei dem am Kö nur noch drei Straßenbahnlinien halten.

Einig war man sich in der Planungsgruppe, dass das Haltestellendreieck Königsplatz aber nicht nur auf seinen künftigen Zustand hin dimensioniert werden kann, sondern in allen Entwicklungsstufen des Straßenbahnnetzes über eine ausreichende betriebliche Leistungsfähigkeit verfügen muss. Die Planungsgruppe geht davon aus, dass sich zumindest in den kommenden 10 Jahren keine Entlastung des Kö erreichen lässt.

Für diese Interimssituation hat man nun eine elegante Lösung gefunden. Beibehalten werden alle städtebaulichen Visionen, die den Sieger-Kö vom abgewählten Stadtwerke-Kö unterscheiden:

  • der autofreie, ohne Straßenquerung erreichbare Kö
  • Erhalt des Kö-Parks
  • MIV-Abwicklung im Gegenverkehr auf der Schaezlerstraße
  • Augsburg-Boulevard in der verkehrsberuhigten Fuggerstraße

Die Modifikation: Der neue Kö wird südseitig zwei zusätzliche Gleise erhalten, an der Nordwestseite eines. Damit wird die Wettbewerbslösung den betrieblichen Anforderungen des ÖPNV in den kommenden 10 Jahren gerecht.

Inwieweit die drei zusätzlichen Gleise danach überflüssig werden, hängt von der tatsächlichen Entwicklung des Straßenbahn-Liniennetzes ab. Ein Gleisrückbau ist für die Planungsgruppe denkbar. Mit der Entscheidung für einen Ausbau der Haltestellenanlage Königsplatz in der jetzt gemeinsam entwickelten Form rückt der schnelle Kö-Umbau bis 2010 in greifbare Nähe. Es werden aber auch keine Chancen verbaut, wenn in mittlerer bis ferner Zukunft eine andere Auslegung des Straßenbahnnetzes erfolgt.

Grafik: DAZ (zum Vergrößern anklicken)