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Freitag, 23.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Kickt der Stadtrat Kahn aus dem Plärrer?

Der Augsburger Stadtrat hat in seiner Sitzung am vergangenen Donnerstag, 17. Dezember im nichtöffentlichen Teil das Vorhaben des Marktamtes, „Feinkost Kahn“ einen Standplatz für eine Hütte mit Edelgastronomie auf dem Plärrer zu genehmigen, behandelt und die Entscheidung darüber in den Allgemeinen Ausschuss (3.2.2010) vertagt.

Kongresshallenkredit: "Zwei Dinge...

Sanierungshilfe für Kongresshalle: "Zwei Dinge, die ...


Ordnungsreferent Walter Böhm soll darüber „not amused“ gewesen sein, da Böhm mit Günther Ipfelkofer (Leiter des Marktamtes) noch am Montag, 14. Dezember den Volksfestbeirat über die Pro-Kahn-Vergabeentscheidung des Amtes für Marktwesen in Kenntnis gesetzt hat. Der Volksfestbeirat wurde darüber informiert, dass Kahn mit einem festen Gebäude, das zirka 240.000 Euro gekostet habe, bei der „Leopardenspur“ auf dem Augsburger Plärrer einen Standplatz bekommen soll. Die sechs Stadträte im Volksfestbeirat reagierten überrascht, die Schausteller empört, weil vergleichbare Anträge auf gehobene Gastronomie auf dem Plärrer bisher regelmäßig abgelehnt worden seien. Der Plärrer sei nach Satzung, so Dieter Benkard (SPD), Schaustellern vorbehalten. Benkard nimmt bei der Angelegenheit kein Blatt vor den Mund. Für ihn sei es offensichtlich, dass man Kahn für sein Entgegenkommen bei der Sanierung der Kongresshalle „ein Zuckerle“ gegeben habe. Feinkost Kahn hat der klammen Stadt bei der Kreditaufnahme der fehlenden 8,5 Millionen zur Kongresshallensanierung ein wenig unter die Arme gegriffen, indem er 500.000 Euro für die neue Küche – Kahn betreibt seit vielen Jahren in der Kongresshalle das Catering – investiert hat und 500.000 Euro der Stadt geliehen hat. Nicht unbedingt zu sehr günstigen Konditionen, aber mit einem bequemen Rückzahlungszeitraum. Nach Informationen der DAZ bezahlt die Stadt pro Jahr 62.500 Euro zurück, womit der Kahn-Kredit in 10 Jahren getilgt wäre.

Plärrerstandplatz: ...nicht zusammen gehören dürfen"

Standplatz für Plärrer: ...nicht zusammen gehören dürfen"


„Die Verantwortlichen sollten abgemahnt werden“

Benkard gibt Oberbürgermeister Gribl zwar Recht, dass die zwei Dinge nichts miteinander zu tun haben dürfen, aber er glaubt – im Gegensatz zu Gribl – nicht daran. Der OB habe nämlich mit der Sache gar nichts zu tun, und wahrscheinlich wusste er auch nichts davon. „Eingefädelt hat das vermutlich Kämmerer Weber, aber ich glaube nicht, dass Kahn damit durchkommt. Wir müssen unseren Schaustellern und Augsburgern Marktkaufleuten den Rücken stärken.“

Günther Göttling: "Das ist skandalös"

Günther Göttling: "Das ist skandalös"


In das gleiche Horn bläst Stadtrat und Marktpfleger Günther Göttling (CSU), der von Marktamtsleiter Ipfelkofer und Ordnungsreferent Böhm „sehr enttäuscht ist“, weil weder der Volksfestbeirat noch er als Marktpfleger in den Entscheidungsprozess eingebunden gewesen seien. „Das ist skandalös.“ Ob die beiden Dinge etwas miteinander zu tun haben, wisse er nicht, so Göttling, aber durch den Umstand, dass Kahn seine Halle für den Plärrer bereits im Sommer dieses Jahres für zirka 200.000 Euro habe bauen lassen, bekomme das Ganze „ein Geschmäckle“. „Kahn vergibt so einen Auftrag nicht einfach so.“ Aber wie das Marktamt zu seiner Vergabeentscheidung komme, interessiert Göttling jetzt nicht mehr. Der Stadtrat hat die Verwaltung aus dieser Entscheidung herausgenommen. Für Göttling wäre eine Edelgastronomie a la Käfer auf dem Oktoberfest für den Augsburger Plärrer ein falscher Weg. „Kahn auf dem Plärrer würde mit Sicherheit den weiteren Einstieg für viele Nicht-Marktkaufleute und Nicht-Schausteller bedeuten.“ Göttling sieht zur Zeit keine Mehrheit im Allgemeinen Ausschuss für die Kahn-Gastronomie auf dem Plärrer.

Peter Uhl: "Die Verantwortlichen abmahnen"

Peter Uhl: "Die Verantwortlichen abmahnen"


Stadtrat Peter Uhl (CSU) hat zwar grundsätzlich nichts gegen eine Kahn-Gastronomie auf dem Plärrer, aber er findet es richtig, dass man die Verwaltung von dieser Entscheidung entbunden hat. Natürlich bekomme das ganze Prozedere wegen der Zeitgleichheit der Veröffentlichungen „ein Geschmäckle“, so Uhl, aber der Umstand, dass Kahn seine „Plärrerhütte“ bereits im Sommer habe bauen lassen, spricht für Uhl eher dafür, dass es keine „Gegengeschäfte“ zwischen dem Edelgastronom und der Stadt gegeben habe. Laut Uhl passe das dann zeitlich nicht ins Gefüge. „Wenn Kahn bereits im Sommer Grünes Licht von der Verwaltung bekommen haben sollte, dann gäbe es keine Verquickungen“, so Uhl. Nach der Rechtsauffassung von Ordnungsreferent Böhm solle noch keine Rechtsverbindlichkeit in Sachen Plärrer zwischen Kahn und der Stadt bestehen. Laut Böhm gibt es noch keinen Vertrag. Für den Gärtnermeister und CSU-Stadtrat Peter Uhl müsste der “Verwaltungsvorgang Kahn” dennoch Konsequenzen haben. „Die Verantwortlichen, die diese Entscheidung im Alleingang treffen wollten und den Volksfestbeirat nur noch als „Abnickgremium“ betrachteten, sollten abgemahnt werden.“