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Donnerstag, 16.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Kastagnetten und spanisches Feuer beim Sinfoniekonzert in der Kongresshalle

Das Thema Spanien lässt sofort Assoziationen zu Flamenco und feurigen Rhythmen entstehen. Beim 4. Konzert der Augsburger Philharmoniker wurden diese Erwartungen nur bedingt erfüllt, denn unter dem spanischen Deckmantel waren zwei sehr unterschiedliche Werke zu hören.

Von Halrun Reinholz

Dirigiert hat, wie schon im ersten Konzert der laufenden Spielzeit, der international erfahrene Julien Salemkour. Den Anfang machte, mit einer leichten Verspätung zum Strauss-Jahr, dessen sinfonische Dichtung Don Quixote. Spanische Rhythmen sind hier nicht zu erwarten, dafür aber eine ironisch gebrochene Darstellung eines „Antihelden“ mit differenzierter musikalischer Zeichnung. Die Musik entstand gleichzeitig mit einer weiteren, „Ein Heldenleben“. Für die Solisten hatte man sich auf das Naheliegende besonnen: Am Cello agierte der Solocellist der Augsburger Philharmoniker, Julien Chappot, der auch schon öfter solistisch in Erscheinung getreten war. An der Viola brillierte Teresa Schwamm, 1988 in Augsburg geboren, die im letzten Jahr mit ihrem Quartett den ARD Musikwettbewerb gewonnen hat und auch wiederholt als Solobratschistin erfolgreich war.

Im zweiten Teil wurde es tatsächlich spanisch mit  Manuel de Fallas „Dreispitz“ („Il sombrero de tres picos“) aus dem Jahr 1919. Geschrieben wurde diese Suite mit Gesangseinlagen als Ballettmusik, was sich in der Dynamik und im Rhythmus schwungvoll bemerkbar macht. Die Mezzosopranistin Stephanie Hampl, Mitglied im Opernensemble, wurde vom Publikum als alte Bekannte gewürdigt. Nicht ohne Humor meisterte das Orchester auch die zuweilen schrägen und ungewöhnlichen Töne. Gut zu tun hatten Harfe und Schlagwerk, letzteres brachte nun tatsächlich den allseits erwarteten Kastagnetten-Klang. Julien Salemkour trieb das Orchester zu temperamentvoller Höchstleistung an. Am Ende gab es, als Anklang an das Wiener Neujahrskonzert, von den Musikern ein vielstimmiges „Olé!“

Zwar waren in der Kongresshalle diesmal noch Plätze frei, das vorhandene Publikum huldigte den Mitwirkenden aber mit begeistertem Applaus. Dass ein renommierter Dirigent wie Julien Salemkour schon zum zweiten Mal seine Aufwartung in Augsburg macht, zeigt, dass Dirk Kaftan dem künftigen GMD ein gut aufgestelltes und motiviertes Orchester hinterlassen hat.