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Dienstag, 03.12.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Kaderplanung verkehrt: Nach 71 Gegentoren in der Vorsaison ist die FCA-Abwehr in dieser Saison noch nicht stärker geworden

Beim FC Augsburg hat man in der Abwehr nachgerüstet – besser spät als gar nicht. Unabhängig davon, ob die letzten drei Neuverpflichtungen nun einschlagen oder nicht, zeigen diese Vorgänge auf, dass die sportliche Leitung die Kaderplanung für diese Saison zu leichtfertig gestaltet hat.

Von Siegfried Zagler

Torhüter Koubek wurde kurz vor dem Pokalspiel in Verl verpflichtet. Warum so spät, wo man doch um die Probleme auf dieser Position über eine komplette Saison hinweg vor Augen geführt bekam? Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Sachverhalt, dass Koubek dort weitermachte, wo Giefer und Luthe aufhörten, nämlich beim Fehlermachen. 

Ob Koubek Marwin Hitz das Wasser reichen kann, darf bezweifelt werden. Wenn man davon ausgeht, dass die kolportierten sieben Millionen Euro Ablöse für Koubek stimmen und noch sein Gehalt dazurechnet, dann hätte man mit diesen Mitteln Hitz leicht halten können, plus einen hochtalentierten jungen Keeper verpflichten können. 

Von Abstimmungsproblemen zwischen Torhüter Tomas Koubek und der Augsburger Abwehr zu sprechen, wäre eine falsche Detailanalyse, denn bei einer dergestalt schwachen Defensive sind die Qualitätsmängel im Allgemeinen zu groß, um sich aktuell Gedanken darüber machen zu müssen. Mit der FCA-Abwehr hätte jeder Torhüter Probleme. Die Abwehrspieler Lichtsteiner und Jedvaj wurden am vergangenen Montag deshalb verpflichtet. Seit Dienstag trainieren sie zusammen mit der Mannschaft. Beide sollen gegen Union Berlin am morgigen Samstag spielen – mit Suchy und Khedira eine Viererkette bilden. Lichtsteiner (35) war zuletzt vereinslos, ihm fehlt Spielpraxis.

Lichtsteiner und Jedvaj sind notwendige Verpflichtungen, ob sie die Löcher der FCA-Abwehr auf die Schnelle schließen können, ist eher unwahrscheinlich, auch wenn das gegen die schwache Union-Offensive gelingen sollte. Dieser Sieg sollte ohnehin eine Augsburger Pflichtaufgabe sein. Anders gesagt: Alles andere als ein Sieg bringt FCA-Trainer Schmidt in große Not. Allerdings ist auch festzuhalten, dass man derzeit gegen den FC Augsburg leicht gewinnen kann.

Eine nicht eingespielte FCA-Abwehr zum Bundesligastart ist ein redseliger wie glaubhafter Kronzeuge dafür, dass in der sportlichen Planung Fehler gemacht wurden. Mit 71 Gegentoren präsentierte sich der FCA letzte Saison als Schießbude. Die Konsequenz davon: Die FCA-Abwehr ist eher schwächer geworden. Die Defensiv-Performance der letzten drei Spiele (Bologna, Verl, Dortmund) war niederschmetternd.

In letzter Sekunde scheint die Einsicht, dass es kadertechnisch nicht reichen könnte, zum Ratgeber geworden zu sein. Die FCA-Führung reagierte mit Schnellschüssen. Bis die Neuen ins Gefüge passen, das Zusammenspiel funktioniert, die Chemie, die Hierarchie wieder stimmt, wird noch viel Wasser den Lech hinunter fließen. Eine gute Kaderplanung sieht anders aus.