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Dienstag, 15.10.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Internationale Ballettgala im Martinipark: Ein Fest der Sinne zum neuen Jahr

Dass dem Augsburger das Geld nicht locker in der Tasche sitzt, ist ein bekanntes Klischee. Und schon gar nicht, wenn es um Kultur geht. Die alljährliche Ballettgala beweist das Gegenteil: Trotz deutlich höherer Eintrittspreise als beim üblichen Theaterbesuch sind die beiden Abende  ausverkauft. Das zeigt, dass die Ballettgala ein heiß erwartetes Event ist und auch, dass der Augsburger weiß, wann sich eine Investition lohnt.

Von Halrun Reinholz

Augsburger Ballettgala: Ein Publikumserfolg © Jan-Pieter Fuhr

Die von Robert Conn eingeführte Gala bietet Ballettfreunden die Möglichkeit, über den Tellerrand des hauseigenen Ensembles hinauszuschauen, verschiedene Ausprägungen des Tanztheaters kennenzulernen. Riccardo Fernando hat die Tradition aufgenommen und ihr nun schon zum zweiten Mal seinen eigenen Stempel aufgedrückt. Wie Conn ist auch er gut vernetzt, hat Kontakte in der gesamten Tanzwelt. Die Auswahl richtet sich oft aber nach pragmatischen Kriterien der Verfügbarkeit und des guten Willens der Gäste und ihrer Hausensembles. Denn es ist keine Frage, dass ein solcher Abend mit einer höchst aufwendigen Logistik verbunden ist, die nur mit Hilfe vieler engagierter Partner und Helfer zu meistern ist.

Umso dankbarer zeigte sich das Publikum auch diesmal für jede einzelne Darbietung.  Nur ein kleiner Teil umfasste hochklassisches Ballett – Natalya Kusch und Ivan Putrow, derzeit in der Slowakei engagiert, oder Haruhi Otani und Angel Gracia Molinero von der Nationalen Tanzkompanie in Spanien –  zeigten Klassiker aus Le Corsaire, Don Quichotte oder Dornröschen. Von Gauthier Dance in Stuttgart diesmal ein ungewöhnlicher Beitrag von Rosario Guerra in einer Choreografie von Marco Goecke. Kevin Coquelard, Finalist des Internationalen Solo-Tanz-Theater Festivals Stuttgart zeigte mit komischem Talent eine eigene Choreografie zum Thema „Le Somnambule“.  

Ein echtes Highlight waren die vier Mitglieder des Bayerischen Junior Balletts (Seyhun An, Amando Arnes, Marzin Nudo und Nikita Voronin), das von der Heinz-Bosl-Stiftung gefördert wird. Faszinierend die beiden Japaner von Flämischen Ballett Aki Saito und Mikio Kato, die auf Musik von Thom Willems und Arvo Pärt mit hoch routinierter Präzision und Anmut tanzten. Eher meditativ die hochklassige Darbietung des Spellbound Contemporary Ballet aus Italien (Maria Cossu, Giacomo Todesch und  Mario Laterza). Immer wieder trat auch das eigene Ballettensemble des (jawohl!) Staatstheaters Augsburg auf die Bühne. Neben Ausschnitten aus den „Vier Jahreszeiten“ gab es auch Vorschauen auf neue Produktionen, die neugierig machen:  Sarajevo aus „Nacht“ und den Pas de deux aus „Yidam“. Das Augsburger Ballett zeigte mit seinen Darbietungen hohe Klasse und braucht den Vergleich mit den internationalen Gästen nicht zu scheuen. 

Die Überraschung des Abends war aber eher ein Grenzfall des Balletts, nämlich “Fußtheater“ von Anne Klinge. Die Künstlerin lässt ihre Füße zu „Puppen“ werden und eine Geschichte erzählen. Die Geschichte eines Paares, das sich liebt und entzweit, bis eine neue Beziehung entsteht. Für Riccardo Fernando gehört diese Show in eine Ballettgala, denn „die Füße sind das Wichtigste für einen Tänzer. Sie schmerzen am meisten.“ Dass Anne Klinge eine gebürtige Ingolstädterin ist, macht ihren Auftritt fast zum Heimspiel. Bekannt wurde sie mit ihrer ungewöhnlichen Kunst allerdings in Großbritannien, wo sie in der Talent-Show der BBC auftrat und danach durch die Welt tourte.

Diese Informationen verdanken wir dem wichtigsten Ritual der Ballettgala: der Moderation. Seit vielen Jahren erfreut  Erich Payer mit seiner unaufgeregten, sehr persönlichen Einführung  das Publikum. Er hat aus seiner langjährigen Berufserfahrung immer witzige Details zu verkünden und sein österreichischer Schmäh hebt sich wohltuend von den mainstream-gebürsteten Hochglanzmoderationen ab, die man heute  im Fernsehen oder auf Galabühnen gewöhnt ist. Seit einigen Jahren steht ihm Armin Frauenschuh zur Seite, der seine „Gustostückerl“  ebenfalls mit Charme und ohne unnötige Übertreibungen an den Mann … äh, das Publikum bringt. Und zuweilen erklärt Riccardo Fernando selbst, wie es zu der einen oder anderen Begegnung kam.

Trotz unangenehmer Wetterverhältnisse hat sich der Weg zur Ballettgala in den Martinipark für die Zuschauer offenbar gelohnt. Sie bekundeten dies zumindest mit frenetischem Applaus.



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