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Freitag, 03.12.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Innovationspark: TZA ist in trockenen Tüchern

Landkreis Aichach-Friedberg vorerst nicht in Gesellschaft vertreten

Das Technologiezentrum (TZA) im Augsburger Innovationspark hat am gestrigen Mittwoch eine wichtige Hürde genommen. Der Wirtschaftsausschuss segnete den überarbeiteten Entwurf ab und gab gleichzeitig sein Placet zum Gesellschaftsvertrag der geplanten „Augsburg Innovationspark GmbH“.

Das TZA (Entwurf: Brechensbauer Weinhart + Partner Architekten)

„Aichach-Friedberg ist einfach noch nicht so weit, um Ja oder Nein sagen zu können“, begann Wirtschaftsreferentin Eva Weber ihren Sachstandsbericht zur Gründung der Augsburg Innovationspark GmbH. Gesellschafter werden die Stadt und der Landkreis Augsburg sein. Der Gesellschaftszweck der GmbH, deren Personalplanung 5,5 Stellen umfasst, ist der Betrieb des TZA, die Weiterentwicklung und Umsetzung der Idee des Innovationsparks und die damit verbundene Akquise von Unternehmen und Vermarktung der Baufelder des 0,7 Quadratkilometer großen Areals südwestlich der Universität.

Eine Stunde lang widmete sich der Ausschuss anschließend dem TZA. Das TZA ist der erste kommunale Hochbau, der im Innovationspark entstehen wird: Ab 2015 sollen sich hier zahlreiche Firmen einmieten und auf den Fachgebieten Faserverbund, Mechatronik & Automation, IT & Kommunikation sowie Umwelt forschen und Protoypen entwickeln.

Gelungene Baukostenreduzierung

Aufgrund größeren Flächenbedarfs der Haustechnik, vor allem aber durch Flächenzuwächse, die dem Städtebau und der Vorzeigearchitektur geschuldet waren, war die Brutto-Grundfläche (BGF) von der ersten Masterplanung im Jahr 2011 bis zum Entwurfsstand im Januar 2013 um 31 Prozent auf knapp 14.000 m² angewachsen. Da aber die Nutzflächen nicht im gleichen Maß stiegen, drohte das Projekt TZA in die Unwirtschaftlichkeit abzurutschen (DAZ berichtete).

Der Flächen- und vor allem der damit verbundene Kostenzuwachs waren der Grund dafür, dass im Wirtschaftsreferat und in der städtischen Wohnungsbaugesellschaft WBG, die als Bauherrin auftritt, in den letzten Wochen Nachsitzen angesagt war. Ziel: das Delta zwischen den Baukosten und der Refinanzierung durch Mieteinnahmen zu schließen. Dies ist den Teams um Eva Weber und WBG-Chef Edgar Mathe überzeugend gelungen, wie der Ausschuss gestern befand.

Firmen weiter stark an Anmietung interessiert

Durch die Einarbeitung zahlreicher Änderungsvorschläge zur Baukostenreduzierung konnten die Kosten für das TZA von 28,75 Mio. Euro um 2,5 Millionen auf 26,25 Mio. Euro gesenkt werden, „ohne Aufgabe der Architektur, des energetischen Standards und Preisgabe von Anforde­rungen“, wie Edgar Mathe erklärte. Der Kostenkennwert von 1.416 Euro/m² BGF liegt jetzt sogar um fünf Prozent unter dem der Masterplanung.

Gleichzeitig war das Wirtschaftsreferat losgezogen, um die aus den Projektkosten resultierende Kostenmiete von knapp einer Million jährlich bei den potenziellen Mietern auf Marktgängigkeit zu testen, „mit einer Trefferquote von 100 Prozent“, wie Eva Weber erfreut berichten konnte. Alle 13 befragten Firmen – die zusammen genommen 61 Prozent der Flächen des TZA optiert haben – hätten die Mieten von 14,50 Euro für Büroflächen, 15 Euro für Labors sowie 9,50 Euro für Hallenflächen goutiert und ihr Mietinteresse weiter bekräftigt, darunter Firmen wie KUKA, Fujitsu, MT Aerospace und Premium Aerotec.

OB Kurt Gribl, der die Sitzung leitete, zeigte sich erfreut, dass damit die Finanzierung des TZA ohne Belastung des städtischen Haushalts stehe. Auch der Firmenverbund „Carbon Composite e.V.“, verantwortlich für die Erstellung des TZA-Anforderungskatalogs, bezeichnete die Entwurfsplanung als „gelungen“ und die Forderungen der Industrie als „vollinhaltlich erfüllt“, wie Jano von Zitzewitz, Leiter des Innovationsparks, dem Ausschuss berichtete.

„Leuchtturmprojekt der Wirtschaftsförderung“

„Dies ist ein erfolgreicher Tag für Augsburg“, so Thorsten Große (CSU). Das TZA sei in Deutschland einmalig und ein Leuchtturmprojekt der laufenden Stadtratsperiode, was die Wirtschaftsförderung betreffe. Dr. Werner Lorbeer (Pro Augsburg) ermahnte seine Stadtratskollegen, jetzt nicht mehr zu zögern und alle zum Baubeginn im Herbst 2013 notwendigen Beschlüsse bis zur Sommerpause zu fassen.

Fachliche Kritik kam von Reiner Erben (Grüne): Man dürfe nicht nur die technologische Seite des Projekts betrachten. „Es geht beim Innovationspark auch um gesellschaftliche Lösungen, da passiert noch zu wenig“. Allerdings sei der Wirtschaftsausschuss hierfür das falsche Gremium. Kritik kam vom Grünen Fraktionschef auch zum energetischen Konzept des TZA. Zwar unterschreite man die Anforderungen der Energieeinsparverordnung EnEV deutlich. Aber man habe eine Vorbildfunktion und müsse das tun, was technologisch machbar sei: „Da sind wir schon weiter als EnEV minus 35 Prozent“.

GmbH-Aufsichtsrat wird erweitert

Edgar Mathe nutzte Erbens Einwand, um sich nochmals bei den künftigen Mietern aus der Industrie für die Bereitschaft zu bedanken, neben den technologischen auch städtebauliche und architektonische Anforderungen mitzufinanzieren – „und auch die Ökologie“. Trotzdem gebe es Machbarkeitsgrenzen: Im Fall einer energetisch noch besseren Bauweise würde man „sicher in 16 Jahren wegen seiner Weitsicht gelobt, wenn der Strompreis jährlich um 7 Prozent steigt. Aber das TZA muss sich bereits zum Zeitpunkt t0 rechnen, und nicht erst ab t16„, so der WBG-Chef.

Der Wirtschaftsausschuss stimmte den weiteren Planungs- und Realisierungsschritten für den präsentierten TZA-Entwurf einstimmig zu. Konsens gab es auch bezüglich der Erweiterung des Aufsichtsrats gegenüber dem Entwurf des GmbH-Vertrags von sechs auf acht Mitglieder. Damit wurde einer späteren Aufnahme des Landkreises Aichach-Friedberg in die Gesellschaft und einer von den Grünen gewünschten breiteren Vertretung der Stadtratsfraktionen im Aufsichtsrat Rechnung getragen. Wegen der neu entstandenen kleinen Fraktionen habe er das beantragt, versicherte Reiner Erben, nicht aus Sorge um einen Grünen Sitz im Aufsichtsrat. Denn man selbst wolle nach der Kommunalwahl 2014 zweitstärkste Fraktion sein.

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