DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Samstag, 25.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

In eigener Sache: Leser-Reaktionen zur Causa Löw

Die Kommentar-Philosophie der DAZ ist ganz einfach: Keine Zeile ohne das sichere Gefühl, dass der Grundgedanke nicht irgendwie, sondern solide richtig ist. Zweitens muss gerade Meinungsjournalismus so differenziert und so entschieden wie möglich sein – und ohne die abgeschliffene „Sowohl-als-auch-Struktur“ auskommen: Mitten ins Herz zielen oder es sein lassen.

Natürlich ist es gut fürs Schreiber-Selbstbewusstsein, wenn daraus starke (also im politischen Handeln sichtbare) Reaktionen folgen. Das war bei den Max-Festen so, das war bei unserer OB-Kritik bezüglich seiner Rolle während der CSU-Spaltung so, bei der Kritik an der NCSM, bei der kommentierenden Berichterstattung über den FCA sowie einer Reihe von Ereignissen, die man nicht alle einzeln auflisten muss. Fast alle sichtbaren Reaktionen drückten Zustimmung aus, das war bei zurückliegenden „Leserbriefen“ nicht anders, viele waren voll des Lobes. Das kann man schlecht in aller Ausführlichkeit nach nach außen tragen, sonst könnte man ja merken, dass wir eitel sind.

Es geht nicht darum, um die Zustimmung der Leser zu buhlen

Natürlich ist es auch nicht uneitel, wenn man auf eine Breitseite von Negativ-Tiraden hinweist und sie der Leserschaft präsentiert. Negativ-Reaktion ist etwas, das es in der DAZ in dieser Form noch nicht gegeben hat. Das ist bei unserer Löw-Kritik der Fall. Ein Spektakel, das wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Es mag im Prinzip auch eitel sein, okay – aber es verfolgt einen uneitlen Zweck, nämlich darauf hinzuweisen, dass es im Meinungsjournalismus nicht darum gehen soll, um die Zustimmung der Leserschaft zu buhlen, sondern darum, einen Gedanken, den es möglicherweise so noch nicht gegeben hat, herauszuarbeiten und zu festigen. „Joachim Löw ist ein unglaublich schlechter Trainer“ ist zum Beispiel so ein Gedanke. Ein richtiger Gedanke, der sich nicht nur dadurch bestätigt, indem man Klubs befragt, bei denen Löw gearbeitet hat und blitzartig gefeuert wurde, sondern auch dadurch, indem mit unabhängigen Experten über bestimmte Spiele der Nationalmannschaft redet.

Urteil nach jahrelanger Beobachtung und tagelanger Recherche

„Die deutsche Nationalmannschaft wird seit vielen Jahrzehnten mit einer Folge von durchschnittlichen bis schlechten Bundestrainern geplagt. Joachim Löw passt in dieser Hinsicht perfekt in das Gefüge der Durchschnittlichkeit und der Missverständnisse“, so die DAZ am 11. Juni kurz nach dem Beginn der EM. Dieses Urteil entstand nicht durch ein Spiel oder aufgrund eines Turnierverlaufs, sondern durch langjährige Beobachtung sowie einer tagelangen Recherche. Zu der Einschätzung, dass Löw bestenfalls ein drittklassiger Trainer ist, kam die DAZ lange vor der EM. Ein Urteil, das im Lauf der EM durch ein Spiel besonders erhärtet wurde.

Die BILD-Zeitung ruderte gestern in ihrer Sonntagsausgabe in Sachen Löw-Kritik etwas zurück, nachdem ein Online-Voting ergab, dass 59 Prozent der Bild-Leser dafür sind, dass Löw weitermacht. Die Legende, dass Löw ein guter Trainer sei, hat viel mit der Sport- und Boulevard-Presse zu tun, die nur Schwarz und Weiß zu kennen scheint und ihr Urteil kurzfristig an Ergebnissen orientiert. Die DAZ wäre bei ihrem Urteil geblieben, selbst wenn Deutschland mit (trotz) Jogi Löw Europameister geworden wäre.

Eine gekürzte Zusammenfassung der DAZ-Beschimpfungs-Kononade:

  • Frau B.: „Wohnhaft in dieser schönen Stadt, schäme ich mich sehr, dass Sie den Namen meines Wohnortes dazu missbrauchen, solche schwachsinnige Artikel zu verbreiten. (…) Die Stadt Augsburg hat es nicht verdient, dass ihr Name mit diesem Schund von Journalismus in Zusammenhang gebracht wird!“
  • Herr P.: „Ekelhaft“.
  • Herr B.: „Ist schon wieder April?“
  • Herr N.: „Omfg was für ein Extremstmüll!! Selten so ein Bullshit gelesen.“
  • Herr T.: „Dann sollte Herr Zagler demnächst die DFB-Elf trainieren! Was für ein Bullshit!“
  • Frau A.: „Sie sind also der bessere Trainer… ich geh mal eben lachen…“

Zuschriften auf die DAZ-Analyse vor dem Italien-Spiel:

  • Herr V.: „Wenn unsere Nationalmannschaft nur einen Analysten Ihres Ranges als Trainer hätte, ich bin ganz sicher, sie hätten gleich mindestens neun Punkte bei 20:0 Toren aus den ersten beiden EM-Spielen geholt.“
  • Frau R.: „Selten in meinem Leben habe ich so viel Mist auf ein paar Zeilen gelesen. (…) Dass man so was abdrucken darf ist peinlich!“